KRITIK

Moment der Wahrheit, Der

Bild (c) Universum Filmverleih.

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Cate Blanchett glänzt einmal mehr. Wie so oft auch hier in der Rolle der Produzentin Mary Mapes im Krimi „Der Moment der Wahrheit“ von Debüt-Regisseur James Vanderbilt. Der Plot bedient sich jedoch langweiliger Stereotypen und kommt daher nur selten an richtig großes Kino heran. Dabei bietet die Story genügend Zündstoff. Denn der Skandal war heftig: Im Wahlkampf 2004 wurden der TV-Produzentin Mary Mapes Hinweise zugespielt, dass sich der republikanische Präsident George W. Bush Anfang der Siebziger mit dubioser Hilfe seines Vaters die Einberufung nach Vietnam erspart haben soll und sich stattdessen der texanischen Air National Guard zuweisen ließ, bei der er ein Jahr lang gar nicht aufgekreuzt sein soll. Ein Verhalten, dass den patriotischen Fans des Hardliners sicher nicht schmecken dürfte.

News-Produzentin Mapes und Moderatorenlegende Dan Rather sendeten die Story in der CBS-Nachrichtensendung „60 Minutes“ – und wurden prompt gefeuert, nachdem die Bush-Kamarilla, aber auch liberale Medien nachweisen konnten, dass die Beweise nicht stichhaltig waren. Nach heutigem Kenntnisstand hatten Mapes und Ra­ther im Grundsatz wohl recht; dennoch ist der Fall ein auch für heutige Zeiten wichtiges Lehrstück dafür, wie unsauberes journalistisches Arbeiten der Gegenseite nützt und das „Lügenpresse“-Geschrei befeuert.

Szene_Moment_WahrheitDebüt-Regisseur James Vanderbilt (Autor von „Zo­diac„) erzählt den Vorfall betont parteiisch nach, aber ohne allzu plumpes Bush-Bashing. Er bedient sich dazu der üblichen Aktenwälz- und Spiralblock-Stereotypen des Reporterfilms, erreicht aber nie die Dichte von öhnlichen Journalisten-Filmen wie „Spotlight„, „State of Play“ oder des ewigen Vorbilds „Die Unbestechlichen“. Dessen Star Robert Redford wirkt hier als Dan Rather in seiner ausgestellten Seriosität fast statuarisch. Oscar-Gewinnerin Cate Blanchett ist dagegen stark als Produzentin, die mit Engagement gegen die Wand fährt. Doch sie allein gibt dem Ganzen nicht den Zündstoff, den der Film gebraucht hätte.

 

 

 

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INHALT

New York, September 2004. Mary Mapes (Cate Blanchett) wird als Produzentin von "60 Minutes", des erfolgreichsten TV-Nachrichtenmagazins des Landes, allseits respektiert und geschätzt. Während sie im Beruf erfolgreich ist, führt sie privat ein glückliches Leben mit ihrer Familie. Doch als ihrem Team mitten im Präsidentschaftswahlkampf "Bush vs. Kerry" brisante Informationen über Dokumente aus den 1970er Jahren zugespielt werden, die belegen sollen, dass George W. Bush sich mit Hilfe seiner Familie vor einem Militäreinsatz im Vietnamkrieg gedrückt hat, gerät ihr Leben aus den Fugen. Mapes und der angesehene CBS-Anchorman Dan Rather (Robert Redford) enthüllen die Informationen im Rahmen eines investigativen Berichtes in "60 Minutes". Die Meldung schlägt ein wie eine Bombe. Doch innerhalb kürzester Zeit steht plötzlich nicht mehr Bushs Militärakte im Zentrum des Skandals. Es sind Mapes, Rather und ihr Team, die unter schärfsten Attacken von Medien und Öffentlichkeit ihre Story und deren Recherche verteidigen müssen. Während Dan Rather, Marys langjähriger Kollege und väterlicher Freund, vollstes Vertrauen in seine Produzentin hat, bringen die Angriffe Mary an ihre persönlichen Grenzen, als sich auch ihr Vater und selbst ihr eigener Sender gegen sie wenden. Es beginnt ein Kampf um persönliche und journalistische Integrität und Unabhängigkeit ... (Text: Universum Filmverleih)
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