KRITIK

Mike and Dave Need Wedding Dates

Bild (c) 2016 Twentieth Century Fox.

Bild (c) 2016 Twentieth Century Fox.

Man könnte diese beiden Jungs hassen: Die Brüder Mike (Adam Devine) und Dave (Zac Efron) sind immer gut drauf, schlagfertig, der Mittelpunkt jeder Party und vor allem Genussmenschen, die das sorglose Spaß-um-Spaß-Leben amerikanischer Komödienhelden in vollen Zügen genießen. Zusammen haben sie einen Spirituosen-Vertrieb aufgebaut, wickeln mit ihrem Charme so manchen Gastronomen um den Finger und sollen nun auch auf der Hochzeit ihrer einzigen Schwester für Unterhaltung sorgen.

Zum Glück meinen es die Komödien-erprobten Drehbuch-Autoren Brendan O´Brien und Andrew Jay Cohen nur zu Beginn (und wie zu erwarten ganz am Ende) gut mit den titelgebenden Hauptdarstellern. Wie bereits in ihren Vorstadt-Idyll-Dekonstruktionen „Bad Neighbours 1 und 2“ wird auch bei „Mike and Dave need Wedding Dates“ die Fassade der Glückseligkeit unterhaltsam Stein um Stein eingerissen. War es in „Bad Neighbours“ ein junges Ehepaar, dem wider Erwarten im Gegensatz zu einer Studentenverbindung die Lizenz zum überbordenen Spaß eingeräumt wurde, dürfen nach „Bad Neighbours 2“ einmal mehr nicht die Jungs sondern die Mädels den Takt vorgeben.

Szene_MikeandDave_1Und dafür sorgen letztere reichlich – hier im Körper von Anna Kendrick („Into the Woods„, „Pitch Perfect 2„) und Aubrey Plaza („Dirty Grandpa„). Die beiden Hollywood-Aktricen spielen zwei vermeintliche Versagerinnen mit gefährlich losem Mundwerk, die dem Brüderpaar kräftig einheizen – und das nicht nur sprichwörtlich versteht sich. Verantwortlich für den Rollenwechsel zeichnet der Vater des unterschiedlichen Brüderpaars, Burt Stangle (Stephen Root). Er hatte seinen Söhnen verordnet, auf der Hochzeit seiner Tochter das Fest doch bitte nicht schon wieder ausufern zu lassen. Ein an sich simpler Auftrag, dem sich aber die beiden feierwütigen Brüder auf anderen (Familien-)Veranstaltungen eins um andere Mal strikt widersetzt hatten. Wie uns eine Rückblende eindrücklich belegen kann.

Aus diesem Grund sollen die Stangle-Brüder diesmal in weiblicher Begleitung auflaufen. Eine Vorgabe, die zunächst verlockend klingt, das Brüderpaar aber vor unerwartet hohe Probleme stellt. Ausgerechnet zwei auch beruflich erfolgreiche Feierbiester, so will es das Drehbuch, sollen sich in einem Casting – das angeblich auf einer wahren Geschichte basiert – um weibliche Begleitungen bemühen müssen. Schwer nachvollziehbar. Aber vielleicht der Grund, um weitere Spitzen gegen soziale Randgruppen abzufeuern, die wie so oft in US-amerikanischen Komödien immer wieder Anlaß zu Spott und Häme abgeben (Homosexuelle, Transsexuelle, etc…).

Szene_MikeandDave_2Vor diesem Casting wurde im Internet ein Aufruf gestartet, der sich in Windeseile verbreitet hatte – und mit dem die Brüder schließlich im Fernsehen landen. Dadurch wurden auch die beiden Kellnerinnen Tatiana (Aubrey Plaza) und Alice (Anna Kendrick) auf das Angebot aufmerksam. Letztere wollen unbedingt „mal wieder etwas Verrücktes machen“ und um jeden Preis auf einer fremden Hochzeit in Hawaii „die Sau rauslassen“. Mit List und Spucke verwandeln sich die feierwütigen Kellnerinnen in gut erzogene und erfolgreiche junge Frauen. Und durch einen fingierten Auto-Unfall sind die Herzen der erfolgsverwöhnten Vertriebler schnell eingenommen. Eine Fassade, die nicht lange halten und eine Konstellation, die natürlich nicht lange gutgehen kann.

Denn was Mike und Dave trotz Internet und Sozialer Netzwerke nicht wissen konnten, war, dass sich die auserwählten Damen, die sich auf die Stellenanzeige hin nach Hawaii aufdrängten, es noch ärger treiben sollten als die unmöglichen Junggesellen. Was natürlich zu allerlei lustigem materiellem Schaden und erheiternden zwischenmenschlichen Komplikationen führt, bis am Ende das Gefühl wahrer Liebe in den kindischen Gemütern keimt.

Szene_MikeandDaveWas bereits nach einer durchaus unterhaltsamen ersten halben Stunde überrascht, ist weder der fehlende Realitätsbezug noch sind es die üblichen Randgruppen-Beleidigungen. Auch die Regie des TV-erprobten Jake Szymanski („Saturday Night Life“) kann sich zu Beginn noch ganz auf seine Komödien-erprobten Darsteller verlassen. Überraschend ist, dass bereits nach gut 45 Minuten die Komödie plötzlich ihren bissigen satirischen Geist verliert, mit dem sehr respektlos die naiven, wohlstandssatten Romantic Comedies veralbert -, und in denen sonst teure Hochzeiten als Verherrlichungsfeier der Arrivierten beklatscht wurden.

Plötzlich entgleitet der Regie zudem jeglicher Bezug zu den Charakteren, und dem Drehbuch gehen zusehends die Ideen aus. Die Komödie verflacht zu einer realitästfernen Gagparade weit unter der Gürtellinie, ohne jegliches Gespür für Witz und Timing. Wenn die bis dato einigermaßen besonnene Anna Kendrick ein ums andere Mal auf ihr Smartphone blickt, um ein altes Video anzuschauen, um dann nur wenig später splitterfasernackt und zugedröhnt zusammen mit der Braut ein paar Pferde aus einem Gatter zu befreien, wird man das Gefühl nicht los, dass sich Miss Kendrick selbst – wie auch der Zuschauer an dieser Stelle – gefragt haben muss: Was mache ich hier nur?

Es ist schon überraschend, dass sich die knapp bzw. über 30-jährigen Darsteller wie Zac Efron, Aubrey Plaza oder Anna Kendrick für derart pubertäre Späße inzwischen nicht zu schade sind. Vor allem vor der Kamara eines Kino-unerfahrenen Regisseurs, dem zum Ende seines Spielfilm-Debüts nichts Besseres einfällt als eine belanglose Gag-Parade ohne jeglichen Realitätsbezug.

 

Kritikerspiegel Mike And Dave Need Wedding Dates



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Julius Zunker
kinofans.com, mehrfilm.de
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
4.5/10 ★★★★½☆☆☆☆☆ 


Mehr Noten zu aktuellen Kinofilmen findest Du in unserem ständig aktualisierten Kritikerspiegel.

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken



Ähnliche Beiträge:

Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Mike and Dave Need Wedding Dates

  1. Julius

    Ich hab, trotz der Mängel, sehr gelacht. Manchmal darf es eben auch ziemlicher Mist sein ;).

  2. Haha, @Julius, ich habe auch sehr gelacht. Zumindest in der grandiosen ersten halben Stunde. Dennoch war ich sehr überrascht, wie sehr Jake Szymanski die Regie Minute für Minute entgleitet. Und am Ende biegt er mit Mühe und Not alles zusammen, damit es irgendwie passt. Schade eigentlich.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*