KRITIK

Man who wasn´t there, The

Man who wasn´t there, The Vorweg: Wer müde ist, sollte sich diesen Film nicht ansehen. Nicht, weil er unbedingt langweilig sei – er war es! Eher, weil der Protagonist in diesem Film tatsächlich einfach nicht vorhanden ist und der Zuschauer mit seinem Popcorn, seiner Begleitung oder den Gedanken an andere Filme des Brüderpaars Joel und Ethan Coen alleine bleibt.
Selten einmal erfüllt ein Filmtitel – und sei er noch so schön paradox – so exakt seinen Inhalt: der Friseur Crane ist einfach unauffindbar hinter seiner unbewegten Miene, hinter seinen Trivialroman-Monologen, hinter seiner inneren Leere, die auch mit totaler Erschöpfung nicht zu erklären wäre. Dass der Film in Schwarzweiß gedreht wurde, feierte der Verleih „zeithistorisch“ und faselte gleichfalls apokryph etwas von der „wohlvertrauten Welt des Film Noir“; nun, dann sind wir wohl mit anderen Welten vertraut. Und bei aller Verehrung des Schwarzweißen: Der Film wurde auf farbigem Negativfilm gedreht und lediglich in Schwarzweiß geprintet; der starke Blaustich könnte ihn also – im Verleiherjargon – zum Blue-Movie machen.
Der Film besitzt absurden Witz, auch in seinen Anspielungen auf die Filmliteratur (insbesondere – und das ist wohl unbeabsichtigt – erinnert das tote Gesicht Thorntons an manches des hölzernsten Schauspielers aller Zeiten: Bogart); er zielt auf die amerikanische Nach- und Vorkriegsbefindlichkeit der Endvierziger an (z. B. die Angst der Amerikaner vor Weltverschwörung und Ufo-Invasionen). Lässt uns lachen über Tortenwettfressen und andere Gags, die nichts sind. Dazu deutet er vieles an, beginnt Nebenhandlungen und beendet sie nicht.
Doch seine größte Schwäche, die pure Konzentration auf das Zentrum, die Figur Crane, ist letztendlich auch die Einlösung des Versprechens: The Man who wasn’t there! (Verlockend, das auch auf den Film beziehen zu wollen)
Crane’s nervig müde, dahintreibende Art, die weder Böses noch Gutes bezweckt, die weder klug noch sehr dumm ist, die weder sympathisch noch unsympathisch, weder präsent noch wirklich aufgelöst erscheint (man sieht ihn ja ständig, Zigarette rauchend bis kurz vor den Stuhl), lassen ihn ebenso wenig wirklich erscheinen, wie die Dürre seiner inneren Monologe. Dass Crane auf die langweilig uninspirierte Beethoven-Interpretation mit Gefühlsüberwältigung reagiert – vom filmklassischen Nymphchen Birdy (Scarlett Johansson, „The Horse Whisperer“) immer wieder an langen Abenden im Wohnzimmer vorgeklimpert – ist symptomatisch für einen Mann, der einfach nicht ist. Und wohl nie war. Im wirklichen Leben hat Frau/Freundin Nr. 4 oder 5 Thornton eine Grabstätte geschenkt; mit Mark Foster (Regie) steht in den nächsten Monaten der Film „Monster’s Ball“ auf dem Programm; der Mann sollte wirklich mehr auf sich acht geben. Benedikt Kraft



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INHALT

Ed Crane ist Friseur in einem Kaff irgendwo im mittleren Westen oder sonst wo. Im Friseursalon seines ständig quasselnden Schwagers Frank verrichtet Crane beinahe wortlos seine anspruchslose Arbeit bis zu dem Tag, an dem ein Vertreter auf der Durchreise den Salon betritt, Creighton Tolliver. Der schmierig Typ erzählt sehr erregt von seiner genialen Geschäftsidee, für deren Umsetzung er nur noch 10.000 Dollar benötigt: Trockenreinigung - die bringe schon in kurzer Zeit sagenhafte Rendite. Crane, völlig mittellos doch längst davon überzeugt, dass seine Frau Doris eine Beziehung mit ihrem Chef, Big Dave unterhält, erpresst kurzer Hand Big Dave; 10.000 Dollar soll er zahlen, sonst erfährt der gehörnte Ehemann die ganze Sache und insbesondere Big’s (leicht gestörte) Frau Ann, der der ganze Laden gehört. Alles läuft nach Plan, Crane bekommt das Geld; und Tolliver verschwindet damit. Und weil er Big Dave wegen der 10.000 schon gebeten hatte, weiss der Bescheid, lädt Craine mitten in der Nacht zu sich, es kommt zu einem Handgemenge und Big Dave stirbt. Die Polizei verhaftet Doris, weil die sich seit Jahren schon aus der Kasse bediente und ein Motiv zu haben scheint. Crane engagiert Freddy Riedenschneider, einen gierigen, selbstverliebten Staranwalt, dessen wahnsinnige Forderungen nur durch einen Bankkredit durch Cranes Schwager und Mitfriseur Frank erfüllt werden können. Als es zum Plädoyer kommen soll, hat sich Doris im Gefängnis erhängt; mit dem Gürtel eines neuen Mantels, den Crane ihr in die Zelle schickte. Doch das ist noch nicht alles.....
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