KRITIK

Meine schöne innere Sonne

Plakat zum Film Meine schöne innere Sonne mot Hauptdarstellerin Juliette Binoche mit ausgebreiteten Armen.

Bild (c) 2017 Pandora Filmverleih.

Die französische Regisseurin Claire Denis ist für ihre postkolonialistisch grundierten Charakterstudien bekannt („Beau Travail“), aber sicher nicht für Komödien. Gerade deshalb durfte man gespannt sein, wie sie ihre erste „RomCom“ aufzieht. Die Antwort: Sie dekonstruiert das Genre, indem sie es fast naiv bedient, was kein Wunder ist, da sie sich dafür von den „Fragmenten einer Sprache der Liebe“ inspirieren ließ, einem Essay des französischen Philosophen Roland Barthes, den distinktionsbewusste Schöngeister gern vor sich auf dem Cafétisch platzieren.

Juliette Binoche spielt das, was sie selbst ist, eine attraktive und erfolgreiche Pariser Künstlerin über fünfzig, aller finanziellen Sorgen ledig. Ihre Isabelle ist in diesem Film nur eins: auf der Suche nach der wahren Liebe, also dem richtigen Mann. Der bärige Banker? Der egomane Schauspieler? Der distinguierte Galerist? Der ungelenke Typ aus der Vorstadt? Oder doch ihr Ex-Mann? Das sind noch nicht alle. Szene aus dem Film Meine schöne innere Sonne mit Juliette Binoche.Denis und Binoche deklinieren Barthes´ Überlegungen in simplen Szenenfolgen durch, bis alles in einer absurden Sequenz beim wirr pendelnden Hellseher (Gérard Depardieu!) kulminiert: Der gibt Isabelle den weisen und fürstlich bezahlten Rat, doch einfach abzuwarten.

Das dürfte sich für manche nach filmischem Horrortrip anhören, ist aber, lässt man sich drauf ein, als Studie amouröser Suchbewegungen von hohem Reiz: Claire Denis, aus der in diesem Leben keine schlechte Regisseurin mehr wird, legt durch ihre absolute Konzentration aufs tragikomische Liebes-Thema (es gibt keinen einzigen Nebenplot) das Allgemeingültige frei. Ein Experiment, gleichzeitig streng und luftig. Sehenswert.

 

Kritikerspiegel Meine schöne innere Sonne - Isabelle und ihre Liebhaber



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Frank Brenner
choices, FRESH, etc.
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Christian Gertz
Nadann ... Wochenschau, mehrfilm.de
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
5.5/10 ★★★★★½☆☆☆☆ 


Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen findest Du in unserem Kritikerspiegel.



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INHALT

Umgeben von Menschen und trotzdem allein. Isabelle (Juliette Binoche) lebt das Leben eines Singles in der Großstadt Paris. Sie ist eine Frau mit Vergangenheit – stark und unabhängig, als Künstlerin anerkannt, aber dafür wenig erfolgreich, wenn es um die Liebe geht. Ihre Suche nach der wahren Liebe scheitert immer wieder. Zu groß scheint die Kluft zwischen dem, was Frauen wollen und Männer bereit sind zu geben. In ihrer Ratlosigkeit erhofft sich Isabelle ausgerechnet von einem Wahrsager (Gérard Depardieu) die Antwort auf die Frage, die sie mehr als alles andere beschäftigt – gibt es die Liebe fürs Leben oder ist sie nur eine Utopie? (Text: Pandora Filmverleih.)
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