KRITIK

Magic Mike

Gibt es ein Genre, das er noch nicht bedient hat? Steven Soderberghs Filmschaffen ist wahrlich eine Wundertüte: Da findet sich „Ocean´s Eleven“ neben dem spröden Vierstünder „Ché“, das starbesetzte Oscar-Drama „Traffic“ neben obskuren Experimenten („Bubble“). Wenn er Lust hat, einen comichaften Actionfilm zu drehen, macht er das einfach – siehe „Haywire“. Und wenn ihm ein Schauspieler erzählt, er habe früher mal als Stripper gejobbt, dreht er prompt den Film zur Story. So entstand „Magic Mike“.

Channing Tatum, der tumbe Charmebolzen aus „21 Jump Street“, spielt nun die Titelrolle, die auf seinen eigenen Erlebnissen basiert. Dieser Mike wäre lieber Öko-Schreiner, doch zunächst verdingt er sich als Stripper in einem Club in Florida, der vorwiegend von beschickerten jungen Damen beim Junggesellinnenabschied frequentiert wird. Bald holt Mike den jungen Hilfsarbeiter Adam (Alex Pettyfer aus „In Time“) ins Boot, noch so einen, der den Wackel-mit-dem-Po-Job als Durchgangsstation betrachtet – bis er dann, anders als Mike, den Verheißungen von schnellem Dollar, unkompliziertem After-Show-Sex und bösen Drogen erliegt.

Szene MM Mikes Romanze mit Adams Schwester ist die etwas blasse Seite eines Films, der ansonsten, elegant inszeniert, dem Affen Zucker gibt: Matthew McConaughey etwa macht aus seinem Part als Club-Chef und Strip-Legende Dallas eine selbstironische Show; seine Rolle ist quasi das männliche Pendant zu Cher in „Burlesque“. Überhaupt schlägt Soderbergh viel Kapital aus der Tatsache, dass hier mal keine Frauenbeine in die Luft fliegen, sondern Waschbrettbäuche wonnig ins kreischende Publikum gereckt werden – und dass es hier Männer sind, die auch jenseits der Show zum Sexualobjekt degradiert werden.

Soderbergh siedelt den Film genau in der Mitte zwischen Entertainment-Komödie und Emanzipationsdrama an: Die Tanz-Nummern sind mitreißend inszeniert, die Abgründe bleiben dabei präsent. Und ebenso wichtig wie die Ausziehprofis auf der Bühne sind ihm die Blicke derjenigen, die da so voyeuristisch starren – nicht zuletzt die Zuschauer.

  

Kritikerspiegel Magic Mike



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Dimitrios Athanassiou
moviemaze.de
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Bernhard Trecksel
Die Wochenschau
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Sascha Westphal
epd Film, Die Welt, FR
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 



 



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Eure Kritiken zu Magic Mike

  1. Pingback: Magic Mike – Mehrfilm – Filmkritiken und mehr (Blog) | Reinwand Net Blog

  2. Tine

    Tanzszenen: ein Heidenspass! Matthew McConaughey: Oscar alleine für die Selbstironie! Alex Pettyfer: spielt die Rolle des süssen reinstolpernden Jungspundes wirklich gut. Channing Tatum ist sowas von garnicht mein Fall, aber TROTZ ihm schaute ich mir den Film an und wurde bestens unterhalten, Soderbergh kann das einfach.

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