KRITIK

Mein Freund aus Faro

Mein Freund aus Faro Wer schon immer die Romantik der Einflugschneise am Flughafen Münster-Osnabrück genießen und sich im Fernweh aus der westfälischen Ackerfurche fortträumen wollte, kann das jetzt im Kino tun:

Melanie, die Protagonistin des angenehm unangestrengten Adoleszenzdramas „Mein Freund aus Faro“ der Regisseurin Nana Neul, arbeitet nämlich in der Flugspeisenküche des FMO und sitzt gern auf ihrem knallroten Auto in Sichtweite der Terminals, unterm gestirnten Himmel, mit ihrer geliebten Jenny neben sich.

Ein Lesbendrama im Münsterland? Nun: jein. Denn Neuls atmosphärisch inszenierte Jugendgeschichte ist kein Zielgruppenkino für die queere Subkultur (obgleich die gestern eröffneten Queerstreifen im Cinema damit einen melancholisch-sympathischen Auftaktfilm aufbieten konnten) und auch kein genderpolitisches Traktat. Es geht um Allgemeineres: ums Erwachsenwerden und um die Identitätsfindung.

Mel nämlich ist für Jenny lange Zeit ein Junge: Mehr aus Gelegenheit denn aus Bedürfnis gibt sich das kurz- und dunkelhaarige Mädchen (toll gespielt von Anjorka Strechel) als Portugiese aus Faro aus. Und als solcher versucht sie die 16-jährige Blondine Jenny (Lucie Hollmann von den „Wilden Hühnern“) für sich zu gewinnen – was auch gelingt, aber natürlich irgendwann in einer Offenbarung enden muss.

Dass diese „Enthüllung“ dann so unaufgeregt über die Bühne geht, ist vielleicht das größte Verdienst von Neuls Inszenierung, die allerdings auch sonst nicht sonderlich viel falsch macht, von einer Action-Hatz durchs Maisfeld mit prügelfrohen westfälischen Jungs mal abgesehen. Nicola Ebel vom „Filmservice Münster.Land“ hat die Produktion nach Greven, Billerbeck und Münster geholt (getanzt wird in der Sputnikhalle), und die Gegend sieht sehr pittoresk aus. Doch am Ende haut Melanie, gereift und entschieden, dann doch noch ab nach Portugal. Weg aus der Einflugschneise, endlich ab ins Leben.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Als die burschikose Mel von der hübschen Anhalterin Jenny für einen jungen Portugiesen gehalten wird, ergreift sie die Gelegenheit, ihrem bisherigen Leben zu entkommen, und erfindet sich kurzerhand neu. Sie gibt sich als Miguel aus. Jenny und Mel verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Ihrer Familie gegenüber gibt Mel allerdings ihren portugiesischen Mitarbeiter Nuno als ihren Freund aus.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*