KRITIK

Manderlay

Manderlay
Lars von Trier gilt als grenzneurotischer Egomane, der in seiner Kunst rücksichtslos gegen sich und die Schauspieler wütet. Nichts fürchtet er mehr als die Konvention und die Langeweile, weswegen er vor Jahren die radikalnaturalistischen Dogma-Regeln erfand und später den Theater-Minimalismus in den Film einführte. Manie braucht Methode.

In „Dogville“, dem ersten Teil einer auf drei Teile angelegten Amerika-Trilogie, agieren die Schauspieler in einer spärlich mit Requisiten bestückten Halle, die Schauplätze sind durch Markierungen auf dem Boden angedeutet, die visuelle Verweigerung geht staunenswert auf. Ein brechtsches Lehrstück über die Saat des Bösen im Smalltown America entsteht da, eine zynische und provozierende Parabel über die menschliche Hundenatur und Bushs willige Vollstrecker.

„Manderlay“ führt diese Geschichte konsequent fort. Statt Nicole Kidman spielt nun zwar die junge Bryce Dallas Howard die Gangstertochter Grace auf ihrer Odyssee durchs gehasste Land, doch weder Form noch Inhalt weichen vom misanthropischen Bühnen-Konzept des dänischen Regie-Selbstdarstellers ab, der noch nie einen Fuß auf amerikanischen Boden gesetzt hat.

Hier erzählt er von der Sklaven-Plantage Manderlay, deren schwarze Leibeigene von Grace befreit werden. Doch weder die Freiheit noch die Demokratie wissen sie zu schätzen, im Gegenteil, der Mensch liebt nichts mehr als seine Ketten. Die Parallelen zur Situation im Irak sind offensichtlich, wenngleich unbeabsichtigt, doch fügt „Manderlay“ dem Vorgänger bei aller Kunstfertigkeit nichts Neues hinzu. Auch von Trier langweilt sich schon und überlegt, die Trilogie unvollendet zu lassen.



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INHALT

Amerika in den 30er Jahren. Grace Margaret Mulligan lässt Dogville hinter sich und entdeckt auf der Reise durchs Land in Begleitung der Gangsterbande ihres Vaters die sonderbare Farm Manderley, wo es zugeht wie vor dem Bürgerkrieg und Sklaven für weiße Herren schuften. Grace aber dürstet nach Gerechtigkeit, und so veranlasst sie ihren Vater, den Unterdrückten die Freiheit mit Gewalt zu verschaffen. Letztere scheinen jedoch auf Demokratie wenig erpicht.
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