KRITIK

Mad Max: Fury Road

Bild (c) 2015 Warner Bros. Germany.

Bild (c) 2015 Warner Bros. Germany.

Einen Bezug zu dem mittlerweile etwas angerosteten Franchise, das im Jahr 1979 startete? Fehlanzeige! Nicht einmal der in Hollywood in Ungnade gefallene Mel Gibson, Hauptdarsteller aller Mad Max-Teile taucht im neuen Film von George Miller auf. Davon hätte die Neuauflage durchaus profitieren können und tatsächlich legt das Reboot einen Gang zu. Aber nur, um die Kino-Karre mit noch mehr Krawumm gegen die Wand zu fahren.

Vielleicht dachte der Schöpfer der australischen Road-Movie-Reihe, die Gibson 1979 zum Star machte, dass 30 Jahre nach „Mad Max: Beyond Thunderdome“ sich sowieso niemand mehr erinnern könnte, wo die Story damals endete. Und mal ehrlich, weiß das noch irgendjemand? Ohne zu googeln? Vielleicht hat „Mad Max: Fury Road“ aber auch gar nichts mit dem Original zu tun und Miller ist beim Erfinden von Filmtiteln ähnlich unkreativ wie bei der Inszenierung seiner rabiaten Rallye. Der Film überfährt den Zuschauer in Dampfwalzen-Manier mit visuellen Einfällen, die allesamt von anderen Filmen per Blaupause kopiert wurden. Mehr als bei der selbstgeschaffenen Vorlage bedient sich Miller bei Kult-Klassikern des Genres. Gleich zu Beginn flieht Max durch ein Erdlabyrinth vor einer Horde albino-weiß gepuderter Kamikaze-Krieger, die aussehen wie eine Kreuzung aus Morlocks und den Vampir-Zombies aus „Der Omega-Mann“ von Boris Sagal (1971). Passenderweise wollen ihn die sogenannten Warboys als lebende Blutkonserve. Als solche wie eine menschliche Kühlerhauben-Figur auf das Gefährt gefesselt nimmt ihn der todesgeile Jungsoldat Nux (Nicholas Hoult) mit auf die nächste Kampftour. So steckt der wortkarge Held zwangsweise im Tross des zwischen Darth Vader und Skeletor chargierenden Oberschurken Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne), der seinen entflohenen Harem einfangen will.

Szene_Mad_Max_FuryFluchthelferin der fünf Schönen, die in ihren im Wüstenwind wehenden weißen Gewändern aussehen, als seien sie auf dem Weg zu einem Foto-Shooting (tatsächlich sind Rosie Huntington-Whiteley, Zoë Kravitz, Abbey Lee, Courtney Eaton und Riley Keough allesamt Models) ist Immortans rebellierende Gefolgsfrau Imperator Furiosa (Charlize Theron). Die heimliche Hauptfigur war anscheinend einst selbst eine der zu Zeugungsmaschinen bestimmten „Mütter“. Aber Charakterzeichnungen bleiben neben den feuerspeienden Karossen als erstes auf der Strecke. Die Protagonisten werden über Gadgets und Gimmicks definiert: ein Lenkrad, eine Jacke, eine Frisur wie Ellen Ripley in „Alien 3“, eine Atemmaske wie von Lord Helmchen aus Mel Brooks´ „Spaceballs“. Furiosa und der von Horrorfilm-artigen Visionen geplagte Max suchen beide nach Erlösung. Echtes Paar-Potenzial. Einige Explosionen, einen Sandsturm und unzählige Liter vergossenen Sprits später sitzen sie samt Haremsdamen in einem mit Muttermilch befüllten Tanklaster unterwegs in ein erhofftes grünes Paradies. Dabei entpuppt sich ihre Reise genau wie der gesamte Film als, wie Furiosa anfangs sagt, „A detour“ also ein Umweg, der sich auch so anfühlt: überlang und überflüssig. Dazwischen klaffen Logiklücken, die im Besten Fall unfreiwillig komisch sind. Wenn Sprit und Wasser so in der Wüstenwelt so wertvoll sind, warum planschen Immortans Frauen und Krieger dann damit herum? Sind Transfusionen ohne Blutgruppenbestimmung nicht potentiell tödlich? Und wenn alle gegen den mächtigen Immortan sind, warum rebellieren sie nicht früher gegen den am Beatmungsgerät hängenden alten Knacker?

Die von schrillen E-Gitarren-Riffs getriebenen Verwurstung von „Death Race 2000“ und „Eine total, total verrückte Welt“ (im Original nebenbei „It´s a Mad, Mad, Mad, Mad World“) wirkt wie ein überdrehtes Kind, das ununterbrochen um Aufmerksamkeit bettelt und damit das Gegenteil erreicht. Man ist schon nach dem Vorspann entnervt. Trotz des in Relation zum Original enormen Budgets ist Millers jüngstes Vehikel letztlich bloß das, wonach die Karosserieren aussehen: aufgemotztes Blech.

 

 

 

Kritikerspiegel Mad Max: Fury Road



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
9/10 ★★★★★★★★★☆ 


Lida Bach
kino-zeit, filmrezension, titel-magazin
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Christian Gertz
Nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
9/10 ★★★★★★★★★☆ 


Antje Wessels
Wessels Filmkritik
9/10 ★★★★★★★★★☆ 


Julius Zunker
kinofans.com
10/10 ★★★★★★★★★★ 


Durchschnitt
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 





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