KRITIK

Mirrors

Mirrors Man ist bei Freunden zum ersten Mal eingeladen und fragt zu später Stunde wo die die Toilette ist. Auf dem Weg dorthin schaltet man das Licht ein und erschreckt sich plötzlich vor sich selbst: Schließlich hat man ja nicht gewusst, dass sich gerade vor einem ein Spiegel befindet.
Die Meisten dürften solch oder eine ähnliche Situation wohl bereits erlebt haben. Der französische Regisseur Alexandre Aja hat nun beschlossen, Spiegel und Reflexionen in einem Horrorfilm, basierend auf dem koreanischen Schocker „Into the Mirrors“ von Sung-ho Kim, zu bearbeiten.

Der Held des Films ist keineswegs als solcher zu bezeichnen: Ben Carson (Kiefer Sutherland) ist von seinem Job als Undercover-Polizist suspendiert worden, nachdem er für den Tod seines Partners mitverantwortlich war. Zuflucht hat Ben im Alkoholismus anstatt bei seiner Frau (Paula Patton) und seinen zwei Kindern gefunden, was der Grund dafür ist, warum ihn diese verlassen haben. Ben ist aber auf dem Weg der Besserung: Kein Alkohol seit Wochen, wieder mehr Kontakt zu seiner Familie und einen neuen Job als Nachtwächter in den Ruinen eines Kaufhauses, das von einem Brand nahezu komplett zerstört wurde. Dass die einzigen Einrichtungen, die nicht Opfer des Feuers wurden, unzählige Wandspiegel sind, scheint Ben Anfangs kaum aufzufallen. Es beginnt jedoch auf verschiedenen Spiegeln der Begriff „Esseker“ zu erscheinen und er beginnt langsam Dinge darin zu sehen, die sich vor diesem gar nicht abspielen: Eine Frau die vor lauter Brennwunden im Sterben liegt, ist dabei sogar weniger mysteriös als Bens Einbildung, dass er plötzlich unter Feuer steht.

Die Vorfälle in und um die Spiegel erstrecken sich auch auf die Umgebung des Protagonisten aus: Seine Schwester Angela (Amy Smart) stirbt an einem qualvollen Selbstmord, den ihr Badezimmerspiegel zu verantworten hat und auch Bens Sohn beginnt sich immer eigenartiger zu benehmen.

Alle Überraschungen und Wendungen in „Mirrors“ scheinen erzwungen und die Schockmomente sind nie besonders Angst einflößend, was daran liegt, dass sie sich immer wieder groß anzukündigen scheinen: Wer erwartet nicht, nachdem Ben länger in den Spiegel schaut, eine plötzliche Veränderung des Abbildes?

Nach „High Tension“ und dem passablen und erfolgreichen Remake von „The Hills Have Eyes“ ist Alexandre Aja einer der Regisseure geworden, denen man die Zukunft des Horrorfilms ruhigen Gewissens hätte anvertrauen können. Die explizite Darstellung von Gewalt war ein Bonus bei seinen früheren Werken, in „Mirrors“ jedoch scheinen diese oft unnötig und sogar spannungshemmend. Ein Musterbeispiel ist dabei der Tod von Bens Schwester Angela, der abgesehen von unpassend eingesetztem Splatter nicht viel bietet.
Leider ist aufgrund der monotonen Darstellung spürbar, dass für Kiefer Sutherland die Rolle des Ben Carson, wie wohl auch bei seinen Vorgängerfilmen „The Sentinel“ und „Taking Lives“, nicht mehr bedeutete als schnell verdientes Geld in der Drehpause seiner Serie „24“.
Einzig positiv hervorzuheben ist die Nachwuchsschauspielerin Paula Patton („Déjà Vu“), die Bens Gattin spielt. Sie macht das Bestmögliche aus den von Aja und seines Co-Autors Grégory Levasseur geschriebenen hölzernen Dialogen. Und auch die Filmmusik von Javier Navarrete („Pans Labyrinth“) verdient Anerkennung.

Allgemein betrachtet werden jedoch sowohl der Zuschauer des anspruchsvollen Kinos als auch Horrorfans von „Mirrors“ eher enttäuscht sein.



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INHALT

Ben Carson muss den Polizeidienst quittieren und in einem verfallenen New Yorker Kaufhaus als Nachtwächter arbeiten. Auf seinen Rundgängen durch die finsteren Hallen und Gänge reflektieren gewaltige Zierspiegel düstere Bilder der Vergangenheit. Sind die geisterhaften Erscheinungen nur Hirngespinste? Schon bald sieht sich Carson einer teuflischen Macht gegenüber, die über Spiegel in unsere Welt tritt und das Leben seiner Frau und Kinder bedroht. Carson muss sich dem schaurigen Geheimnis hinter den Spiegeln stellen, aber die Wahrheit wird ihn bis ins Mark erschüttern.
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