KRITIK

Mit Herz und Hand

Mit Herz und Hand Kaum zu glauben, aber diese Geschichte ist wahr. Burt Munro hat es wirklich gegeben. Und der Neuseeländer hat 1967 wirklich den Geschwindigkeitsrekord auf der „Speed Week“ auf den Salzseen von Utah gewonnen, und er hat das auch wirklich auf seinem recht gebrechlichen Motorrad geschafft, einer „Indian“ aus dem Jahrgang 1920. Burt nannte sie „The World`s Fastest Indian“, die schnellste „Indian“ der Welt, und deswegen heißt der Film im Original auch so.

Regisseur Roger Donaldson (drehte zuletzt den CIA-Krimi „Der Einsatz“ mit Al Pacino und Colin Farrell) hat noch zu Lebzeiten von Munro eine Doku über diesen heute vergessenen Helden Neuseelands produziert. Jetzt ist er selbst schon über 60 und fand die Zeit wohl reif für eine fiktionale Verfilmung dieser unglaublichen Lebensgeschichte. Tatsächlich war das eine gute Entscheidung, denn ein äußerst sehenswerter, amüsanter und rührender Film ist dabei herausgekommen. Was nicht nur am schnurrigen Drehbuch liegt, das keine Sekunde Langeweile aufkommen lässt, sondern natürlich auch an Sir Anthony Hopkins, dem die Rolle des alten Sonderlings wie auf den Leib geschneidert scheint.

Zuletzt hatte Hopkins in angestrengten Alte-Männer-Rollen („Der menschliche Makel“, „Der Beweis“) immer etwas müde und ausgelaugt gewirkt, doch in „Mit Herz und Hand“ kann er aus den Vollen schöpfen und einen Kauz ausgestalten, wie er im Buche – oder wenigstens in der Wirklichkeit – steht. Sein Burt Munro lebt in den Sixties in einer baufälligen Hütte in Invercargill, einem Küstenkaff in Neuseeland. Seinen spießigen Nachbarn ist er ein Dorn im Auge, dem Rest der Gemeinschaft gilt er als freundlicher Kauz, der niemandem etwas zu Leide tut. Manchmal wird er von örtlichen Rockerbanden zum Duell aufgefordert, das er dann verliert, was ihm wiederum nichts ausmacht. Auch sein Liebesleben kann sich noch sehen lassen: Nach Lust und Laune verführt er reife Ladies. Für seinen größten Traum jedoch werkelt er in jeder freien Minute im Schuppen, gelegentlich unterstützt vom kecken Nachbarsjungen Tom (Aaron Murphy): Er will nach Bonneville ins amerikanische Utah reisen, um dort die „Speed Week“ zu gewinnen, mit seiner ollen Indian.

Irgendwann ist es tatsächlich so weit, durch finanzielle Unterstützung eines Bekannten macht sich Burt als Hilfskoch eines Schiffs auf die große Reise. Die Fahrt von New York nach Utah erzählt der Film dann im klassischen Road-Movie-Stil, obendrein ähnlich verdreht wie David Lynchs „Straight Story“. Der alte Burt mit seinem Retro-Motorrad, immer freundlich zu allen „Eingeborenen“ und am Ziel seiner Träume alle technischen Hindernisse überwindend: Das ist stets umwerfend charmant anzusehen. Und wenn am Ende Burts Lebenstraum in Erfüllung geht wie in einer kitschigen Hollywoodgeschichte, dann ist das Schönste daran, dass es auch in Wirklichkeit genau so kam. Es ist eine feine Überraschung, dass wir an dieser Geschichte heute nochmals teilhaben dürfen – in diesem rundum lohnenswerten Feel-Good-Movie.



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INHALT

Invercargill, Neuseeland, 1967. Der 65-jährige Burt Munro gilt in der Kleinstadt als der Stadtirre, weil er sich fest vorgenommen hat, mit seinem Motorrad, Baujahr 1920, schnellster Mann der Welt zu werden. Aber Burt ist trotz eines Herzfehlers nicht von seinem Traum abzubringen. Mit seinem Ersparten und ein paar Spenden setzt er nach Los Angeles über. Sein Glück ist seine grenzenlose Offenheit, mit der er immer und überall sofort Freundschaften schließt. Schließlich kommt er tatsächlich in den Salt Flats von Bonneville an.
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