KRITIK

Madame Mallory und der Duft von Curry

Bild (c) Constantin Film.

Bild (c) Constantin Film.

„Madame Mallory“ ist ein Feel-Good-Movie nach Patentrezept. Garniert mit jeder Menge essenspornografischer Detailaufnahmen, angesiedelt in einer Märchenwelt aus grünstem Grün und sonnigster Sonne, in der, obwohl in der Originalfassung alle Figuren Englisch sprechen, die üblichen Franzosen-Klischees herumlaufen.

Madame Mallory hat schon einen Michelin-Stern, der zweite soll folgen. In einem malerischen südfranzösischen Dörfchen führt sie das Gourmetrestaurant „Le Saule Pleureur“ (Die Trauerweide), in dem sogar der Präsident hin und wieder einzukehren pflegt. Dann erdreistet sich eine laute Migrantenfamilie aus Indien, auf der anderen Straßenseite ein Curryhaus zu eröffnen. Zwischen Madame Mallory und dem vom Patriarchen Papa geführten „Maison Mumbai“ entbrennt ein Krieg – bis Mallory entdeckt, dass Würzgenie Hassan, Papas Sohn, den „absoluten Geschmack“ besitzt. Man ahnt es schon: Es kommt zur Fusion. Und nicht nur in der Küche.

Szene_Madame_MalloryDie amerikanische Talk-Ikone Oprah Winfrey war so begeistert Richard C. Morais´ Roman, dass sie gemeinsam mit Produzent Steven Spielberg diese Verfilmung anleierte. Als Regisseur fungiert der schwedische Romanzen-Onkel Lasse Hallström („Lachsfischen im Jemen“), der im Jahr 2000 mit „Chocolat“ schon einmal eine ganz ähnliche Geschichte inszenierte: Fremde dringen in einen hermetisch geschlossenen Dorfkontext ein und werden erst akzeptiert, als sie die Abwehrmauer mit lukullischen Genüssen zum Einsturz bringen.

Das wahre Ereignis ist aber nicht die in jedem Moment vorhersagbare und gegen Ende stark erlahmende Geschichte, auch nicht der handzahme Schmunzelhumor, sondern – wieder einmal – die Oscar-Preisträgerin Helen Mirren („Die Queen“), die ihre schematisch angelegte Figur trotzdem bewundernswert griffig vor die Kamera bringt. Mit Om Puri („East is East“) als Papa liefert sie sich ein schön garstiges Duell. Ärgerlich ist es dagegen, wie das bunte, lustige Leben der Migrantenfamilie, die immerhin vor einem religiösen Terrorakt nach Frankreich floh, inszeniert wird: Rassistische Anfechtungen lösen sich hier pünktlich in Wohlgefallen auf, sobald mal wieder jemand was Leckeres serviert. Gerade vor dem Hintergrund der Migrationsdebatten im nach rechts gerückten Frankreich hat das, pardon, einen schalen Beigeschmack.

 




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