KRITIK

Mona Lisas Lächeln

Mona Lisas Lächeln Gleich vorweg: Mona Lisas Lächeln lässt einen kalt. Und das hat viele Gründe. Zuerst die, an denen es nicht liegt: Der Film ist bis in die Nebenfiguren glänzend besetzt. Angeführt von Hauptdarstellerin Julia Roberts, spielt sich ein Ensemble der derzeit angesagtesten jungen weiblichen Filmschauspielerinnen, unter anderem Julia Stiles (Save the Last Dance), Kirsten Dunst (Spider-Man, The Virgin Suicides) oder Maggie Gyllenhaal (Confessions of a Dangerous Mind, Adaption, Secretary) die sprichwörtliche Seele aus dem Leib. Auch der Filmset stimmt – er könnte einer Wohlfühl-Tchibo-Werbung nachempfunden sein, so kuschelig kommt das ehrwürdige College daher. Dazu reiche und stinkkonservative Ostküsten-Snobs, viele zarte Pastelltöne, etwa bei den Pettycoats der Mädchen oder dem Laub im herbstlichen Massachusetts – fertig ist die Wohlfühl-Atmosphäre. Auch bei der Filmmusik wurden die richtigen Töne, sprich Songs ausgewählt. Reibeisenstimme Joan Javitz haucht ein zartes „Santa Baby“ oder Consuelo Velazquez das weltbekannte „Besame mucho“ in die Surround-Boxen des Kinosaals. Nein, an diesen Dingen liegt es nicht – nicht an der sog. Verpackung. Es liegt vielmehr am Inhalt und an der Aussage, sprich am missratenen Drehbuch und dessen miserablen Umsetzung, dass der Film so gar nicht beim Zuschauer ankommen will. Letzteres verwundert, nahm doch auf ausdrücklichen Wunsch der Produzenten niemand geringerer als Mike Newell auf dem Regiestuhl platz. Der Mike Newell, der bereits 1985 „Der Mann mit der eisernen Make“ mit Richard Chamberlain verfilmte und so holprigen Drehbüchern wie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ den richtigen Schwung verlieh. Hier jedoch schien er letztendlich mit der hervorragenden weiblichen Schauspielerriege völlig überfordert gewesen zu sein.
Der Zuschauer bekommt den Eindruck, als hätten sich die Nebendarstellerinnen im Hintergrund um Präsenzzeiten auf der Leinwand gestritten – jede möchte länger im Bild sein als die andere. Der Film wirkt somit unfertig und zusammengestückelt. Hat man sich an eine Einsamkeit gewöhnt, folgt Kameradschaft, hat man sich an Missverständnis gewöhnt folgt Teamgeist. Zu diesem Stakkato der Gefühlsdarstellung gesellt sich eine unerklärbare Unentschlossenheit. Filmset und Zeit geben wie schon bei „Der Club der toten Dichter“ genügend Stoff für ein Loblied auf die Veränderung der Gesellschaft. Doch Regisseur Newell erzählt hier vom Scheitern der modernen Frau, Julia Roberts sitzt zwischen allen Stühlen weiblicher Identifikationsangebote und wirkt wie eine Science-Fiction Figur aus den späten Sechzigern, die sich in die frühen Fünfziger verirrt hat. Auf der einen Seite ist ihr die Erlösung durch den potentiellen Gatten zuwider, auf der anderen Seite fehlt ihr der Mut, gegen einen übermächtigen Gegner – die gesellschaftlichen Konventionen, sprich die bornierte Schulleitung – in den Kampf zu ziehen. Was bleibt, ist ein Puzzle mit schönen, bewegten Motiven und kurze Episoden weiblicher Schauspielkunst. Doch das ist hier viel zu wenig.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Massachusetts, 1953: Amerika auf dem Höhepunkt der McCarthy-Ära. Die frei denkende Berkeley-Absolventin Katherine Watson tritt am renommierten Wellesley-Mädchen-College eine Stelle als Dozentin für Kunstgeschichte an. Schon bald nach ihrer Ankunft sieht sie sich mit engstirniger Moral, erzkonservativen Sitten und erstickenden Konventionen konfrontiert: Als Katherine versucht, die traditionsbewussten jungen Mädchen zu unabhängigem Denken und zur Entfaltung ihrer individuellen Talente zu ermutigen, stößt sie schnell auf den Widerstand der Fakultät – und einer ihrer Schülerinnen, Betty Warren. Die frisch verheiratete Studentin wird zur entschlossenen Gegnerin, als Katherine deren beste Freundin Joan Brandwyn dabei unterstützt, sich an der Yale Law School zu bewerben. Zugleich findet die intelligente und rebellische Giselle Levy ein lang vermisstes Vorbild in ihrer modernen und selbstbewussten Lehrerin.
In einer Gesellschaft, die allen vorgibt, was sie zu denken und wie sie zu leben haben, zeigt Katherine den Mädchen, dass das Leben mehr zu bieten hat als die Rolle der Hausfrau und Mutter. Doch im Laufe der Zeit und ihrer Bemühungen um die Emanzipation der Heranwachsenden muss sich Katherine eingestehen, dass sie selbst lange nicht so unabhängig ist, wie sie glaubte.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Mona Lisas Lächeln

  1. Videofreak

    SchönEigentlich ist Julia Roberts jede Eintrittskarte zu einem Film wert. Hier spielt sie die etwas überforderte Feministin, na ja, schon ganz nett. Aber die Musik machts…

  2. Eliza

    Toller FilmVor allem die Schauspielerinnen um Julia Roberts habe mir ausserordentlich gut gefallen, die geschhichte ist stimmig und nachvollziehbar. Ich kann deshalb die Kritik hier nicht recht verstehen, ein toller Film.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*