KRITIK

Mission: Impossible 4 – Phantom Protokoll

Plakat_mission_impossible_4_phantom_protokollMake it your own Mission.“ Mit diesen markigen Worten war Produzent und Hauptdarsteller Tom Cruise seit 1996 drei Mal an seine Regisseure herangetreten. Jeder sollte seine eigenen Ideen für das Projekt „Mission: Impossible“ umsetzen. Was bereits dem ersten Verantwortlichen auf dem Regiestuhl sehr gut gelungen war. So schuf Brian De Palma schon 1996 mit der ersten Leinwand-Variante der sehr erfolgreichen TV-Serie „Kobra, übernehmen Sie“ den Prototyp für eine Filmreihe, die mit jedem neuen Teil phänomenale Kassenerfolge feierte.

Den vierten Teil der Reihe, basierend auf einem Drehbuch von zwei TV-erprobten („Alias“) Drehbuchautoren (André Nemec, Josh Appelbaum), sollte ausgerechnet ein Trickfilmregisseur übernehmen. Brad Bird war zuvor als Regisseur und Drehbuchautor der äußerst erfolgreichen Animationsfilme „Die Unglaublichen“ und „Ratatouille“ sowie als kreativer Leiter hinter den Pixar-Megahits „Oben“ und „Toy Story 3“ in Erscheinung getreten. Ein Trickfilmexperte auf dem Regiestuhl eines Actionfilms? Dazu mit einem Hauptdarsteller, der nach zahlreichen Eskaden in Hollywood sein Reper­toire doch erheblich einge­schränkt hatte, und sich, abgesehen von einem Film wie „Tropic Thunder“ und „Valkyrie“, zusehends auf die Rolle des Ethan Hunt, Spezia­listen für unmög­liche Aufträge, beschränkte?

Das Wagnis ging auf. Brad Bird ließ den schmerzlich vermissten Teamgeist der Serie wieder aufleben und stellte Tom Cruises Ethan Hunt eine Crew aus echten Charakterköpfen zur Seite. Jeremy Renner als smarter Analytiker mit verschwiegenen Talenten, Paula Patton als schlagkräftige, rachsüchtige Feldagentin und Simon Pegg als High-Tech-Wizard mit erstem Außeneinsatz gewinnen im Lauf des Geschehens immer mehr an Profil, und zum ersten Mal verließ der „M:I-Fan“ das Kino mit dem Gefühl, dass man dieses Team gerne wieder in gemeinsamer Aktion sehen möchte.

Szene_M_I_4Brad Bird nahm zudem das fortgeschrittene Alter seines Hauptdarstellers auf und zeigte seinen Zuschauern wie es aussieht, wenn Top-Spione scheitern. Denn Ethan Hunt (Tom Cruise) ist zu Beginn des Films in einem Moskauer Gefängnis inhaftiert. Sein IMF-Kollege Benji Dunn (Simon Pegg) hat sich in die Sicherheitssysteme gehackt und ermöglicht dem berühmten Agenten die Flucht. Gemeinsam mit Agentin Jane Carter (Paula Patton) lässt die neue Mission nicht lange auf sich warten. Auftragskillerin Sabine Moreau (Léa Seydoux) ist in den Besitz einiger „Top Secret“-Codes gekommen, hinter denen der internationale Top-Terrorist Kurt Hendricks (Michael Nyqvist) her ist. Der wäre damit in der Lage, russische Atomraketen auf die USA abzufeuern und damit einen nuklearen Weltkrieg zu entfachen. Da er einen Anschlag auf den Kreml in Moskau geschickt Ethan Hunt und dessen Team in die Schuhe schiebt, können die Agenten daraufhin nicht mehr mit der Unterstützung der US-Regierung rechnen. Das „Phantom Protokoll“ (siehe Titel) greift, durch das jegliche Existenz des IMF geleugnet wird. Zusammen mit dem Top-Analysten William Brandt (Jeremy Renner) besteht das IMF-Team gerade mal aus vier Personen, die nun im Alleingang die Welt vor dem Untergang bewahren müssen.

Trotz des etwas angestaubten, nostalgischen Plots und sichtbaren Anleihen an „James Bond 007 jagt Dr. No“ überzeugt der vierte Teil der Reihe, weil sich die Drehbuchautoren auf die alten Teamgeist-Werte der TV-Serie besinnen, Tom Cruise auch mal scheitern darf und jede einzelne Figur ein ganz besonderes, mindesten zweidimensionales Eigenleben bekommt. Zwar ist hinsichtlich der szenen- und bruchstückhaften Dramaturgie sowie des enervierenden (BMW-)Product Placements noch viel Luft nach oben, doch wenn spektakuläre Stuntszenen (wie die am Burj Khalifa) noch Tage nach Filmsichtung im Gedächtnis haften bleiben, haben alle Verantwortlichen wenig falsch gemacht.

 

 

 



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