AKTUELL IM KINO

Madame

Bild (c) Studio Canal Filmverleih.

Zur Aufmöblierung der eigenen Ehe mal eben von New York nach Paris ziehen: Mittvierzigerin Anne (Toni Collette, „Sixth Sense“) und ihr dreißig Jahre älterer Mann Paul (Harvey Keitel, „Reservoir Dogs“) haben es gemacht. Jetzt lustwandeln sie dort durch den Park ihrer Villa und lassen sich vom Personal bedienen, als hätte sich seit Louis Quatorze nicht allzu viel geändert. Schlimmstmögliches Ereignis vor diesem Hintergrund: eine ungerade Anzahl von Gästen bei der nächsten Dinnerparty. Und genau das passiert natürlich. 13 Leute am Tisch? Mon dieu!

Panisch funktioniert Anne ihre Hausdame Maria zur Society-Lady um, zur titelgebenden „Madame“, nicht ohne der zögerlichen Angestellten drei goldene Regeln mit auf den Weg zu geben: Nicht zu viel reden! Nicht zu viel lachen! Nicht zu viel essen! Maria hält sich selbstverständlich an keinen dieser Ratschläge: Am Ende des Abends hat sie sich, fröhlich angeschickert, den Briten David angelacht, von dem nie ganz klar wird, ob er die boulevardeske Maskerade durchschaut.

Szene zum Film Madame mit Hauptdarstellerin Toni Colette am Tisch in Rückenansicht. Leider ist das Dinner schon nach einem Drittel des Films vorbei. Was danach geschieht, ist weniger stimmig: Auf das plötzliche Glück ihrer Bediensteten, die möglicherweise ernsthaft in die „Gefahr“ gerät, eine standesübergreifende Liebesbeziehung mit David zu beginnen, reagiert die jüngere Anne übertrieben misstrauisch und eifersüchtig. Sie sieht in Maria den Neuanfang, der ihr selbst sogar per Kontinentwechsel nicht gelungen zu sein scheint. Sie schreitet zur Sabotage.

Regisseurin Amanda Sthers stromert in ihrem zweiten Film seltsam zwischen Sittenkomödie, Standessatire und Liebesdrama herum. So richtig zündet das nie. Ob’s an der fehlenden Chemie zwischen Collette und Keitel liegt? Den alten Lebemann mit (versteckten) Finanzproblemen nimmt man dem sonst auf harte Hunde abonnierten Veteranen jedenfalls nicht ab. Auch Society-Satiren gibt es deutlich bessere – und bösere, dialogstärkere Salonkomödien allemal. Alleinstellungsmerkmal ist letztlich nur der spanische Star Rossy De Palma (bekannt aus vielen Almodóvar-Filmen) in der Titelrolle. Sie bringt so viel Präsenz in den Film ein, dass man die abgestandenen Witze und Tonschwankungen fast verzeiht.

 

 

 



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