KRITIK

Madame Bovary

Plakat_Madame-BovaryGustave Flauberts Roman „Madame Bovary“ ist bereits mehrfach verfilmt worden. Doch auch wenn die verantwortlichen Regisseure Renoir, Minnelli oder Chabrol hießen: Meisterlich war das nie. Auch Regisseurin Sophie Barthes reißt es nicht raus: Brav werkgetreu (trotz großzügiger Streichungen) und fast anämisch folgt sie Ausbruch und Fall der Titelfigur. An Mia Wasikowska liegt es nicht. Die wunderbare Australierin, die als „Jane Eyre“ schon Erfahrung hat in krinolineknisternden Romanverfilmungen, legt die Titelheldin modern an, als Sympathiefigur beinahe, dabei hat Emma Bovary unter den Ehebrecherinnen der Weltliteratur neben Anna Karenina und Effi Briest in der Gunst der Leser den traditionell schwersten Stand.

An einen Landarzt verheiratet, verfällt die Bovary dem Ennui des Provinzlebens. Das Versprechen auf ein aufregendes Leben erfüllt sich nicht, also peppt sie es auf: Sie verprasst alles Geld für Luxusartikel, stürzt sich in Affären mit einem jungen Kanzlisten und einem reichen Adligen, der sie ausnutzt, ruiniert ihre Ehe. Am Ende bleibt ihr auch hier nur: Arsen.

Szene_Madame-BovaryWürden die beiden Kino-Käuze Rhys Ifans (als Händler) und Paul Giamatti (als Apotheker) die gediegene Niedergangsfabel mit ihren Auftritten nicht wenigstens kurz unterbrechen, und würde Wasikowska sich durch ihr Spiel nicht mit aller Macht gegen die Beliebigkeit stemmen, so drohte hier eine Vollnarkose. Ohne erkennbar neue Sicht auf Flauberts Meisterwerk plätschert Barthes’ Verfilmung inspirationslos vor sich hin. Schön, gewiss. Aber ermüdend schön.

 

 



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