KRITIK

Mondscheintarif

Mondscheintarif Ist es eine gute Idee, eine neue Geschichte in einem alten Gewand zu erzählen? Natürlich ist es das! Darf man es als einfallsreich bezeichnen, eine bekannte Geschichte mit bekannten Hilfsmitteln in einem alten Gewand zu erzählen? Das kommt auf den Regisseur an! Und der heißt hier Ralph Huettner und zeichnet sich verantwortlich für so nette Filme wie „Texas – Doc Snyder..“ oder „Die Musterknaben“.

Huettner gelingt das Vorhaben, eine bekannte Geschichte, mit anderen Personen und bekannten Hilfsmitteln in einem alten Gewand zu erzählen, ohne das ihm nachher der Prozess des Plagiatvorwurfs gemacht werden kann. Ein wahrer Könner also! Alles klar? Nein? Also langsam. Huettners Hauptdarstellerin heißt nicht Reneé Zellwegger sondern Gruschenka Stevens. Und Gruschenka, die hier nicht eine frustrierte Bridget Jones, sondern die dreißig jährige Cora Hübsch verkörpert, ist die Idealbesetzung für eine Rolle, von der sie selbst behauptet, es sei die ihres Lebens. Irgendwo zwischen kindlicher Naivität und selbstbewusster junger Frau pendelt sie ihr Schauspiel einer jungen Frau ein, die sich hoffnungslos in den gutaussehenden Arzt Dr. Hoffmann verliebt. Ein Konstrukt, das man aus Abermillionen Billigromanen kennt.

Was also zeichnet diesen schon bekannten und doch anderen Film aus? Im Grunde genommen nicht viel, das aber auf eine erfrischend eindringliche Art und Weise. Huettner pflastert den beschwerlichen Weg des Kennenlernens mit zahlreichen netten Einfällen. Wie Cora vor Scham nach einer unfreiwilligen Toilette im Boden versinkt oder ihre Lieblingsband hört, die prompt im Wohnzimmer steht, ist unverkennbar der erfolgreichen TV-Serie „Ally McBeal“ nachempfunden. Das ist zwar einfach – aber auch einfach richtig gut.

Zudem bricht Huettner mit den gängigen Konventionen und lässt Cora Hübsch selbst ihre Geschichte erzählen. Sie gibt zahlreiche Tipps, spricht mit dem Publikum und baut so eine noch intensivere Nähe auf, die zu Herzen geht und seltsam sympathisch wirkt. Zwar lacht man mehr über – als mit der Hauptdarstellerin, aber wie hat es Christina Ricci in „The opposite of sex“ (1999) so schön formuliert: „Falls Sie zu den Leuten gehören, die Filme nicht ausstehen können, wo ständig einer im Hintergrund quasselt und alles kommentiert und am Ende sagt: Nach diesem Sommer war ich nicht mehr die selbe, dann muss ich Ihnen leider sagen: Sorry, Sie sitzen im falschen Film. Aber Sie können ja noch gehen, bevor ich anfange Sie zu langweilen.“ Langeweile kommt bei Cora nicht auf, sie spielt nicht Bridget Jones, sondern Cora Hübsch und das sehr überzeugend in einer witzigen und sympathischen deutschen Komödie.



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INHALT

Als Fotografin Cora Hübsch nach etlichen Fehlschlägen endlich ihren Traummann Dr. Daniel Hoffmann kennen lernt, heißt es Ruhe bewahren und strategisch vorgehen. Denn sowohl Coras verstorbene Oma als auch ihre Busenfreundin Jo haben der romantischen jungen Frau wiederholt eingebläut: Willst du was gelten, dann mach dich selten. Trotz vermeintlicher Nebenbuhlerin und allerlei peinlicher Missgeschicke auf Seiten Coras, finden sie und Daniel schließlich zusammen und verbringen ihre erste gemeinsame glückliche Nacht. Doch immer darauf bedacht die „Spielregeln“ zu beachten, wartet Cora nun bereits den dritten Tag vergeblich auf einen Anruf ihres Herzbubens und verbringt einen langen Samstag zwischen Hysterie und Verzweiflung. Denn von ihrer besten Freundin Jo weiß Cora: Ruft er nach drei Tagen nicht an, ruft er nie mehr an...
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Eure Kritiken zu Mondscheintarif

  1. Eliza

    FrauenproblemeDie durchaus liebeswerte Darstellung diverser Frauenprobleme und eine super Hauptdarstellerin führen zu einer sehenswerten Symbiose, die auch mich zu oft mitfühlendem Kopfnicken veranlaßt hat. Wirklich nett!

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