KRITIK

Minority Report

Minority Report Steven Spielberg, ein Kindskopf? Nein, eher Moralapostel der modernen Kinounterhaltung. Der erfolgreichste Regisseur der letzten 20 Jahre (gemessen am Einspielergebnis seiner Filme), der es wie kein zweiter versteht, die verschiedensten Motive, Märchen und Geschichten in emotionale Kinokunst zu verwandeln, durchbricht wie so oft auch hier sämtliche Genreformeln und propagiert einmal mehr sein Leitmotiv der familientauglichen Kinounterhaltung, „seine“ Heilig- und Unantastbarkeit der Institution Familie. Nicht das Warum, sondern das Wie bereitet ihm dabei zunehmend große Freude – Je subtiler, je geschickter, je besser, so scheint es.
Doch zugegeben, nicht zuletzt die Tatsache, dass er dem Zuschauer diese persönlichen Vorstellungen einer scheinbar nur auf dieser Basis funktionierenden Zukunft anhand zahlreicher winziger Metaphern, die sich erst auf dem Nachhauseweg zu einem klaren Bild formen, unterbreitet, demonstriert seine Klasse als erfolgreicher Filmemacher. Der Zuschauer bekommt nie das Gefühl mit der Moralkeule erdrückt zu werden oder den berühmten moralischen Zeigefinger unter der Nase zu spüren. Und doch steckt hinter allen Spielberg-Filmen diese ganz persönliche Aussage, eine ganz persönliche Spielberg-Message.
Äußerst geschickt rüttelt Spielberg dabei immer subtiler und aufwendiger an den Vorstellungen von Ethik und Moral. Und wie in all seinen Filmen wird auch in „Minority Report“, oder frei übersetzt „Minderheitenreport“ am Gefühlszentrum gezupft und gerüttelt, um die eigenen Moralvorstellungen zu transportieren.
Zudem hat er aus der Tatsache, dass es für einen erfolgreichen Film zwingend notwendig ist, schwierige Stoffe möglichst massenkompatibel unters Volk zu bringen, immer wieder gelernt. Nicht zuletzt aus seinem vorangegangenem Film „A.I. – Künstliche Intelligenz“. War „A.I.“ aus dem Jahr 2001 noch für viele ein schwer verständlich und verdaubares epochales Kinomärchen, bleibt Minority Report ein gewöhnlicher Action-Film mit einer dünnen Geschichte in einer aufwendigen Verpackung. Die, das muss man lobend anmerken, wahrlich keine Wünsche offen lässt.
Das Geschehen wird hier nicht von einer zentralen, sondern gleich von vier Figuren getragen. Die Exekutive bildet gekonnt souverän Held Tom Cruise als Chief John Anderton. Seine Lebensgeschichte mit dem Verlust des 6-jährigen Sohnes und der damit verbundenen Zerschlagung der Familie beschreibt und inszeniert ein Horror Szenario, das aus der Feder des Science Fiction Autors Philipp K. Dick stammt. „Wenn Sie diese Welt schlecht finden, sollten Sie mal ein paar von den anderen sehen“ heißt es bei Phillip Dick. Spielberg hat nun Dicks Kurzgeschichten-Vorlage entkernt, mit einer hervorragenden Ausstattung und Einfällen aufgerüstet und wieder einmal seine Moralvorstellungen in ganz winzigen Metaphern versteckt.
Die Legislative und damit die anderen drei Hauptdarsteller sind die sog. „Pre-Cogs“. Drei Wesen mit hellseherischen Fähigkeiten, die früh der Mutter entrissen, für die Vorhersehung verschiedener Verbrechen sorgen. Und da es die Politik im herkömmlichen Sinne nicht mehr gibt, lässt sich sagen, dass im Jahre 2054 keine einflussreicheren Geschöpfe existieren, als die drei sog. Pre-Cogs. Diese drei Auguren wiegen sich in einem Bassin, aufgefüllt mit einer milchigen Flüssigkeit, eine Art Indoor-Swimmingpool, das von den Verantwortlichen liebevoll „Tempel“ getauft wird. Aus diesem Hort der Friedfertig- und Glückseligkeit entspringen einige Handlungsabläufe, die fortan die Geschichte lenken. Auch hier lassen sich hervorragend Parallelen zur konservativen Struktur der Institution Familie und die damit verbundenen Auswirkungen aufgrund einer Zerschlagung eben dieser herein interpretieren.
Dennoch ist „Minority Report“ anders. Doch was ist anders? Was hat Spielberg nach seinem A.I. – Artificial Intelligence-Flop (gemessen am Einspielergebnis) gelernt??
Spielberg nimmt sich hier etwas zurück und verhüllt seinen sonst gern gezeigten rosigen Optimismus in ein Film Noir-Dekor mit viel Blau, viel Regen und viel Grau in Grau. „Ich wollte den scheußlichsten, schmutzigsten Film machen, den ich je gedreht habe“, bekannte der Regisseur, und bereits nach den ersten Minuten des Films gibt es keine Zweifel mehr, dass ihm dies auch gelungen ist. Das macht aus seiner neuesten Zukunftsvision zwar noch kein Film-Noir Meisterwerk, zeigt aber wieder einmal sehr deutlich, das ihm kein Genre, keine Filmepoche und keine Zeit so heilig ist, als dass man sie nicht noch irgendwo unfrisiert verwursten könnte.
Und wozu das alles? Im Grunde genommen nur, um mit der letzten Szene das Bild einer unzerstörten Natur und – natürlich das Bild einer heilen Familie zu zeigen. Um sein Leitmotiv wieder einmal erfolgreich unters Kinovolk gebracht zu haben.
Spielbergs Gegenentwurf zur Horror-Vision der technokratisch regierten Großstadt bleibt somit im Großen und Ganzen beeindruckend simpel, auch vor einem perfekt ausgestatteten Hintergrund.

 




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INHALT

Im Washington, D.C., des Jahres 2054 gibt es keine Morde mehr. Die Zukunft ist bekannt und Mörder werden gefasst, bevor sie ihr Verbrechen begehen können. Dafür sorgt Pre-Crime, eine Elite-Einheit der Polizei, die die Visionen der Pre-Cogs, drei Wesen mit hellseherischen Fähigkeiten, auswertet und zur Tat schreitet.
Das System ist perfekt. Und John Anderton ist sein perfekter Chef: Seit einem tragischen Verlust sechs Jahre zuvor widmet er sein Leben mit vollkommener Leidenschaft der Verbrecherjagd. Es gibt keinen Grund für ihn, am System zu zweifeln – bis er in einer Vision selbst als Mörder zu sehen ist. 36 Stunden bleiben ihm bis zu dem Verbrechen. 36 Stunden, um zu beweisen, dass er unschuldig ist … und das perfekte System fehlbar. Die Flucht beginnt. Hier der Trailer..
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Eure Kritiken zu Minority Report

  1. Peter

    Hallo zusammen, ich kann die Kritik hier nicht ganz teilen. Für mich liefert Steven Spielberg, Aussage hin oder her, nach wie vor die beste Kinounterhaltung.

    Auch wenn das Ende etwas kitschig und der Film etwas zu lang war, habe ich mich hervorragend unterhalten lassen – wieder einmal. MR – Ein klasse Film.

  2. Udo

    Ich mal wieder…Also erst einmal ist Steven Spielberg kein schlechter Filmemacher und zweitens hat man selten einen besseren Tom Cruise gesehen. Auch wenn die Story einige logische Fehler besitzt und der Film an einigen Stellen zu lang ist, hat er doch große Momente, die großes Kino bedeuten. So long

  3. Fargus

    Sprschlosssssss!!!Best of the best.

  4. TomKrus

    Geilder film ist doch wohl super. geschichte stimmt, schauspieler stimmen und alles andere stimmt auch. jede minute beste unterhaltung, kino, so wie es sein soll, wen kümmert da ein kitschiges happy end..

  5. Eliza

    Nur sehenswertIch fand die Aufmachung echt gut und die Stimmung ist auch gelungen, aber der Rest war ziemlich mäßig. Die Story hat mehr oder weniger nichts wirklich Neues gebracht und wirklich nervig waren die meistens zu lang geratenen emotionalen Kitschmomente. Da hätte Spielberg ruhig ein wenig kürzen können! Einfach nicht so richtig überzeugend, aber nett.

  6. SuperIngo

    Geiler FilmGeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiilllllllllleeeeeeeeeerrrrrrrrrrrr Fiiiiiiiiilllllllllllmmmmmmmmmm!!!!!!!!!!!!!

  7. tine

    gute unterhaltung ……. mit einigen interessanten denkansätzen. ich habe mehr bekommen als ich erwartet habe. es ist für mich ein unterhaltungsfilm, KEINE filmkunst. wirklich gestört haben mich nur die letzten beiden einstellungen, aber sonst: sehenswert.

  8. Mik

    Sehenswert!Kann denn nur empfehlen, wenn man nichts zu tun hatist er immer wieder sehens wert!

  9. phlipp

    der alte krus …… hat positiv überrascht.

  10. TheFan

    ´GEILDer Film war echt super!!!

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