KRITIK

London Boulevard

Plakat zum Film London Boulevard„You don’t want me to be a gangster. Nobody want’s me to be a gangster, ‚cause I could not stop if I started.“ – Scriptwriter William Monahan („The Departed – Unter Feinden“) ist als Regisseur bisher eher weniger in Erscheinung getreten.  Allerdings stellte er für Martin Scorseses „Opus Magnum“ bereits anno 2007 eindeutig unter Beweis, dass er ein tolles Gespür für die leinwandtauglichen Crime- und Verliererpossen verschiedener sozialer Brennpunkte, inklusive konsequentem, logisch-dramatischem Abschluss besizt. Und so ist es auch folgerichtig, dass er sich im Jahre 2011 der Umsetzung von Autor Ken Bruens gleichnamigen Roman „London Boulevard“ annahm, um diese mit ähnlich durchschlagender Wirkung wie bereits „The Departed – Unter Feinden“ zu versehen. Nur ist nicht gleich jeder Autor bei einem Wechsel auf den Regiestuhl mit einem entsprechendem Ausnahmetalent gesegnet, um es ohne Umwege beispielsweise mit einem Meisterregisseur wie Martin Scorsese aufnehmen zu können.

London Boulevard Poster 4 „If I fell in love with you, what would you do about it? Everything…“ – Denn „London Boulevard“  erweist sich zwar als eine  keineswegs schlecht inszenierte, rohe, schmutzige und akzeptabel durchdachte Mixtur aus allerlei Krimi-Sleaze-Versatzstücken, welche durch die rohe Optik und dem britischem Sxities-Beat-Score entsprechendes Lokalkolorit erfährt. Dennoch kommt man in den Genuss eines Vergnügens, das auf Grund der zähen Last der Erzählkonstruktion,  des Fehlens einer höheren Spannungskurve und im Endeffekt nicht ausreichendem, pechschwarzem Humors des öfteren ziemliche Längen aufweist und vor sich hin dümpelt. Die Entscheidung, die einzelnen – auf den ersten Blick erstmal nicht zusammenhängenden – Szenerien in „London Boulevard“  zu Gunsten der länger als 107 Minuten wirkenden Laufzeit aufleben zu lassen, ist gewiss nett gemeint, allerdings erweist sich William Monahans Film in Sachen Dynamik als nicht so erstklassig in Szene gesetzt, wie man es eigentlich von vielen Meisterwerken des Genres bereits gewohnt ist. Die einzelnen Erzählabschnitte wirken zum einen viel zu lang (eventuell sind hier für die Entscheidungen der Verantwortlichen am Schneidetisch ausschlaggebend), zum anderen gibt das generierte Script in 107 Minuten Laufzeit narrativ nicht viel her.

Die Handlung von „London Boulevard“ lässt sich halt in wenigen Sätzen zusammenfassen. Müsste man William Monahans Film entsprechend kategorisieren, würde man zu folgendem Ergebnis gelangen: man hat es nach Sichtung auf Grund vieler narrativer, bekannter Aspekte eher mit einem „Departed Light“ Klon als mit einem eigenständigem Schaffen zu tun, was sich auch in Angesicht des bekannten „Infernal Affairs“-Remakes als etwas ärgerlich für den Betrachter erweist, wobei die gesamte inszenatorische Qualität von „London Boulevard“ sich in einem sehr sehenswerten bis durchschnittlichen Rahmen bewegt. Vor allem der finale Plot ist ganz klar dem großem Scorsese-Thriller-Vorbild entnommen: der Versuch in einer moralisch-rechtlichen Grauzone dem Verbrechen zu entkommen, nach man probiert hat, sich in diesem moralisch zu bewähren, aber daran auf Grund dann doch begangener, unrühmlicher Taten in der Gegenwart daran gescheitert ist, kann nicht funktionieren. Und wird meistens mit dem Tode bestraft, sollte der Ausstieg aus dem Milieu auf Grund bereits kleinster Fehler, etwa der „Nichtbeachtung“ anderer Personen, mißlingen, welche vielleicht noch eine gewisse Rechnung mit jemand anderem und einem persönlich offen haben. Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor, oder?

London Boulevard Poster 2 „You’d be the first to die.“ – Sicherlich macht es auch Freude, der von David Thewlis, Collin Farrel bis hin zu Ray Winstone und Keira Knightley exzellent gecasteten Darstellerriege in Sachen Schauspiel beiwohnen zu dürfen, allerdings setzen genannte Darsteller keine wichtigen Glanzpunkte, sondern wiederholen nur ihre rollentypischen Muster, welche ihnen zu bestimmten Karrierezeiten bereits zu Glanz und Gloria im Schauspiel-Olymp Hollywoods verholfen haben. Keira Knightley gibt mal wieder das typisch zarte und manchmal undurchsichtige Liebchen, Ray Winstone spielt erneut seinen Stiefel als cooler und abgefeimter, bekannter „Drecksack“ der alten Schule herunter, Collin Farrel darf mal wieder den harten mit „Bad Boy“ Attitüde und reiclich Charisma versehenen harten „Brügge“-Hund heraushängen lassen, der sich in typischer Einzelgänger-Manier wieder gegen alle behaupten muß. Den auf Grund der reduzierten, eingefroren wirkenden Mimik langweiligsten Eindruck hingegen hinterlässt Darsteller David Thewlis als Jordan, trotz einer gewissen in der Rolle gespielten, zum heruntergekommenen,  lokalem Ambiente persönlich-passenden Versifftheit. Überzeugend hingegen agiert Anna Friel als schmierige Schwester, „Bitch“ und alkoholsüchtige „Attention Whore“ Briony. Der restliche Cast erweist sich als Staffage und bringt mal etwas mehr (z.B. Ben Chaplin als Billy Norton), und mal etwas weniger dramatische Würze in das ins Leben gerufene, Dank vieler anderer Genrebeiträge bereits bekannte, in „London Boulevard“ auch wieder sichtbare Intrigenspiel.

London Boulevard Poster 3 „I would like to see your sister Mitchell with your permission. Sanjay, it’s a free country!“ – „London Boulevard“ erweist sich im Endeffekt also als hippe, unterhaltsame, mittelmäßig-gräuliche Krimi- und Thrillerstangenkost, welche es zu keiner Zeit mit den gesetzten Genre-Messlatten aufnehmen kann und alsbald in Vergessenheit geraten könnte. Dazu ein kleiner Tip am Rande: Man sollte im Angesicht von „London Boulevard“ und als Genre erforschender Krimi-Freund doch lieber die persönlichen Explotation Antennen ausfahren und sich auch Filme wie „Brügge sehen und sterben“ zwecks der notwendigen Schließung evenuell vorhandener Wissenslücken und  eines qualitativ besseren, ins Leben gerufenen, gemeinsamen Filmeabends anschauen.

 



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