KRITIK

Löwen aus zweiter Hand

Löwen aus zweiter Hand Leider ist der Film von Regisseur Tim McCanlies in Deutschland nur auf DVD erschienen. Warum? Das ist nicht ganz verständlich, gelingt es dem Drehbuchautoren McCanlies (u.a. „Der Gigant aus dem All“, 1999) doch eindrucksvoll, die phantastischen Geschichten der alten Männer in schöne Bilder zu tauchen. Ein bisschen fühlt man sich an das grandiose Drama „Big Fish“ (2003) erinnert, wenn ein beinahe unglaubliches Leben aufgerollt wird und der Kinozuschauer nie ganz sicher sein kann, was denn nun wahr und was erfunden ist.

Leider kann der Film im direkten Vergleich mit Tim Burtons Werk nicht ganz mithalten. Man wünscht sich als Zuschauer, noch viele weitere Abenteuer zu sehen – und genau daran krankt “Löwen aus zweiter Hand“: Der Wunsch nach mehr Rückblenden, mehr Jugendabenteuer der beiden sonderbaren alten Männer, mehr Bildern von exotischen Schauplätzen und fremden Ländern wird nicht erfüllt. Stattdessen bekommt der Zuschauer eine weitere Konfliktebene geboten: Die schwierige Beziehung Walters zu seiner Mutter, die Suche des Jungen nach Rückhalt und dessen Angst in ein Heim abgeschoben zu werden. Hier scheint es den Verantwortlichen einfach zu wichtig gewesen zu sein, Jungstar Haley Joel Osment in Szene zu setzen, um ihn seine gesamte Gefühlspalette ausbreiten zu lassen! Und das während die eigentlich weitaus wichtigere Frage, nämlich die nach dem Altern doch immer etwas oberflächlich bleibt. Schade eigentlich. Darauf hätte der Film durchaus verzichten können, zum Beispiel zu Gunsten einer etwas ansprechenderen Auflösung (wie eben bei Burtons „Big Fish“). Ein interessantes Detail hierzu findet sich übrigens im Bonusmaterial der DVD unter den gelöschten Szenen. In einer zusätzlichen (zum Teil alternativen) Beerdigungsszene wird die Auflösung viel stärker in die Länge gezogen und akzentuiert. Der „erwachsene“ Walter, der in seiner Leinwandpräsens in der Endfassung auf eine Handvoll Sätze zurechtgestutzt wurde, darf hier unter anderem eine lange Rede über das Leben seiner Onkel halten.

Insgesamt ist „Löwen aus zweiter Hand“ jedoch ein schöner Film. Perfekt geeignet für regnerische Sonntagnachmittage. Ein bisschen Abenteuer, ein bisschen Gefühl, ein bisschen was zum Schmunzeln. Eine schöne Mischung also.



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INHALT

Was tun zwei alte Männer, die in den frühen 60ern auf der Veranda ihrer heruntergekommenen Farm in der texanischen Einöde sitzen? Ganz klar: Sie warten nur darauf, gierige Vertreter und nervige Verwandtschaft mit ihren Schrotgewehren und schlechter Laune vertreiben zu können. Und genau hier wird der junge Walter von seiner geldgierigen Mutter zurückgelassen, um den Sommer zu verbringen. Fernab von Fernsehen und Telefon bei seinen schrulligen Grossonkeln Hub und Garth soll er herausfinden, wo die Beiden ihr Vermögen versteckt haben. Dabei erfährt der Junge nach und nach immer mehr Geheimnisse aus dem bewegten Leben der beiden Kauze: Geschichten aus Europa und Afrika, von Prinzessinnen und Kriegen, von Geld und von wahrer Liebe. Wie glaubwürdig die Geschichten sind, steht jedoch auf einem anderen Blatt, schliesslich gibt es Gerüchte, die alten Männer seien Bankräuber und Mafiakiller gewesen. Zumindest dass sie vermögend sind steht fest und Walter gelingt es, Hub und Garth zu überreden, ihr Geld nicht nur zu bunkern. So wird also kurzerhand allerlei lebenswichtiges Zeug gekauft, wie etwa ein Apparat zum Tontaubenschiessen, ein Flugzeugbausatz oder ein gebrauchter Löwe (zum Jagen versteht sich).
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Eure Kritiken zu Löwen aus zweiter Hand

  1. StefanH

    Einer der schönsten Filme die ich kenne! Er beinhaltet alles, was in einem guten Film vorkommen muss: Humor, Herz, Abenteuer, Liebe. Ein einfach perfekt gemachtes Märchen für die ganze Familie!

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