KRITIK

Maria voll der Gnade

Maria voll der Gnade Maria ist 17 Jahre alt und lebt in der kolumbianischen Provinz. Sie arbeitet in einer Rosenfabrik, wo sie Dornen von den Stielen zieht. Sie muss mit dem kargen Lohn für ihre Familie sorgen, und sie hat einen Freund, der sie nicht liebt. Das klingt nicht nach einem glamourösen Leben, aber auch nicht nach der Hölle auf Erden.

Obwohl der Titel dieses Debütfilms die tränenumflorte Märtyrergeschichte einer unschuldsfrommen Schmerzensfrau befürchten lässt, erzählt der amerikanische Regisseur Joshua Marston vielmehr von einem Durchschnittsmädchen, das den Verlockungen des Geldes nicht widerstehen kann. Maria (die mit dem „Silbernen Bären“ geehrten Catalina Sandino Moreno) heuert als „Maulesel“ an, wie Drogenkuriere im Branchenjargon genannt werden. Ohne über die Gefahren aufgeklärt worden zu sein, schluckt sie mit Kokain gefüllte Gummis, die sie bei der Ankunft in New York unter Aufsicht wieder ausscheiden soll.

Gemeinsam mit zwei Schicksalsgefährtinnen geht sie das Wagnis ein, doch während des Fluges wird klar, dass der versprochene Dollarsegen auch Lebensgefahr bedeutet: Einer von Marias Freundinnen platzt ein Päckchen im Magen, die Drogen entfalten ihre tödliche Wirkung. Die naive Heldin selbst gerät ins Visier des US-Zolls, doch damit ist ihre bittere Lehrgeld-Odyssee noch nicht am Ende.

Der 35-jährige Joshua Marston setzt auf einen dokumentarischen Realismus, der am Beispiel eines Einzelschicksals für die Nöte der vielen hundert jährlich ausgebeuteten Drogenkuriere sensibilisieren soll. Im Gegensatz zu Steven Soderberghs „Traffic“ interessiert sich „Maria voll der Gnade“ nicht für den verhängnisvollen Kreislauf und seine Profiteure, sondern vertraut auf die Empathie eines Publikums, das mit der ausdrucksstarken Morena fühlen soll. Was, trotz des schlichten Ausgangs, auch glückt.



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INHALT

Maria Alvarez ist in einem kleinen, ländlichen Dorf nördlich von Bogotá aufgewachsen. Wie in der Gegend üblich lebt sie mit mehreren Generationen unter einem Dach. Maria teilt sich die bescheidene Unterkunft mit Großmutter, Mutter, Schwester und deren Baby. Jeden morgen vor Sonnenaufgang fährt sie zusammen mit ihrer besten Freundin Blanca mit dem Bus zur Arbeit auf eine große, industrielle Rosenplantage. Ihr Job ist stupide und hart reguliert: Unter strenger Aufsicht sind die Mädchen den ganzen Tag auf den Beinen, zupfen Dornen von Stängeln und präparieren Bouquets für den Export.

Sie lässt sich von dem charmanten Franklin als Drogenkurier anwerben und fliegt zusammen mit drei weiteren Kurieren mit 62 Drogen-Päckchen im Bauch nach New York. Die Reise wird zu einer leidvollen Erfahrung für Maria – aber auch zur Herausforderung, einem neuen Leben entgegenzublicken.
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Eure Kritiken zu Maria voll der Gnade

  1. tine

    endlich …… gesehen. warum habe ich solange gewartet? klasse film der einem eine weitere geschichte dieser welt erzählt, eine geschichte die ich noch nicht kannte, zumindest nicht so detailiert. anschauen! selbst urteil bilden!

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