KRITIK

Lost River

Bild (c) Tiberius Film.

Bild (c) Tiberius Film.

Ryan Gosling ist es aus dem Kreis der prägenden amerikanischen Schauspieler der letzten Jahre sicherlich am besten gelungen, zwischen anspruchsvollen Rollen in sperrigen Arthouse-Filmen und Auftritten im Mainstream-Kino hin- und herzupendeln. Mit seinem Regiedebüt „Lost River“, 2014 in Cannes ausgebuht, wollte er selbst Kunst produzieren. Das ging nicht so richtig gut. Wenn man von einer Story sprechen möchte, geht sie so: In einer von der Wirtschaftskrise gebeutelten, postapokalyptisch vor sich hinrottenden Ruinenstadt (gedreht wurde passenderweise in Detroit) zittert eine alleinerziehende Mutter („Mad Men“-Star Christina Hendricks) um ihr hypothekenbelastetes Haus.

Von einem dubiosen Banker lässt sie sich zu makabren Auftritten in einem Fetischschuppen hinreißen. Derweil klaut ihr Sohn Bones (Iain De Cae­stecker, „Agents of Shield“) Elektroschrott aus leeren Häusern und gerät dabei mit dem bizarren Gangster Bully (Matt Smith, „Doctor Who“) aneinander. Dann wäre da noch die Nachbarstochter und das Geheimnis einer im Stausee versunkenen Stadt.

Szene_lost_river_filmGosling inszeniert das als märchenhaft grundierten Mystery-Thriller, bildmächtig und bedeutungsschwanger, vor allem aber als schickes Zitate-Sammelsurium. Besonders machen sich die Einflüsse zweier Regisseure bemerkbar, mit denen er selbst mehrfach drehte: der Sozialrealismus aus Derek Cianfrances „Blue Valentine„, die stilisierten Noir-Abgründe und fiebrigen Schockmomente aus Nicolas Winding Refns „Drive“ und „Only God Forgives„. Außerdem lugt jederzeit der kunstvoll künstliche Surrealismus eines David Lynch um die Ecke.

Dieser Beziehungsreichtum ist allerdings auch das große Problem des Films: Eine eigene Stimme findet Gosling nicht. Wer „Blue Velvet“ oder „Twin Peaks“ gesehen hat, für den ist „Lost River“ mehrfach aufgebrüter Kaffee. Viel Atmosphäre, wenig Substanz. Schade.

 

Kritikerspiegel: Lost River



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
4/10 ★★★★☆☆☆☆☆☆ 


Christian Gertz
Nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Sascha Westphal
epd film, WAZ, etc.
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Julius Zunker
kinofans.com
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Durchschnitt
6.5/10 ★★★★★★½☆☆☆ 





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