KRITIK

Malunde

Malunde In ihrem ersten Spielfilm erzählt die südafrikanische Drehbuchautorin und Regisseurin Stefanie Sycholt die Geschichte einer Annäherung von Schwarzen und Weißen. Was sie zuvor in Dokumentarfilmen und aus eigener Erfahrung und politischer Arbeit realisiert hat, wird hier zu einem einfach konsumierbarem Roadmovie verarbeitet. Zwar erreicht sie erreicht mit ihrem Film nie ganz die Poesie des ähnlich angelegten brasilianischen Berlinale Gewinners „Statio Central“ von Walter Salles, doch sehr deutlich vermittelt der Film dem Zuschauer eine deutliche gesellschaftspolitische Aussage.
Und dieses Primat hat unterschiedliche Folgen: Zum einen wird ein Stück weit die vielfältige schwarze Lebenswirklichkeit Südafrikas deutlich, als auch die nachhaltigen Folgen der Arpartheit für Schwarze und Weiße und auch der unterschiedliche Umgang mit der Vergangenheit in weißen Arbeitermilieus in Südafrika, zum anderen aber wirken die Rollen der Schauspieler bis auf die der beiden Hauptdarsteller recht schematisch.
Leider traut Regisseurin Sycholt auch dem südafrikanischen Starschauspieler Ian Roberts und seinem unerfahrenem Gegenüber Kagiso Mtetwa einfach zu wenig zu, so dass sie eindeutige Symbole ge- und missbraucht, um die Personen zu kennzeichnen. Die Hinführung zum eigentlichen Roadmovie ist etwas zu ausschweifend geworden und wohl der Erfahrung als Dokumentarfilmerin zu verdanken, da sie zur teilweise arg konstruierten Fluchtgeschichte nur wenig beiträgt.
In Jürgen Jürges erkennt man hingegen einen bewährten deutschen Kameramann, der auch diesmal bestechend gute Bilder liefert und eine zurecht massive deutsche Filmförderung vermuten lässt.
Dass Malunde in Südafrika sechs Filmpreise bekommen hat (u.a. bester Film) spricht für die Notwendigkeit eines solchen Filmes, der im europäischen Raum letzt endlich als informativer und unterhaltsamer Familienfilm über südafrikanische Verhältnisse gesehen werden kann. Mehr aber wohl nicht. Rainer Bach



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INHALT

"Malunde" lässt sich schwer ins Deutsche übersetzen, es heißt soviel wie obdach-, rast- oder haltlos. All das und ein wenig mehr sind die beiden Hauptdarsteller in diesem südafrikanischen Film: der schwarze Straßenjunge Wonderboy, der in Pappkartons schläft und Kleber schnüffelt und der biertrinkende weiße Ex-Soldat Kobus, der nun arbeits- und orientierungslos im Haus seines Bruders mitwohnen darf.
Eher zufällig treffen die beiden unterschiedlichen Protagonisten aufeinander. Wonderboy, der die Windschutzscheibe des Wagens von Kobus wäscht, springt in dessen Auto, als ein erwachsener Drogendealer auftaucht und eine alte Rechnung begleichen möchte. Kobus, der einen Gelegenheitsjob als Vertreter für Regenbogen-Wachs übernommen hat, wirft den Jungen wenig später in einer Einöde aus dem Wagen. Da dieser dem Weissen nacheilt und die Ware im Auto vor einem Diebstahl rettet, vereinbaren beide, dass Wonderboy bis Kapstadt zu seiner Mutter mitkommen darf, solange er auf das Auto und das Wachs aufpasst.
Auf der langen Fahrt kommen sie sich trotz aller Vorurteile näher und profitieren auch voneinander - sei es beim Verkauf des Wachses in Schwarzensiedlungen oder beim Schutz vor Kriminellen.
In Kapstadt schließlich angekommen stehen sie wenig später vor der Frage, wie es mit ihnen weitergehen soll, zumal auch die Mutter von Wonderboy unauffindbar ist. Aber das ist erst der Anfang...
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