KRITIK

Männerherzen

Männerherzen Macho oder Softie? Das männliche Selbstverständnis steckt zu Beginn des 21. Jahrhunderts in einer tiefen Krise. Das tradierte Bild vom Mann als Ernährer und Familienoberhaupt, oft gemessen an der Höhe des Einkommens, ist ein Relikt vergangener Tage. Der neue Mann besticht durch seine Gelassenheit und Abenteuerlust. Geist ist wichtiger geworden, wie auch seine Geschwister namens Contenance, Geduld, Toleranz, Qualitätssinn, Mitmenschlichkeit, Neugier und Interesse fürs ferne Fremde.

Das Kino als Spiegelbild der Zeit hat diese Entwicklung längst erkannt. Vorbei sind beispielsweise die Zeiten der kruden, muskulösen Actionstars der 80er und 90er. Ein James Bond darf in diesen Zeiten um seine Freundin trauern („James Bond: Ein Quantum Trost“), der Mann kann nun offen und ehrlich ein Loser sein (Komödien aus der Judd Apatow Fabrik) und Männer dürfen scheitern, selbst in der letzten Bastion der männlichen Selbstherrlichkeit, den Feierlichkeiten zum Junggesellenabschied („Hangover“).

Logisch, dass nun auch die Zeiten der deutschen Szenekomödien längst vorbei sind. Beziehungskomödien wie „Keinohrhasen“ berühren in diesen Zeiten die Herzen der Zuschauer. Sechs Jahre hat sich der Schauspieler und Autor Simon Verhoeven („100 Pro“) Zeit genommen, um seine Vorstellungen von der Rolle des „neuen Mannes“ auf unterhaltsame Art Weise dem Publikum näher zu bringen. Fünf Protagonisten zwischen Macho-Relikt und sympathischer Ewig-Praktikant bilden sein Ensemble in „Männerherzen“, produziert und beobachtet von Max Wiedemann und Quirin Berg, dem Erfolgsteam des Oscarfilms „Das Leben der Anderen“.

Ausgangspunkt, emotionales und geographisches Zentrum des Films ist ausgerechnet ein Fitnessstudio in Berlin. In diesem treffen beziehungsgeplagte homo sapiens sapiens aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Günther (Christian Ulmen) ist ein Beamter mit Beamtenbauch. In jeder sich bietenden Sekunde träumt er von einer liebevollen Partnerin, doch angesichts seines ungeschickten Vorgehens scheint eine Beziehung trotz intensivem Online-Datings für ihn unerreichbar. Jerome (Til Schweiger) ist erfolgreicher Musikproduzent und Schürzenjäger mit Beziehungsängsten. Nur zwei Geräte weiter pumpt der frustrierte U-Bahn-Schaffner Roland (Wotan Wilke Möhring) – seit einem Job-Unfall traumatisiert – seine Sorgen aus dem Körper. Der Verzweiflung nahe ist auch Philip (Maxim Mehmet), ein chaotischer Studienabbrecher, der noch an diesem Tag überraschend seinen Praktikumsplatz verlieren wird, was auch Neu-Freundin Nina (Jana Palleske) nicht gefällt, weil sie seit längerem schon von einem gemeinsamen Kind träumt. Sein Freund Niklas (Florian David Fritz) hingegen scheint im Vergleich zu seinen Mitkämpfern im Studio ein Luxusproblem zu haben. Bald wird er seine reizende Lebensgefährtin Laura (Liane Forestieri) vor den Traualtar führen und er ist sich sicher, dass damit das Savoir Vivre für ihn endgültig vorbei ist.

Formal orientiert sich die Ensemble-Komödie an Filmen wie „Natürlich… Liebe“, „Magnolia“ oder „Short Cuts“. Episodisch reiht Autor und Regisseur Verhoeven die einzelnen Beziehungsprobleme seiner Protagonisten aneinander, der Ton ist heiter, sensitiv, das Tempo nicht immer gleich bleibend aber oft hoch. Doch trotz seines erfahrenen Casts, das hohe Qualität verspricht, gelingt es der Komödie nicht, den nötigen Funken zu erzeugen. Zu weit weg ist der Regisseur von seinen Figuren. Stets begleitet von emotionalisierenden Songs, die durchaus sparsamer hätten eingesetzt werden dürfen, stapft Verhoeven allzu oft in die Klischeefalle, walzt jede potente Idee (Ulmen als Neo-Magnum) bis weit über die Schmerzgrenze aus und verlangt von seinen chronisch unterforderten Schauspielern nur den Sekundengag, bis es in die nächste Szene geht.

Eine Identifikation oder gar Sympathisierung mit einer der vielen Figuren kann so nicht stattfinden. Zusammen mit der enervierenden Musik sowie dem holprigen Inszenierungsstil macht sich Langeweile breit. Auch, weil das Tempo gegen Ende hin spürbar abnimmt. Die Darsteller versuchen den Rhythmus der Liebe zu klopfen, was ihnen in wenigen Szenen gelingt, doch der Regisseur klopft am richtigen Rhythmus der Komödie vorbei.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Fünf Prototypen des "starken Geschlechts“ auf der Suche nach der großen Liebe und ein wenig Glück in einer Zeit, in der Männer längst nicht mehr genau wissen, was es heißt, "ein Mann“ zu sein und was Frauen eigentlich von ihnen erwarten. Der sympathische Chaot Philip steht beruflich vor dem Aus, als ihm Gelegenheitsfreundin Nina eröffnet, dass er Vater wird. Seinem Freund Niklas dagegen, einem erfolgreichen Werber, scheint alles zu gelingen; Ehe und Eigenheim warten. Wenn da nicht diese Panik wäre, sich festzulegen ... Musikproduzent und Womanizer Jerome stellt sich diese Frage erst gar nicht – für ihn ist das Leben ein einziger Rausch. Nur der unglaublich betreuungsintensive Schlagerstar Bruce kann ihn aus der Fassung bringen. Während der verlassene U-Bahn-Führer Roland mit allen Mitteln um seine Ex-Frau Susanne kämpft, verzweifelt Günther fast an seiner Einsamkeit. Da ist schon die Frage an der Supermarktkasse, ob er Treueherzen sammelt, ein echter Hoffnungsschimmer.

"Love is a battlefield“ – aber gibt es ein schöneres Gefühl als Verliebtsein? Fünf Lebensentwürfe, die turbulent aufeinander prallen, fünf Wahrheiten, die berühren. Zum Glück sitzt dicht unter dem Herzen auch das Zwerchfell … Männer haben`s schwer, nehmen`s leicht.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Männerherzen

  1. Udo

    Eine nicht immer gradlinig erzählte aber an manchen Stellen auch komische deutsche Männerkomödie. Vor allem Bruce Berger (Justus von Dohnany) sticht aus diesem Ensemble heraus. Muss man aber nicht sehen.

  2. RobbyTobby

    Sechs Männer, fünf Geschichten. Nette deutsche Ubnterhaltung im Stil einer 80er Jahre Komödie. Manchmal lustig. Manchmal komisch. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*