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Feb 2013
14
Berlinale 2013 – Panorama Special – „Lovelace“ von Rob Epstein, Jeffrey Friedman

Szene aus dem Film LovelaceEin Wiedersehen mit alten Berlinale-Bekannten: Mike Epstein und Jeffrey Friedman, zuletzt mit „Howl“ 2010 im Wettbewerb, präsentieren in der Panorama-Sektion ihr neuestes Biopic einer Ikone der Gegen-/Untergrundkultur, des ersten Pornostars, Linda Lovelace. „Deep Throat“ machte sie für 15 Minuten weltberühmt, aber sie bezahlte einen hohen Preis für diese kurze, heftige Welle des Erfolgs, die über ihr zusammenbrach und sie unbarmherzig hinwegspülte. Mit ihr wurde Porno kurzzeitig Mainstream, ein Zeitenwandel kündigte sich an. Doch dann kam der Videomarkt und der Rückzug des Genres ins Private. Linda Lovelace war dort bereits am Ende, ein psychisches Wrack, das sich erst Jahre später mit ihrer Autobiografie die Deutungshoheit über ihr Leben zurückeroberte.

Der Film „Lovelace“ verwendet dafür das raffinierte Stilmittel, die selben Szenen aus unterschiedlicher Perspektive, mit dem neuen Wissen um den tragischen Fortgang ihres Lebens, ein zweites Mal zu erzählen. So wird einerseits der vermeintliche Glamour bedient mit Hollywood-Premieren und Hugh Hefner, andererseits der Absturz alles andere als beschönigt. Mit erstaunlicher Leichtigkeit schlüpft Amanda Seyfried in die schwierige Titelrolle und auch Peter Sarsgaard als ihr ausbeuterischer Ehemann meistert die Doppelbödigkeit des Stoffes problemlos. Auch wenn „Lovelace“ kaum die Dichte von „Boogie Nights“ oder den Informationsgehalt des thematisch fast deckungsgleichen „Inside Deep Throat“ erreicht, ist er doch vor allem aufgrund seines emanzipatorischen Aktes durchaus sehenswert.

Berlinale 2013 – Panorama Special
Regie: Rob Epstein, Jeffrey Friedman
USA 2013

Fr. 15.02., 18:00h Friedrichstadt-Palast

  

 



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INHALT

1972 schlug der Film Deep Throat in den Mainstream ein und veränderte diesen entscheidend, lange vor dem Internet und der Pornografisierung der Gesellschaft. Der Porno-Chic war geboren. In sechs Tagen für 25.000 Dollar gedreht, spielte Deep Throat über sechs Millionen Dollar ein und machte seinen bis dahin unbekannten Star Linda Lovelace, die für die Rolle nur 1250 Dollar erhielt, zum Mediendarling und zum Postergirl für die sexuelle Revolution. Als das in einer streng religiösen Familie aufgewachsene Girl-Next-Door Linda an den charismatischen Chuck Traynor gerät, beginnt für sie das Leben auf der Überholspur. Traynor erfindet ihre "sensationelle Begabung zum Oralverkehr" und wird ihr Ehemann, Manager und Zuhälter. Die naive Lovelace übernimmt freudig ihre neue Identität, entdeckt aber bald die dunklen Seiten ihres Ehemanns und der Sexindustrie. Wie schon Inside Deep Throat von Randy Barbato und Fenton Bailey im Panorama 2005 behandelt Lovelace von den beiden Oscar-Preisträgern Rob Epstein und Jeffrey Friedman die Themen Porno-Business, Drogen, Ausbeutung, Sex und Verrat und zeigt Entdeckung, Aufstieg und Fall eines Pornostars.
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