KRITIK

Marie Antoinette

Marie Antoinette Sofia Coppola hat ein gewisses Faible für die Dekadenz, für Menschen im Zustand des Ennui, für das Überflussgefühl des Lebens. Ihr Erstling „The Virgin Suicides“ war ebenso davon durchdrungen wie der Welterfolg „Lost in Translation“, aber erst jetzt, in ihrem unhistorischen Kostümfilm „Marie Antoinette“, entfaltet sie dieses Thema in reinster und, so scheint es, persönlichster Form.

Seit der umstrittenen Cannes-Premiere ist schon viel darüber spekuliert worden, dass die Stammhalterin der Francis-Ford-Dynastie wohl eine gewisse Schicksalsverwandtschaft mit der österreichischen Polit-Braut fühle, die 14-jährig von Mutter Maria Theresia an den französischen Hof verkuppelt und in die spiegelselige Prunk-Prominenz von Versailles gestoßen wurde.

Die weltgeschichtlich geschmähte Marie Antoinette, von Kirsten Dunst anfänglich als Kindfrau zwischen Staunen und Scham gespielt, weiß mit der Etikette des Ancien régime ebenso wenig anzufangen, wie Ehemann Louis Auguste (Jason Schwartzman), später Ludwig XVI., mit ihr.

Sieben demütigende Jahre vergehen, bis endlich Thronfolger-Vollzug gemeldet werden darf. Marie Antoinette, wie Coppola sie schützend sieht, wird darüber zum frustshoppenden Material Girl und Yellow-Press-Opfer vor der Zeit, verleumdet als volksfremde Kuchen-Queen.

An historischer Revolutions-Akkuratesse und Schafott-Finale ist der Regisseurin dabei nicht gelegen, sie bringt sich die Antoinette, pretty in pink, mit den Mitteln des Pop näher. Dieses melancholisch grundierte Celebrity-Porträt ist nicht ohne Reiz, aber es hinterlässt einen öden Nachhall, einen Geschmack von Bilderorgie ohne Innenleben.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Im zarten Alter von 14 Jahren muss die österreichische Prinzessin Marie-Antoinette das vertraute Wien verlassen und im Zuge der Staatsräson den französischen Thronfolger Ludwig XVI. heiraten. Der ist jedoch an weiblicher Gesellschaft denkbar uninteressiert. Umgeben von einem schillernden Intrigantenhaufen fällt Marie die Eingewöhnung schwer, und gerade, als sie sich zu akklimatisieren beginnt, bricht die französische Revolution los.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*