KRITIK

Lost in Translation

Lost in Translation „What do you do?“ – „I`m not sure yet actually.“ – Dieser Teil des ersten Dialogs zwischen Bob Harris (Bill Murray) und Charlotte (Scarlett Johansson) fasst bereits sehr schön zusammen, woran die Charaktere in Sofia Coppolas Meisterwerk „Lost In Translation“ leiden. Und auch, um was es letztendlich im Film geht.

Bob ist ein Schauspieler mittleren Alters, der anscheinend primär aus Actionfilmen aus den 70ern und 80ern weltweit bekannt ist. Charlotte ist Mitte 20 und hat vor kurzem die Universität hinter sich gebracht. Bob ist seit 25 Jahren verheiratet und hat zwei Kinder, Charlotte ist erst seit zwei Jahren im Hafen der Ehe. Zwei Personen, die, oberflächlich betrachtet, nicht viel gemeinsam haben, treffen im modernen Tokio aufeinander, umgeben von einer Kultur und einer Sprache, die sie nicht verstehen und die die beiden nicht versteht. Der Schauspieler beschwert sich darüber, dass er momentan in der Großstadt einen Whiskey-Werbespott dreht anstatt eine anspruchsvolle Rolle am Theater zu spielen während Charlotte darunter leidet, nicht zu wissen, wie ihr Leben nun, nachdem sie in Philosophie diplomiert hat und seit kurzem verheiratet ist, weitergehen soll. Man kann ihre Situation kurz und bündig umschreiben: Midlife-Crisis trifft auf Startinglife-Crisis.

Die beiden kommen sich auf einer rein freundschaftlichen Ebene trotz eines Altersunterschiedes von ungefähr 30 Jahren und unterschiedlichen Lebenserfahrungen immer näher. Sie hören sich gegenseitig zu und haben jeweils nicht nur einen Freund, sondern auch eine intime Bezugsperson getroffen, die sie versteht während die beiden von einer Welt umgeben sind, die auf ihre Probleme nicht einmal eingeht. Auf gemeinsamer Erlebnistour durch Tokio ein paar Tage lang unterwegs treffen sie nicht nur auf verschiedene Menschen einer fremden Kultur, sondern finden sich auch in gewisser Weise selbst. Dass Charlotte und Bob am Ende des Films all ihre Krisen überwunden und alle Antworten auf ihre Fragen gefunden haben, kann man nicht behaupten. Aber bestimmt ist ihnen nun einiges klarer und auch wenn ihre Begegnung nur wenige Tage gedauert hat, werden sie diese bestimmt niemals vergessen.

Und dies kann man auch über den Film „Lost In Translation“ behaupten. Mit einem Vater namens Francis Ford Coppola sind die Erwartungen in die junge Regisseurin automatisch groß. Dass Sofia Coppola, die auch das Drehbuch zu „Lost In Translation“ geschrieben hat, ihren eigenen Stil hat, ist seit ihrem Regiedebüt „The Virgin Suicides“ klar. Mit ihrem zweiten Film hat sie jedoch eine Reife und Brillianz bewiesen, die nur wenige Filmemacher heutzutage haben.

Ihr Drehbuch, welches sie in angeblich nur 17 Tagen geschrieben hat, überzeugt durch wunderschöne Dialoge, die immer nur die nötigsten Informationen über die Charaktere und ihre Situation preisgeben. Ihre Inszenierung ist sehr subtil; sie lässt die Stadt Tokio für sich selbst sprechen. Ihren Kameramann Lance Acord bei einem Lob für den Look und die Atmosphäre des Films nicht zu erwähnen, wäre in gewisser weise respektlos: Vor allem das „Feeling“ der Großstadt bei Nacht wurde so gut eingefangen wie selten zuvor.
Bill Murray, der nach jahrelanger filmischer Tätigkeit für seine Darstellung des Bob Harris endlich zum ersten Mal für den Oscar nominiert wurde, liefert ohne Zweifel die beste Performance seiner Karriere ab. Laut Sofia Coppola war Murray ihre Muse und sich jemand anderen als männliche Hauptrolle in diesem Film vorzustellen ist schlicht unmöglich. Leading Lady Scarlett Johansson hat mit diesem Film ihren Durchbruch gefeiert und ihr gebührt ebenfalls jedes nur erdenkliches Lob. Die beiden charismatischen Schauspieler interagieren perfekt und erwecken Sofia Coppolas ohnehin schon wunderschöne Dialoge zu wahrem Leben.

Auch müssen ganz besonders die Nebendarsteller erwähnt werden. Auch hier stellt man fest, dass Giovanni Ribisi, der Charlottes Ehemann, einen erfolgreichen Fotografen, spielt zuvor nie besser war. Anna Farris spielt einen Hollywoodstar auf Promotiontour in Japan und beweist, dass sie zu viel mehr fähig ist als ihr bis dahin mit den „Scary Movie“ Filmen zugetraut wurde.

In einer Filmkritik über einen Sofia Coppola Film nicht die Musik zu erwähnen erweist sich als quasi unmöglich: Verschiedenste Künstler, darunter Death in Vegas und Kevin Shields, verleihen durch ihre elektronische Musik dem Film einen signifikanten Touch und kreieren somit einen tollen Soundtrack.

Egal worüber man spricht, über „Lost In Translation“ nicht zu schwärmen fällt einem schwer. Und man sollte darauf auch nicht verzichten, denn dieser ursprünglich sehr kleine, weil niedrig budgetierte Film ist ein Juwel der modernen Kinogeschichte!



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INHALT

Der alternde US-amerikanische Filmstar Bob Harris reist für eine Woche nach Tokio, um dort seine schwindende Popularität für eine Whisky-Werbung zur Verfügung zu stellen. In der Hotelbar trifft er die Amerikanerin Charlotte, die junge Ehefrau eines angesagten Fotografen. Ohne sich einander vorzustellen, beginnen die beiden Nacht für Nacht in ihrem Hotel und auf den Straßen der Metropole gemeinsam zu verbringen. Sie führen Gespräche über das Leben, die Ehe und die Zukunft und beginnen so eine intensive Freundschaft, die aber nur von kurzer Dauer sein wird.

Die platonische Freundschaft nimmt erst Schaden durch Bobs One Night Stand mit einer Sängerin. Charlotte wird am Morgen darauf mit dieser Situation konfrontiert und reagiert zunächst enttäuscht. Erst bei einem Feueralarm im Hotel versöhnen sie sich wieder, als Charlotte ihm erzählt, dass sie ihn vermissen wird.

Als Bob am nächsten Morgen abreist, sieht er Charlotte noch auf dem Weg zum Flughafen in einer belebten Straße. Er läuft zu ihr und sie umarmen sich. Bob flüstert der weinenden Charlotte etwas ins Ohr und küsst sie.


(Quelle: Wikipedia.de)
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