KRITIK

Max Schmeling

Max Schmeling Ein deutscher Boxer spielt einen deutschen Boxer. In einem Film von Uwe Boll. Das könnte die kürzeste Rezension aller Zeiten werden, denn im Grunde genommen reicht hier ein weiterer Satz: Henry Maske ist kein Schauspieler, ist kein Schauspieler, ist kein Schauspieler.

Doch der Reihe nach. Nach zahlreichen erfolgreichen Computerspiel-Verfilmungen („Schwerter des Königs“, „Far Cry“) ist „Max Schmeling“ das erste Biopic des deutschen Regisseurs Dr. Uwe Boll. Von vielen Kritikern und großen Teilen des Publikums wird der aus dem schönen Wermelskirchen stammende Regisseur als Trash-Filmer bezeichnet. Das kann eine Auszeichnung sein. Allerdings nur von denen, die Low-Budget Produktionen am unteren Rand der Filmkultur mögen. Oder auch eine Beleidigung. Zweifellos ist Dr. Uwe Boll ein Actionfan. So wundert es nicht, dass seine Biographie über Max Schmeling (1905-2005) auf einem Kriegsschauplatz startet. „Basierend auf wahren Ereignissen“, auch wenn der inflationäre Gebrauch dieses Siegels mittlerweile eher abschreckt, leiten diese Worte die Geschichte eines Boxers ein, die für Uwe Boll auf der griechischen Insel Kreta beginnt.

Wehrmachtssoldat Schmeling wird verwundet. Seine sportliche Karriere hat der Boxer aus Berlin hinter sich, die großen Kämpfe sind ausgefochten. Aber er ist ein weltbekannter Boxer und wird natürlich auch im Feldlazarett erkannt. Ein ranghoher Offizier gibt ihm den Auftrag, einen verwundeten englischen Soldaten zu überführen. Schmeling, mit einer schweren Verletzung am Knie nur bedingt einsatzfähig, zögert, nimmt den Auftrag aber an und erzählt dem fremden Soldaten seine Geschichte. Rückblende.

Bolls Inszenierung bleibt naiv und oberflächlich. Der Besetzung-Coup, den ehemaligen Boxer Henry Maske sein großes Idol Max Schmeling spielen zu lassen, geht nicht auf. Selbst in den Boxszenen wirkt Maske wie in einem Käfig, angespannt, zurückhaltend. Ganz ähnlich seinem Auftreten als Box-Experte in der ARD, wo sich der großartige Boxer ein ums andere Mal in einem Labyrinth aus ratlosen Sätzen verirrt. Maske verhält sich als Schmeling eher lustlos, allein die Liebeszene mit seiner Frau Anny Ondra (mit viel Verve: Susanne Wuest), wirkt künstlich, fast aufgesetzt. Warum er nicht synchronisiert wurde, um wenigstens Schmelings sympathischen Berliner Dialekt adäquat zu transportieren, bleibt wohl ein großes Rätsel der finanzstarken Investoren des Projektes.

Dazu sehen die Boxkämpfe aus, als wären sie in irgendeiner kleinen Sporthalle gefilmt. Die Kamera ist viel zu weit weg, um die Dramatik des Kampfes glaubhaft wiedergeben zu können. Die Fußstapfen, die beispielsweise ein Ron Howard mit seinem „Cinderella Man“ (USA, 2005) und natürlich auch Martin Scorsese mit seinem „Raging Bull“ (USA, 1980) hinterließen, sind viel zu groß, als dass sie Boll auch nur annähernd ausfüllen könnte. Sogar in der Boxarena hält sich Henry Maske – neben seinem emotionslosen Spiel abseits der Arena – sichtlich zurück. Seine Schläge wirken wie die eines Kleinkindes. Die aufgeklebten Augenbrauen machen ihn noch längst nicht zu einem Max Schmeling, der Vergleich hinkt so eklatant, wie Maskes Laufschritt zu Beginn des Films.

Dass sowohl Dr. Uwe Boll als auch Henry Maske ein ungebrochenes Verhältnis von Bewunderung und Sympathie ihrem großen Idol gegenüber hegen, steht außer Frage. Die Sympathie ist zu spüren, nur können beide es nicht im Geringsten auf der großen Leinwand umsetzen. Dazu fehlt dem Film die emotionale Tiefe. Die Hebel, um die für diesen Film wichtigen Elemente wie Trauer und Zorn, dem Empfinden der obszönen Gewalt des Faschismus glaubhaft zu transportieren, konnten alle Beteiligten hier nicht umlegen. Ein Trash-Film ist dies nicht aber von einem guten Biopic über ein deutsches Box-Idol ist Uwe Bolls Film weit entfernt.



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