KRITIK

Männerhort

Bild (c) Constantin Filmverleih GmbH.

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Männer seien primitiv, aber glücklich, behauptet Flachwitzfürst Mario Barth gern in seinen stadionfüllenden Schenkelklopfer-Shows. „Männerhort“ verneint das: Männer sind zwar primitiv, aber unglücklich, zumindest im Zusammenleben mit ihren shoppingsüchtigen Frauen. Deshalb ziehen sie sich heimlich in den Heizungskeller zurück, in ein verstecktes Refugium, in dem sie noch zünftig Dosenbier trinken, Fußball gucken und über ihre besseren Hälften herziehen können – die Soziologie hat für derartige Orte den schönen Begriff „Man Cave“ geprägt. Als die „Männerhöhle“ von Dixi-Klo-Vertreter Lars (auf „Stromberg“-Autopilot: Christoph Maria Herbst), Programmierer Erol (Elyas M‘Barek) und Pilot Helmut (Detlev Buck) vom türkischen Hausmeister entdeckt wird, ist die virile Not groß.

Szene_MannerhortObwohl eine Frau am Regie-Ruder saß (Franziska Meyer Price, „Doc meets Dorf“), hat der Film trotzdem schmerzhaft viel mit Mario Barth zu tun, nicht nur wegen der schaurig oberflächlichen Frauenfiguren: Auf jeden pointierten Dialog (die gibt´s durchaus) kommen zwei stinkende Kalauer. Wie so oft in deutschen Kinokomödien, die „Männerherzen“, „Männersache“ oder ähnlich heißen, kann man sicher sein, dass die Geschlechteranalyse über oberflächliches Gewitzel nicht hinausgehen wird – man kann diese Filme als Symptom sehen für das neue deutsche Biedermeier, in dem sich große Teile der deutschen Unterhaltung derzeit gemütlich einrichten. Auch wenn sich im Film die Kerle schon mal als Pantoffelhelden oder – Schock! – als schwul entpuppen.

„Männerhort“ basiert auf einem oft gespielten Theaterstück des geschätzten Schriftstellers Kristof Magnusson, einer frühen Boulevard-Entgleisung, die ihm jetzt wahrscheinlich ordentlich Tantiemen einbringen wird. Denn trotz Biederwitz und fehlendem Timing ist von einem Hit auszugehen, schon weil mit M‘Barek der derzeit größte Star des deutschen Films (momentan auf Platz 1: „Who am I“) als Erfolgsgarant mit dabei ist: Vertragsgemäß zeigt er ausgiebig seinen trainierten Oberkörper her.

 




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