KRITIK

Melinda & Melinda

Melinda & Melinda
Das Leben zerfällt in zwei Hälften: das Unglückliche und das Schreckliche. So lautet eine alte Woody-Allen-Weisheit. Sie stammt aus „Der Stadtneurotiker“, einer der besten Komödien des New Yorker Regisseurs, was durchaus keinen Widerspruch darstellt. Denn ein Grundpessimist ist der Mann nicht. „Komödie ist Tragödie plus Zeit“, hat er an anderer Stelle gesagt, und in seinen besten Werken gelang es stets, die amüsante Seite der Liebesirrungen und Unglückseligkeiten seiner Manhattaner Upper-Class-Figuren als Grundton aller Pein anklingen zu lassen. Sein nunmehr 34. Film handelt nun genau davon, dass eine Geschichte, je nach Perspektive, Tragödie oder Komödie sein kann.

In der Rahmenhandlung streiten zwei Theaterautoren darüber, ob ein bestimmter Stoff eher zum Lachen oder Weinen taugt, woraufhin zwei Varianten zum Dessert gesponnen werden. In der ersten, der tragischen, platzt Melinda (Rhada Mitchell), die soeben Mann und Kinder verlassen hat, in eine Dinnerparty ihrer Freundin Laurel, die einem Filmproduzenten ihren trunksüchtigen Schauspieler-Ehemann als Idealbesetzung aufzuschwatzen versucht. In der zweiten Erzählung taucht Melinda, den Bauch voller Schlaftabletten, als neue Nachbarin in der Wohnung der feministischen Independent-Filmerin Susan auf, die mit ihrem arbeitslosen Mann, ebenfalls Schauspieler, potenzielle Geldgeber für ein neues Projekt zum Essen geladen hat. In beiden Fällen verliebt sich einer der Beteiligten unsterblich in Melinda, was zwangsläufig einige Eheturbulenzen verursacht.

Nun ist der Natur der Woody-Allen-Filme gemäß keine der beiden Geschichten nur tragisch oder rein komisch. In jazzbeschwingtem Takt entfaltet sich ein souverän verflochtener Reigen des Verliebens und Verlassens, und schlafwandlerisch sicher bewegt sich Allen dabei in seinem angestammten Milieu der im Grunde sorglosen Lebenskünstler, die sich selbst das Dasein schwer machen. Das ist zwar nett anzuschauen, bietet aber keine neue Note im Allen-Oeuvre.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

In einem Restaurant in Chinatown diskutieren zwei intellektuelle Paare über die Mysterien der Liebe - darüber, warum das Leben für den einen wunderbar, für den anderen schrecklich scheint. Daraus entspinnt sich eine tragische und eine komische Geschichte: In der ersten platzt die hübsche Melinda unangemeldet in das Haus einer Collegefreundin, nachdem sie Mann und zwei Kinder wegen eines windigen Fotografen verlassen hat, der sie prompt sitzen ließ. In der zweiten stört Melinda als nettes girl next door die selbe Situation.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Melinda & Melinda

  1. Tobi

    Endlich mal wieder ein riochtig guter und intelligenter Woody Allen Film. Gleich von der ersten Filmminute begeistert das niveuvolle Stück Kino durch seine Darsteller und den dialogwitz

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*