KRITIK

LoLo – Drei ist einer zu viel

Plakat_LoloDie Ausgangsidee Satansbraten stört den Familienfrieden ist im Filmbusiness alles andere als neu. Von Dennis Dugans „So ein Satansbraten“ (1990) mit seinen diversen Ablegern bis zu Laurent Tirards „Les Vacances du Petit Nicolas – Der kleine Nick macht Ferien“ (2014) wurde die Idee bereits auf vielfache Art und Weise durchgespielt … Aber, um nur zwei zu nennen, der Filmfreund dürfte bei intensiverer Untersuchung hier sicherlich noch weitere – und vor allem wesentlich bessere Filme finden, die auf dieser Grundidee basieren. Ersteres weiß auch die französische Schauspielerin und Regisseurin Julie Delpy. Dennoch hat sie für ihr Drehbuch, das sie zusammen mit der jungen Produzentin Eugenie Grandval schrieb, von Canal+ über D8 („Verstehen Sie die Béliers?“) bis hin zu France 2 Cinéma zahlreiche Produktionsfirmen finden können, die ihre bekannte Geschichte mit ihr umsetzen wollten.

Scharf gewürzt mit schlüpfrigen Dialogen schickt nun die Drehbucherfahrene Französin („Before Sunset“, „Before Midnight„, etc.) gleich zu Beginn zwei Freundinnen Anfang 40 auf Eroberungstour. Im Kurzurlaub an der Atlantikküste sucht Violette (Julie Delpy selbst) eigentlich nur ein kurzes Abenteuer mit einem Mann, der „ein bisschen dumm ist aber einen riesigen Schwanz hat“. Und weil Violette blond, schlank, gut verdienend und auch noch Single ist, läuft ihr im schönen Badeort am Atlantik Jean-René (Dany Boon) über den Weg. Der Provinzler, ein gut verdienender Informatiker, will eigentlich nicht so recht zu der kulturinteressierten Mode-Managerin aus Paris passen, jedoch verliebt sich Violett in ihn. Es läuft sogar so gut zwischen den beiden (was man ihnen nicht so recht abnehmen will), dass Jean-René noch vor Jahresende von der Küste nach Paris zieht.

Als Violette ihrem Neuen ihre Wohnung zeigen will, hängt dort überraschend Sohnemann Lolo (Vincent Lacoste) herum, der doch etwas erwachsener ist, als Jean-René angenommen hatte. Obwohl… – Erwachsen? Beim Eintreffen des provinziellen Informatikers macht der selbstbewusste und selbsternannte Künstler noch gute Miene zum verliebten Geturtel der beiden Turteltauben. Insgeheim findet er Muttis neue Flamme jedoch ausgesprochen nervtötend und vor allem extrem unspektakulär. Außerdem macht Jean-Réne ihm die Aufmerksamkeit seiner geliebten Mutter streitig. Was natürlich gar nicht geht. Also beschließt der 18-jährige, seine Mutter davon zu überzeugen, dass der uncoole Informatiker definitiv nicht der Richtige ist – und zwar mit allen fairen und weniger fairen Mitteln.

Szene_LoloDelpy inszeniert diesen nicht immer nachvollziehbaren Schlagabtausch im Stil einer Screwball-Komödie aus den 60ern. Ein Etikett, dass eigentlich zu nett ist, weil Delpys Violett weder charmant noch clever sondern schlichtweg einfach nur snobistisch dumm ist. Während Komik-Experte Dany Boon seine x-te Variation seines durch zahlreiche Komödien („Willkommen bei den Sch´tis„, „Nichts zu verzollen“) bekannten Dackelblicks darbieten darf, und man sich bereits nach 30 Minuten fragen muss, welcher Mann ein deratiges Martyrium wie Jean-René im Film über sich ergehen lassen würde, wird schon wieder die nächste Tür für einen weiteren fiesen Einfall auf- und wieder zugeschlagen.

Zum Glück würzt Miss Delpy dieses filmgewordende Boulevardtheater mit einer großen Portion Selbstironie über die sexuellen Sehn­süchte alternder Großs­tädter, spielt gekonnt typische Klischees (Landvolk gegen Großstädter) gegeneinander aus und lässt sich am Ende nicht als Heldin feiern. Für einen Kinobesuch zu zweit sind diese Zutaten allerdings viel zu belanglos. „LoLo“ ist also eher die Pommes mit scharfer Soße für Zuhause im Vergleich zu einem abwechslungsreichen 3-Gänge-Menü im Lieblingsreataurant.

 

 

Kritikerspiegel Lolo - Drei ist einer zuviel



Frank Brenner
choices, FRESH, etc.
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
4/10 ★★★★☆☆☆☆☆☆ 


Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen findest Du bei uns im Kritikerspiegel.

 



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