KRITIK

Man Of Steel

Plakat zum Film Man of Steel„Thank you for believing in me.” It didn’t make much difference in the end. It did to me.” – Zeige mir, was du machst, und so zeigst du mir, wer du bist: Unter diesem Motto, und mit einem Budget von 225 Millionen US-Dollar, haben sich der hier als Produzent auftretende „The Dark Knight”-Regisseur bzw. US-Autorenfilmer Christopher Nolan und „Sucker Punch” Virtuose Zack Snyder (mit Hilfe von Scriptwriter David S. Goyer /“The Dark Knight Rises”) aufgemacht, der Comic- und Filmlegende „Superman”, nach Bryan Singers gescheitertem Reboot-Versuch aus dem Jahre 2005, neues Leben einzuhauchen. Und damit dieses Vorhaben gelingt, müssen ganz schwere Geschütze aufgefahren werden: unter anderem in Form von Darsteller-Prominenz wie Russel Crowe und Kevin Costner, einer erstklassig technischen Qualität Dank einer der besten Effekteschmieden Hollywoods sowie einem bombastischen Score aus der Feder Hans Zimmers. Aber das Alles garantiert aktuell keinen guten Film, denn Zack Snyders Superman-Neustart „Man of Steel” verfügt zwar Dank des Scripts von Goyer über einen zeitgemäßen, aber letzten Endes sterilen und zu über 90% Spaß-/humorbefreiten Ansatz.

Spätestens seit J.J Abrams „Star Trek – Into Darkness” ist es in Mode, dass Hollywood alles dafür unternimmt, um zu Beginn eines Filmes gleich die Aufmerksamkeit des ganzen Publikums zu erlangen: man wird mitten in die Geschichte eines Filmes hineingezogen und gleich mit dem stärksten Bombast konfrontiert, den die Traumschmiede zur Zeit zu bieten hat. Dieser Ansatz mag für moderne Blockbuster-Inszenierungen nicht der schlechteste sein, doch leider übertreiben es die Macher hinter „Man of Steel” mit ihren Ambitionen des öfteren zu sehr. Gerade dann, wenn jedes Detail der Herkunft des Sohns von Jor-El (Superman) bis ins Kleinste analysiert werden muss, damit beim Publikum bloß keine Verständnisschwierigkeiten auftauchen. Und Zack Snyder tappt dabei ein ums andere Mal in eine Inszenierungsfalle: er muss über die komplette Laufzeit von „Man of Steel” nicht nur wieder das aufwärmen, was spätestens seit den ersten beiden Richard-Donner „Superman Adaptionen” seit dem Jahre 1978 bekannt ist.

Nein: die Exposition in „Man Of Steel”, neben phantasievoller Sets und Locations und dann hin und wieder montierter Rückblenden aus der Vergangenheit der Kent-Farm, zieht sich „Man Of Steel“ über eine halbe Stunde lang wie bieder zelebriertes, holprig-inszeniertes „Art-House-Kino” bzw. wie ein gräulich wirkendes Arthouse-Drama. Das alles wäre auch halbwegs zu verkraften, dürfte man nicht mit standardisiert-biederen Dialogen aus der Feder David S. Goyer´s vorlieb nehmen, welcher der seit der „The Dark Knight Trilogy” gereiften Erkenntnis, wie schwer es ist, mit der Last leben zu müssen, ein Held zu sein, nichts Neues und Interessantes abzugewinnen vermag. Kevin Costner müht sich zwar nach Kräften, dieser Inspirationslosigkeit entgegen zu wirken, erfährt dabei, trotz allem in anhaftender Sympathie, eine übertriebene Weisheit und global-politisch-gesellschaftliche Symbolik, welche einfach nur als fad einzustufen ist…

Szene aus dem Film Man of SteelSein Niedergang als Jonathan Kent bedeutet das Ende einer Ära beziehungsweise einer US-amerikanischen Gesellschaft, welche einst im wenigen Wohlstand glücklich und zufrieden lebte… Und nun tritt eine Veränderung in Kraft. Clark Kent alias Superman muss als zeitgemäßer, zunächst von Hilfegefühlen geleiteter und dann als ein klein wenig rachsüchtig mäandernder US-Polizei-Welten-Apparat, von dem man bis zum Schluss vorgetragenem Dialog nicht mehr genau weiß, was man von ihm halten soll, der Aktualitäts- und Authentizitätsgrad wurde also strengstens beachtet, jetzt neue eine Generation vertreten. Also eine, welche in den dann sich ankündigenden CGI-Schlachten, in denen – wie schon in Steven Spielbergs Action-Pendant „Krieg der Welten – wieder mächtiger grauer Staub aufgewirbelt wird und allerhand unheilvolles in die Hochhäuser der Menschen stürzen darf Post-9/11-Wunden lecken betreiben muss. Superman ist dabei natürlich Triebfeder für dieses Vorhaben, welches des öfteren in zu Beginn vorgetragener kirchlich-religiös-platter Symbolik endet. Superman alias Clark Kent fühlt sich als Held sichtlich unwohl in seiner Haut. Und alles liegt am Ende von „Man of Steel” in Schutt und Asche. Und es ist an den Menschen, den Glauben an ihr einstiges, patriotisches, nun dunkler gewordenes Symbol wieder zu entdecken, es also neu zu beleben. Dieser Ansatz mag bei Christopher Nolans Comic Pendant „The Dark Knight” im Angesicht der finsteren Seiten der Batman-Figur noch ganz gut funktioniert haben, beschwört aber keinen in „Man Of Steel” erwarteten Spaß herbei. Das US-amerikanische Kino darf sich also zur eigenen gesellschaftlichen Mustergültigkeit gratulieren. ”Man of Steel” bewegt sich mit zunehmender Laufzeit von der dringend benötigten, klassischen Inszenierung einer Comic-Verfilmung mit einem richtigem Maße an Stars, Stripes, ein klein wenig Patriotismus und zur Genüge reichender Selbstironie immer weiter weg.

 

Szene aus dem Film Man of SteelDes weiteren darf man Dank des flachen Scripts von Autor David S. Goyer auch mit der einen oder anderen Bruch mit der zu Grunde liegenden Logik in „Man of Steel” vorlieb nehmen: warum liebt Lois Lane ihren Superman trotz einer löchrigen, unterentwickelten und über weite Strecken unterkühlt wirkenden, pomadig vorgetragenen Beziehung (welche ebenso eine schmerzhafte, ins sadistische abgleitende Behandlung zwecks des eigenen Überlebens beinhaltet) überhaupt, obwohl besagter Held sich am Ende einer über das Normal-Maß an den sonst üblichen Mitteln, der bekannten Anständigkeit/Moral und Integrität hinausgehenden Methode als symbolisierter, somit aktualisierter Post 9/11 Welt-Apparat bedienen muss, um General Zod als Unheil zu stoppen? Was wohl für ein bisschen Schmerz in der Magengegend und anscheinend als kleine politische Bewusstseinsschärfung gedacht sein soll, welche mit dem Gedanken und dessen Tenor flirtet, was man sich aktuell alles erlauben darf, um die Weltordnung aufrecht zu erhalten. Wobei Supermans Gegenspieler im übrigen zu einem stoischem Jack-Bauer-Imitat degradiert wird, welches einfach nur seinen Job erledigt und an eine heile (Krypton, also US-amerikanische) Welt von gestern glaubt, die schon lange nicht mehr existiert. Und diese wie ein Faschist wieder zum Leben erwecken möchte.  Das Drehbuch findet für viele angesprochene Dinge keine logische Erklärung, auch im Eis nicht, wenn Superman Lois retten muss, es schließt eine emotionale Entwicklung zwischen Superman und Lois Lane konsequent aus, vor allem nachdem Supermans große Liebe geheilt wird. Und auf welche Art wird Lois überhaupt geheilt? Kann man Superman heutzutage daher überhaupt lieben? Wie konnte Superman ebenso sein Geheimnis im Eis entdecken? Man wird es nie erfahren und muss das gesehene einfach akzeptieren.

Aber auch in technisch-qualitativer Hinsicht vermag der Film nicht so sehr zu überzeugen. Die oft angebrachte Kritik, die Action-Sequenzen würden „zu” verwackelt in Szene gesetzt sein, entpuppt sich als luftleer. Denn nicht die in „Man Of Steel” Einzug erhaltene Found Footage Verwacklung beziehungsweise Bildmontage entpuppt sich als Problem: „Man of Steel” plagen Defizite in ganz anderer, qualitativer Hinsicht: sämtliche Action-Settings wirken im Nachhinein einfach austauschbar. Wenn Superman sich mit General Zod´s Handlangern duellieren darf, gehen diese Duelle zwar etwas schneller, härter und gröber von statten, in einer Art und Weise, welche man tatsächlich noch nicht erlebt hat. Aber durch übertriebene Geschwindigkeit selbst hat man hin- und wieder Mühe, diesen zu folgen (also nicht durch hinzu addierte Found-Footage-Aufnahmen, durch die sämtliche, in „Man of Steel“ auf das Publikum einstürzende Bilder etwas verwackelt erscheinen ), nebenbei bedienen sie nur den Tricktechnik-Häuserschlachten-Standard, welcher spätestens seit Michael Bays „Transformers” en vogue sind. Welcher zudem mit einem weiterem Fehlgriff der Macher aufwartet: was bringt es den Menschen der US-amerikanischen Gesellschaft, sich in ihren Häusern zu verbarrikadieren / sich einzuschließen, wenn diese gleich von Superman und Zord´s Handlangern in Schutt und Asche gelegt werden? Das Ganze ergibt einfach keinen Sinn. Und schließlich entlarvt sich Zack Snyders „Man of Steel”, wenn es zum unvermeidlichen Showdown mit dem Welten Vernichter kommt, am Ende auch noch selbst: zum einen wird ungeniert in der Film-und Videospielhistorie gewildert, wenn dem Welten Vernichter das optische Design einer Schlüsselfigur des Mass Effect Universums, einem „Reaper”, verliehen wird. Zum anderen wird damit ein elementarer Antrieb der aktuellen Filmindustrie bedient, welche eine konsequente Brücke Dank der eigenen Ideenlosigkeit zum Publikum von heute schlägt: „Man Of Steel” erweist sich als formelhaftes und vorhersehbares Abenteuer- und Effektekino, das vorgibt, mit dem Selbstfindungsprozess der prominenten, seelenlos wirkenden Hauptfigur auf Sightseeing Tour komplex zu sein, es im Endeffekt aber nun mal nicht ist.

„Man Of Steel“ offenbart sich als Langweiler zum Quadrat, als Quintessenz des in Zukunft wohl bald implodierenden, modernen Blockbusterkinos: sprich als Prototyp der aktuell vorherrschenden Monotonie und des Zeitgeistes. „Man of Steel“ vermag (bis auf General Zod´s gelungen vorgetragenes Ableben) zu keiner Zeit emotional zu berühren, ja sogar mitzureißen. Selbst die Handlanger von Zod strahlen in Man Of Steel deutlich mehr Gefahr aus als dieser selbst. Michael Shannon bekommt als toller Schauspieler durch das limitierte Script erst gar nicht die Gelegenheit, sich richtig zu entfalten. So bekommt man in „Man of Steel“ nur selten das Gefühl dafür, das Superman Zod am Ende einmal wirklich unterlegen sein könnte, also das was auf dem Spiel steht, kurz davor ist, für immer verloren zu sein. Man bekommt also kein emotionales Polster geboten, welches zum mitfiebern anstiftet. Stattdessen konzentrieren sich Script und Regie auf die zur Handlung wenig beitragenden Nebenfiguren wie Perry White (verschenkt: Laurence Fishburn), welche diesen Malus ausgleichen sollen, es im Endeffekt aber nicht können. Das ganz große Drama in „Man Of Steel“ findet also nur in den üblichen oberflächlichen Hollywood- und Materialschlacht beziehungsweise bombastischen Rahmen statt. Der einzige Lichtblick in der nicht nur optisch trüb-gräulichen als auch abgestumpften Inszenierung von „Man of Steel“, welche das Publikum wohl erfolgreich überzeugen wird, an etwas ganz Großem und Wichtigem teilhaben zu dürfen, bleibt hin- und wieder Amy Adams als Lois Lane…

Fazit: Zack Snyders Blockbuster „Man of Steel” driftet beileibe nicht in die unsäglichen Bereiche des eigenen Vorläufers „Sucker Punch” ab, schafft es aber nicht trotz aller Vorgabe einer vernünftigen Regie, der Verknüpfung aus politischer Relevanz, zwischenmenschlichem Drama, bombastischen Spektakel und Zeitgeist, also der Errettung des „American Way of Life”, eine besondere Note, einen gewissen Reiz, zu verleihen. „Man of Steel” offenbart sich also als uninteressantes bis zum vergessen konzipiertes Entertainment. Welches „Superman” zu einem zwar zeitgemäßen, aber unsympathisch gewordenen Staatsapparat verformt, der jetzt auch, ohne auch im Ansatz seine Taten zu hinterfragen, sprichwörtlich über Leichen geht.

 

  



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