KRITIK

Memento

Memento Memento ist kein Film, Memento ist ein Spiel. Ein Spiel mit – und für den Zuschauer. Die Frage ist: Wer spielt hier mit wem? Gleich mit dem dritten Schnitt wird deutlich: hier heißt es Mitdenken! Und wer jetzt auf den Spuren von Columbo oder Raymond Chandler wandeln möchte sitzt im falschen Film.
Es geht hier schließlich nicht um eine langweilige Suche nach dem Mörder. Kein langweiliges „Wer ist es denn?“ oder wie Altmeister Hitchcock sagen würde: ein sog. „Whodunit“ (Who-done-it?).
Nein, Memento ist etwas völlig neues. Regisseur Christopher Nolan hat die festen Strukturen des Gut-gegen-Böse-Thrillers aufgebrochen und zudem die gängige Erzählform des Kinos auf den Kopf gestellt. Vielleicht ist Memento gerade aus diesem Grund einer der faszinierenden Filme der letzten Jahre. Eine Art „Being John Malkovich“ meets „Joe gegen den Vulkan“ oder „Die üblichen Verdächtigen“?
Dem Zuschauer werden nach und nach kleine Appetithäppchen verabreicht, die er Stück für Stück zusammen setzen darf. Das gemeine daran: Das größte Stück kommt zuerst und das nächst kleinere stellt das vorherige in Frage. Das steigert die Spannung. Wer hier aufgibt, befindet sich blitzschnell im Zustand der völligen Desorientierung. Doch welcher Zuschauer will das schon? Schließlich möchte niemand so umherirren wie Hauptdarsteller Guy Pearce (L.A. Confidential), der sich auf seiner Motivsuche alle Fakten und Erlebnisse auf Zettel, Polaroidfotos oder Körper schreiben muss.
Genau wie die Hauptfigur, Versicherungsdetektiv Leonard Shelby, versucht der Zuschauer heraus zu finden, wem er trauen kann und wem nicht. Der gerissenen Bardame Natalie (Carrie-Ann Moss, Matrix) etwa oder doch dem alten Freund Teddy (Joe Pantoliano)? Der ständige Wechsel von Identifikation und Abscheu nicht nur gegenüber dem Protagonisten, verstärkt diesen Reiz des Ungewissen dabei noch. Und Regisseur Christopher Nolan hat damit genau das erreicht, was er erreichen wollte: Kino entsteht in den Köpfen der Zuschauer. Es bedarf einer umfassenden Auseinandersetzung mit dem Gesehenen nach der Vorführung. Sein Spiel entwickelt sich im Kopf und bietet dabei einen verdammt hohen Suchtfaktor. Christian Gertz



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Alles auf Anfang. Ein furchtbarer Mord wird auf der Leinwand zurückgedreht. Das Tatort-Motiv auf einem Polaroid verschwindet, das Fotopapier wird wieder von der Kamera geschluckt, Blitzlicht leuchtet auf. Blut, Knochensplitter und Hautfetzen vereinigen sich wieder zu einem menschlichen Antlitz. Der Lauf einer Pistole zieht sich zurück aus einem zuckenden Mund. Das sind die Eröffnungsszenen. Die rückwärts laufenden Bilder des Anfangs sind eine Metapher für den Pulsschlag der Zeit im Film. Sie fließt in Rhythmus der Reise eines Mannes durch das Chaos seines Gedächtnisverlustes. Ein Mann, der Versicherungsdetektiv Shelby, der in Folge einer Kopfverletzung an einem Gedächtnisdefekt leidet und inmitten seiner kläglichen Überreste seiner Vergangenheit auf der Suche nach sich selbst ist. Oder ist doch alles ganz anders? Leonard Shelby weiß nur, dass seine Frau nicht mehr lebt. Er hat sie sehr geliebt. Alles woran er sich erinnern kann sind die Augenblicke mit dem Menschen, mit dem er die schönste Zeit seines Lebens verbracht hat. Weil er alles andere nach 5 bis 10 Minuten vergisst, versucht er sein Leben durch Polaroidphotos, Zettel und Tätowierungen zu ordnen. Er sinnt auf Rache. Doch wer spielt ein richtiges Spiel?
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Memento

  1. Sneaker

    Habe den Film.. in der Preview gesehen und war und bin immer noch begeistert. Es ist in der Tat ein Film, der einen noch einige Stunden beschäftigt. Herausragend!

  2. Robert

    SpannendCoole Idee – endlich mal ein Film bei dem man weder Anfang noch Ende kennt. Toller Erzählstil.

  3. Armin

    Nette Idee…… nur total verwirrend umgesetzt. Viel zu kompliziert, aber dafür ungewöhnlich.

  4. Christian

    Memento..ist ein innovativer Kinofilm, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Keine leichte Kost, aber das ist auch gut so!

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*