KRITIK

Marvel´s The Avengers

Plakat zum Film Marvels The AvengersNachdem alle Gründungsmitglieder aus der Kern-Crew von Marvels` „Avengers“ mindestens einen Film für sich verbuchen können, waren die Weichen für die große Zusammenkunft gestellt. Als Solisten, mit eigenem, zum Teil sehr ausgeprägten Ego, siehe Tony Stark/Iron Man (Robert Downey Jr.) oder durch bedrohliche Dualität im Wesen, Bruce Banner/Hulk (Mark Rufallo), erschien es allerdings keine leichte Aufgabe, diese Figuren in einem Team unterzubringen. Am ehesten war das noch bei Steve Rogers/Captain America (Chris Evans) zu erwarten, der es als Soldat ohnehin gewohnt war, in einem Team Befehle entgegen zu nehmen.

Szene aus Marvels The AvengersGenau dieser Umstand lässt den Avengers-Blockbuster des Jahres 2012 im Anlauf stottern; galt es überdies eine ganze Reihe von Storylines sinnig zusammen zu führen. Regisseur Joss Whedon machte aus der Not aber eine Tugend und meistert diese Herausforderung ganz ordentlich. So bekommt jede Figur eine kleine separate Einführung, die sich später noch für die Chemie und Dynamik zwischen den Helden als förderlich erweisen wird. Die entstehenden Rivalitäten, Hierarchie- und Revierkämpfe wirken im weiteren Geschehen nicht konstruiert, sondern nachvollziehbar. Schließlich prallen ein nordischer Gott, ein egozentrischer Milliardär und Genie sowie ein Supersoldat aufeinander; da wird ordentlich Testosteron versprüht. Den einzigen weiblichen Konterpart dazu bildet die (auch hier) ansehnliche Scarlett Johansson in der Rolle der Elitespionin Black Widow/Natasha Romanoff, im Auftrag von S.H.I.E.L.D.

Das Beziehungsgeflecht mag somit vielschichtiger als bei anderen Superheldenadaptionen sein, über eine ausgesprochen komplexe Story verfügt der Film hingegen nicht. Die losen Enden aus „Captain America“ und „Thor“ werden aufgegriffen, in denen es bereits um einen kosmischen Energiewürfel ging, der unermessliche Macht in sich birgt. Dieser, den S.H.I.E.L.D aus dem Meer fischte, wird von Loki (Tom Hiddleston), Thors (Chris Hemsworth) Stiefbruder, der obendrein mit einer Rasse Außerirdischer im Bunde ist, geraubt. Fortan befindet sich die Menschheit im Krieg und muss um ihr Überleben fürchten. Ein wenig wirkt das alles, als würden auch „The Avengers“ plump auf dem populären Zug der Invasionsfilme aufspringen wollen, dieser Plotteil ist aber lediglich Mittel zum Zweck, wie sich zuletzt und besonders im Ausblick auf den geplanten „The Avengers 2“ noch herausstellen wird.

Szene aus Marvels The AvengersNachdem das Holpern im Prolog vorüber ist und die Truppe trotz aller Unterschiedlichkeit der Gemüter sich also entschlossen hat, am selben Strang zu ziehen – schließlich steht das Schicksal der Erde auf dem Spiel – entwickelt der Film zunehmend Tempo. Für Actionfreunde gibt es gehörig auf Augen und Ohren. Dass die städtischen Verwüstungsorgien nach der „Transformers“-Reihe und dem jüngsten Machwerk „Battleship“ mitunter etwas abgenutzt erscheinen, ist dennoch unvermeidlich. Und die 3D-Optik will immer noch nicht, einen unverzichtbaren Mehrwert produzieren. Viel wichtiger erscheint ohnehin, dass der Film in den meisten Fällen darstellerisch zu überzeugen vermag. Robert Downey Jr. hat nach zwei „Iron Man“-Filmen die Figur des narzisstischen Milliardärs Tony Stark glänzend drauf, Tom Hiddleston entwickelt seine Rolle in dämonisch-machiavellistische Gefilde, und Mark Rufallo gibt einen wirklich überzeugenden Bruce Banner. Dem entgegen bleiben die Figuren, die über einen weniger komplexen Hintergrund oder Psychologie verfügen, wie Black Widow, Hawkey (Jeremy Renner) und sogar Captain America erwartungsgemäß etwas blass.

In der Endabrechnung bleibt festzuhalten, dass es Joss Whedon gelang, die bisherigen Superheldenmythologien mit dem richtigen Gespür fürs Wesentliche ineinander zu überführen und einen sehr unterhaltsamen Superheldenfilm zu inszenieren, der vor Marvelcharakteren und Stars geradezu überquillt. Als Top-Star unter den Stars mag dann Robert Downey Jr. in der Rüstung des rot-goldene Avengers mitunter hervorstechen, was aber aufgrund der Tatsache, dass bereits 2013 „Iron Man 3“ folgen wird, nachvollziehbar erscheint. Vielversprechend ist der Ausblick auf die Fortsetzung, der im Nachspann folgt: Im nächsten Avengers-Streifen bekommen es die Helden mit Thanos zu tun. Einem Superschurken, von derart galaktischen Format, dass Loki kaum mehr als ein Sparringpartner angesehen werden kann. Das mag vielleicht auch all jene ein wenig trösten, denen „The Avengers“ zu bunt, zu mainstreamig und zu wenig düster ausgefallen ist.

  

 



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Eure Kritiken zu Marvel´s The Avengers

  1. RobbyTobby

    Eine schöne Kritik, ich bin gespannt auf den Film. Vielleicht der Blockbuster des Jahres? Bei der Besetzung….

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