KRITIK

Money Monster

Bild (c) 2016 Sony Pictures Releasing GmbH.

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Der Finanzkapitalismus, ein Zirkus – Jodie Fosters vierte Regiearbeit nimmt das beim Wort. Annähernd in Echtzeit schaut man einer aus dem Ruder laufenden Fernsehshow zu, in der George Clooney den charismatischen Zampano gibt, einen Zauberer, den „Wizard of Wall Street“. Bewährt grimassierfreudig spielt er diesen Star-Moderator namens Lee Gates, dessen Show „Money Monster“ das Thema Anlageberatung zur EntertainmentSause auf Furzkissenniveau heruntergeregelt hat: Es tanzen die Girls, es fiepen die Jingles, die Sendung lärmt und dröhnt wie eine Donald-Trump-Rallye, die es ins italienische Berlusconi-Fernsehen verschlagen hat. Und enden die Tipps mal im Bankrott: bitte weitergrinsen!

Eines Abends rauscht dann der verzweifelte Trucker Kyle Budwell (Jack O´Connell, der Schmerzensmann aus Angelina Jolies „Unbroken„) live in die Sendung ­– mit vorgehaltener Waffe. Der junge Mann verlor mit einem von Gates angepriesenen Investment sein Vermögen und will den Showman zur Rechenschaft ziehen. Als er Gates einen Sprengstoffgürtel umschnallt, wird die Medienfarce zum Geiselthriller: Polizei-Verhandler und Scharfschützen kreuzen auf, und Sendeleiterin Patty Fenn (sehr gut: Julia Roberts) muss als Knopf in Lee Gates´ Ohr die Deeskalation vorantreiben.

Szene_Money_Monster_2Was Jodie Foster hier vorhatte, ist schnell klar: eine schneidende Mediensatire gepaart mit Kritik am entfesselten Finanzkapitalismus. Für ersteres liegt seit Sidney Lumets Meisterwerk „Network“ (1976) die Messlatte hoch, letzteres ist in Hollywood gerade ohnehin in Mode: Adam McKays „The Big Short“ holte gerade erst den Drehbuch-Oscar. So richtig aber zündet „Money Monster“ nicht. Zwar mag man dem im Fach des charmanten Zynikers bestens erprobten Clooney auch hier gerne zuschauen, doch der Plot verschenkt einen Gutteil des kritischen Potenzials: Der Geiselnehmer erweist sich als weniger rechtschaffen, Clooneys Figur als weniger eklig als gedacht, und am Ende ist nicht das System schuld an der Misere, sondern die Raffgier eines Einzelnen. Na ja.

Auf der Habenseite stehen Fosters Regie, die das Szenario zwischen Monitoren, Live-Situation und Außenblick spannend nach vorne treibt, sowie mit Dominic West („The Affair“) und Caitriona Balfe („Outlander“) zwei immer sehenswerte Serien-Stars in den Nebenrollen.

 

 

 

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