KRITIK

Menschen Träume Taten

Menschen Träume Taten Was bedeutet Luxus? Bedeutet Luxus, sich mit der Abwrackprämie einen neuen Kleinwagen kaufen zu können? Oder bedeutet Luxus heute, einen sicheren Job zu haben? Oder ist es vielleicht einfach nur die Möglichkeit, losgehen zu können, um seine Träume zu verwirklichen? Jeder Mensch auf dieser Welt würde die Frage für sich sicherlich anders beantworten. Die Bewohner der Modellsiedlung „Sieben Linden“ 150 Kilometer westlich von Berlin haben ihren Traum vom Luxus in die Tat umgesetzt. Ihre Antworten auf die Frage nach dem persönlichen Luxus würden ähnlich klingen. Die 43 Frauen, 35 Männer und 32 Kinder der Siedlung leben ihren Traum. Sie bestimmen die verschiedensten Bereiche des Lebens wie Arbeit, Wohnen, Freizeit, Bildung und Kultur selbst.

Ist das Modell der Siedlung ein Modell für die Zukunft? Lauern hier nicht noch viel mehr Gefahren? Wie werden beispielsweise schlechte Ernten bei den Selbstversorgern kompensiert? Was ist mit der Schulpflicht für die Kinder? All diese und weitere Fragen können nach der Aufführung an den Regisseur persönlich gerichtet werden, denn der Filmemacher Andi Stiglmayr stellt seinen Film meist in einer einzigen Aufführung in der Stadt selbst vor. Das ist das Konzept, mit dem der Filmemacher nicht nur einen anderen Weg des Verleihs- bzw. Vertriebs beschreitet, sondern auch andere Interessen verfolgt. Mit dem Film sollen sich neben dem Filmemacher auch ortsansässige Institutionen präsentieren, wie NABU oder BUND oder Agenda 21.

Stiglmayrs ansprechender, leiser Film über den Mikrokosmos „Sieben Linden“ stellt nicht nur das Konzept vor. Der Regisseur gibt seinen Zuschauern die Gelegenheit, in das Leben zweier Bewohner tatsächlich einzutauchen. Dieses vor allem in den 60er Jahren oft angewendete Konzept der filmischen Dokumentation birgt zwar viele Gefahren, Stichwort kritische Distanz, diese werden jedoch durch die kritischen Anmerkungen der Protagonisten im Film selbst ein ums andere Mal in den zahlreichen Interviews entkräftet.

In „Menschen Träume Taten“ stehen die Bewohner im Vordergrund, der Regisseur selbst spricht keinen Kommentar, alles Gesagte stammt von den Siedlern sowie von Besuchern und Nachbarn. Dabei strahlen die Protagonisten in den Interviews eine Wärme und Zufriedenheit aus, die ansteckend auf den Zuschauer wirkt. Eine Harmonie, die noch durch die angenehm ruhige Filmsprache Stiglmayrs unterstützt wird. Die Bilder sind ansprechend, ruhige Momente changieren mit hektischen Einstellungen, die die Rohheit der täglich zu verrichtenden Arbeitsabläufe einfangen. Der Filmemacher stellt vor, er lässt kritische und weniger kritische Menschen zu Wort kommen. Für die passende Unterhaltung sorgen die sympathischen Protagonisten selbst.

Dabei wird das Thema so locker leicht dargeboten, dass sich jeder Zuschauer schon während des Films selbst seine eigenen Gedanken über seine Träume machen kann. Bleibt den Verantwortlichen nur zu wünschen, dass dies im Gegensatz zu den vielen Sitzungen der Bewohner im Dorf auch nach den Vorführungen im Saal anschließend tatsächlich passiert.



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INHALT

Wo kommen Menschen hin, die losgehen und ihre Träume verwirklichen? Was passiert, wenn über 100 Menschen zusammen kommen und ihr Leben verändern? 43 Frauen, 35 Männer, 32 Kinder, genossenschaftliches Eigentums- und Mitbestimmungsrecht, Gemeinschaftskultur, Selbstverwaltung und -versorgung, biologische Landwirtschaft, ökologisches Bauen, regenerative Energie- und Wasserversorgung, Bildungs- und Friedensarbeit. Auf der Suche nach einem zukunftsorientierten Gesellschaftsentwurf stieß Filmemacher Andi Stiglmayr in der Altmark - 150km westlich von Berlin - auf die 1997 gegründete Modellsiedlung „Sieben Linden“.

120 Menschen haben sich zu unterschiedlichen Nachbarschaften zusammengefunden und versuchen dort die verschiedenen Bereiche des Lebens - wie Arbeit, Freizeit, Bildung und Kultur - miteinander zu verbinden. Aber gerade was die Themen Kommunikation, Kindererziehung, Macht sowie das Verhältnis zwischen Mann und Frau anbelangt, wird deutlich, dass sich in diesem Mikrokosmos die Probleme der Gesellschaft auf anschauliche Weise widerspiegeln. Dabei wirft der Film unweigerlich die Frage auf, wie wichtig unsere soziale Ausgeglichenheit für ein vernünftiges ökologisches, nachhaltiges Handeln ist.
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