KRITIK

Monsoon Wedding – Eine indische Hochzeit

Monsoon Wedding - Eine indische Hochzeit „Was heißt das: Matriarchat?“, fragt die kleine Cousine ihren Onkel und hält ihm ein dickes Buch entgegen. „Gar nichts, das gibt es nicht. Das muss Patriarchat heißen, mit einem P. War wohl ein Druckfehler.“, antwortet dieser kurz und knapp.
Wenn solche Scherze oder Unterhaltungen über Zungenküsse auf indischen Leinwänden erscheinen, schrammt Mira Nair wohl nur knapp an der örtlichen Zensur vorbei, ganz zu schweigen von dem Tabu des innerfamiliären Kindermissbrauches. War ihr Erstling („Salaam Bombay“) noch in den Unterschichten angesiedelt, so fokussiert sie in diesem unterhaltsamen Panoptikum den Blick auf eine gehobene Mittelstandsfamilie in Dehli. Mit vielen liebevoll inszenierten Details zeigt sie Bruchstellen westlicher und traditioneller Orientierung im heutigen Indien auf. Ironisch kommentiert sie das Bild erfolgreicher Akademiker, wenn z.B. der Sohn der Familie lieber Koch und Tänzer als erfolgreicher Programmierer werden möchte, oder im modern anmutenden Haushalt nach einem Stromausfall doch noch der Notstromagregator eingeschaltet werden muss.
Mit Naseeruddin Shah hat Nair nicht nur eine Größe aus dem sog. „Bollywood“ (Mitwirkung bei über 125 Filmen), sondern auch einen hervorragenden Schauspieler für die Rolle gewinnen können, die die unterschiedlichen Handlungsfäden mit unterschiedlichen Facetten gut zusammenhält. In ihrer doppelten Ausrichtung, einerseits am indischen Film mit Tanzszenen, bestimmten Figurenzuschreibungen, traditionellen Riten und ausgeprägter Liebesthematik, andererseits am europäisch-amerikanischen Kino mit seiner Bildsprache, seinem Humor und seiner Dramaturgie gelingt der Regisseurin ein Spagat, der beide Zuschauerkreise ansprechen kann. Der dominierende Charakter der Komödie legt als Vergleich weniger Robert Altman als Stephan Frear (in Zusammenarbeit mit Hanif Kureishi) nahe. Rainer Bach



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INHALT

Shaadi und Pyar, Hochzeit und Liebe aber auch Hochzeitslust und Hochzeitsfrust liegen nah beieinander, als der Brautvater Lalit die weltweit verstreuten Mitglieder der Punjabi-Sippe Verma nach Neu-Delhi zur Hochzeit Aditis mit Hemant einlädt.
Doch nicht nur das sich finanziell total verausgabende Familienoberhaupt steht kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Da wäre noch der Hochzeitsausstatter P.K. Dubey, dessen Handy aktiver ist als alles andere, die Verwandtschaft aus Übersee, die in Kleidung und Sitten arg amerikanisiert, arg australisiert daherkommt oder die einzige Tochter, die lieber die Affäre mit ihrem verheiraten Chef aufleben ließe als in der arrangierten Ehe mit Hemant aus Houston aufzublühen. Und als dann mitten in der Feier Ria, die Cousine der Braut, aufdeckt, dass der gönnerhafte Onkel nicht nur sie damals missbraucht hat, sondern sich jetzt wieder an einem kleinen Mädchen vergehen will, kippt die Stimmung der trinkfesten und tanzfreudigen Gesellschaft. Der eher überforderte Lalit trifft eine Entscheidung für die Familie und findet nicht nur bei seiner Frau dafür Anerkennung. Und wie man gelernt hat, mit den plötzlichen heftigen Monsunregen zu leben, so arrangiert man sich auch in dieser Gesellschaft, da doch neben der Haupthochzeit auch noch die Liebesgeschichte von Dubey und der Hausangestellten Alice und Tändeleien zwischen der „ungepflückten“ 17-jährigen Ayesha und dem ungeschickten Rahul aus Australien aufblühen.
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Eure Kritiken zu Monsoon Wedding – Eine indische Hochzeit

  1. Gabi

    Ein Fest..fuer die Familie und fuer die Sinne. Mira Nair hat mit ihren tollen Darstellern eine wirklich tolle geschichte in die Herzen der menschen gebracht. Toll!

  2. Udo

    Mira Nair hatte schon..mit Salaam Bombay und Kama Sutra ein einfühlsames Händchen für eine behutsame Erzählweise bewiesen. Mit Monsoon Wedding greift sie auf ihre Bollywood Wurzeln zurück und inszeniert eine wunderbare, chaotische Familienfeier voller kleiner Randgeschichten, die wirklich Spaß macht. Beschwingt verlässt man das Kino.. Für mich: Sehenswert

  3. Inga

    Sog. „Bollywood“ at its best..Ein wahres Fest für die Sinne, unbedingt anschauen!!!

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