KRITIK

Mandela

Bild (c) Senator Film

Bild (c) Senator Film

Am 5. Dezember starb Nelson Mandela, der erste schwarze Präsident Südafrikas. Friedensnobelpreisträger, Versöhner, Jahrhundertgestalt. Dass zeitgleich in London die Premiere von „Mandela“ stattfand, wirkte fast wie von der PR-Abteilung geplant: Prinz William äußerte sich betroffen, nach dem Abspann kam die Schweigeminute. Da muss man fast von Glück reden, dass das Biopic offenbar nicht mehr sein will als ein hagiografisches Heldenporträt, das Mandelas umfangreiche Autobiografie von 1994 als Ausgangspunkt nimmt für eine chronologische Reise durch das 95-jährige Leben dieses Ausnahmemenschen.

Regisseur Justin Chadwick („Die Schwester der Königin“) beginnt im güldenen Licht der Transkei, folgt Mandela nach Johannesburg, wo er in den 1940er Jahren Anwalt wird und sich schließlich dem ANC anschließt, um gegen die Rassentrennung vorzugehen. Nach dem Massaker von Sharpeville 1960 – seine zweite Frau Winnie hat er da schon geheiratet – geht er in den Untergrund, plant den Guerillakrieg. Es folgen: die 26-jährige Haft auf Robben Island, die Entlassung 1990, die Präsidentenwahl. Zweieinhalb Stunden dauert der Film, und trotzdem reicht’s nur für ein paar Minuten pro Station. Abgehakt und weiter im Text.

Szene aus Mandela (Bild: Senator Film)

Szene aus Mandela (Bild: Senator Film)

Der südafrikanisch-britischen Produktion scheint der optisch-oberflächliche Nachvollzug des Geschichtlichen wichtiger zu sein als ein eigener, deutender Zugriff auf den Stoff. Das ist auch das Übel vieler Biopics: Hauptsache, die Requisiten stimmen! Die Mimese endet skurrilerweise beim Hauptdarsteller, denn der große Idris Elba („The Wire“) sieht Mandela überhaupt nicht ähnlich. Er spielt sehenswert, darf aber niemals über die bloße Reproduktion bekannter Bilder hinausgehen.

Die Schuld am Kollaps seiner ersten Familie? Das Zerwürfnis mit Winnie nach der Haft? Es wird alles kurz angerissen und nie vertieft. Immerhin lässt sich Chadwick bei allem Befreiungspathos niemals zu bloßem Kitsch hinreißen. Trotzdem: Sein Film „Mandela“ verharrt in andächtiger Pose. Schulstoffgeeignet wird dabei ein staunenswertes Leben erzählt, geordnet und abgeheftet. Der historischen Person Nelson Mandela kommt man dabei nicht näher.

 

Kritikerspiegel Mandela



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten, dpa
4/10 ★★★★☆☆☆☆☆☆ 


Dimitrios Athanassiou
moviemaze.de
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Klaus-Peter Heß
Münstersche Zeitung
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
4.5/10 ★★★★½☆☆☆☆☆ 





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