KRITIK

Monsieur Pierre geht online

Bild (c) Neue Visionen 2017.

Deutsche Verleiher leiden an einem Anreden-Tourette, wenn sie französische Filme annoncieren müssen: Wann immer es geht, pappen sie ein „Madame“ oder „Monsieur“ in den Verleihtitel – einfach nur, weil damit im Gefolge von „Monsieur Ibrahim“ signalisiert wird, dass man es mit harmloser Unterhaltung, putzigen Figuren und einer verträglichen Dosis Rührung zu tun bekommen wird.

„Monsieur Pierre geht online“ heißt eigentlich „Un profil pour deux“ (Ein Profil für zwei) und amüsiert als nettes Cyrano-de-Bergerac-Upgrade fürs Internet-Zeitalter. In einer der beiden Hauptrollen glänzt Komiker-Legende Pierre Richard, früher „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“, heute 82 Jahre alt. Mit Regisseur Stéphane Robelin drehte er schon die Senioren-Dramödie „Und wenn wir alle zusammenziehen?„.

Diesmal spielt er den miesepetrigen Witwer Pierre, dem seine Tochter den etwas nichtsnutzigen Freund der Enkelin in die geräumige Wohnung schickt – das ist die andere Hauptrolle. Alex (Yaniss Lespert) soll dem Grantler das Internet erklären, was nach holprigem Beginn gut klappt – so gut, dass Pierre sich ein Profil auf einer Dating-Website anlegt, mit Alex´ Foto. Pierres nach Whatsapp-Standards unüblich poetisch formulierte Bezirzungen erweichen das Herz einer schönen jungen Frau, die irgendwann auf ein Date pocht – dort aber den 55 Jahre jüngeren Alex erwartet.

Fanny Valette hat einen etwas undankbaren Part, schließlich ist sie nur der Spielball zweier Männer, die bald beide in sie verliebt sind. Komisch ist das weniger in den Slapstick-Szenen als in den leiseren Momenten, in denen Richard eine anrührende Altersmelancholie durchscheinen lässt. Am Ende sind Alt und Jung natürlich ziemlich beste Freunde. Wenig weltbewegend ist das alles, aber solide gebaut.

 

 

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