KRITIK

LOL – Laughing Out Loud

LOL - Laughing Out Loud Fast 30 Jahre ist her, dass die 13-jährige Vic zum romantischen Kuschelblues in den Armen ihres angebeteten Marc dahinschwebte. Für Sophie Marceau stellte „La Boum – Die Fete“ (1980) und die Fortsetzung „La Boum 2“ den Durchbruch dar. Heute ist die inzwischen 43-jährige eine der beliebtesten französischen Schauspielerinnen und hat es mit ihren Auftritten in „Braveheart“ (1995) und in dem Bond-Sequel „Die Welt ist nicht genug“ (1999) auch zu internationalem Ruhm gebracht. „La Boum“ gilt selbst nach so langer Zeit immer noch als einer der besten Teeniefilme: realistisch ohne Überzeichnung, nahezu kitschfrei und weit weg vom großen Pathos greift er nachvollziehbar und authentisch die Probleme Heranwachsender auf. Und auch heikle Themen, inklusive elterlicher Zwistigkeiten, Trennung, die erste große Liebe und das berüchtigte „erste Mal“ werden den Jugendlichen mit Feingefühl und Finesse serviert.

In Deutschland und Frankreich avancierte die Teenie-Romanze damit zum Kultfilm. Was so erfolgreich war, könnte man meinen, hätte nun eine würdige Neuauflage verdient. Und warum sollte die süße Teenagerin, die inzwischen zu einer wunderschönen juvenilen Diva geworden ist, nicht wieder mit von der Partie sein? Diesmal befindet sie sich in der elterlichen Rolle und darf sich mit den amourösen Hormongewittern ihrer 15-jährigen Filmtochter herumplagen.

Lola (Christa Theret), Lol genannt, lebt in Paris gemeinsam mit ihren Geschwistern bei ihrer Mutter Anne (Sophie Marceau). Anne ist seit einiger Zeit geschieden und trifft sich immer öfter wieder mit ihrem Ex-Mann. Ihre Kinder sollen aber davon nichts mitbekommen. Ihre Älteste Lol hat ohnehin genug mit dem eigenen Liebesleben zu tun: Ihr Freund Arthur (Félix Moati) hatte sie vor den großen Ferien um eine Auszeit gebeten, nun sind diese vorbei, und in der Schule beichtet er, dass in der Zwischenzeit etwas mit einem anderen Mädchen gelaufen ist; mehr als Lol lieb ist. Lol, damit vor den Kopf gestoßen, sagt ihm, sie hätte auch mit einem Jungen geschlafen, was eine Lüge ist: Lol ist noch Jungfrau. Mit solchen Problemen ist an Schule nicht zu denken. Zuhause versteht sie ohnehin niemand mehr und ihre Mutter schläft nicht nur heimlich mit ihrem Vater (was Lol eines Tages mitbekommt), sondern orientiert sich gerade neu und hat ein Auge auf einen feschen Polizisten geworfen. In Lol´s Clique geht es obendrein rund, es werden nicht nur die üblichen Erfahrungen mit Alkohol und Drogen gemacht, zudem dreht sich auch das Beziehungskarussell munter immer schneller: Lol hängt einerseits noch an Arthur, ist aber auch in Mael (Jérémy Kapone) verknallt; dieser traut sich aber nicht, Lols Liebesbekundungen zu erwidern, da Arthur sein bester Freund ist.

Nein, Kult ist anders – und „LOL“ ist nicht das „La Boum“ der Generation Web 2.xx. Allerdings spielen auch hier neuzeitliche Gadgets und Technik-Spielereien eine zentrale Rolle: Es wird nicht mehr kommuniziert wie in den 1980ern, als schmachtende Teens auf ihren Betten lagen und heimlich mit der besten Freundin/dem besten Freund telefonierten, bis ein poltriger Erziehungsberechtigter das Refugium des traumatisierten Teenagers stürmte und ihm/ihr das Telefon wegnahm. Im digitalen Zeitalter geht nichts mehr ohne Handy, Smartphone und Laptop, die zu jeder Zeit über den Äther des Internets miteinander verbunden sind. Die Teens unterhalten sich nur noch in kryptischen Kürzeln, zu dessen Entschlüsselung paläolithische Erwachsene mindestens einen Superrechner aus der Dechiffrierabteilung eines Nachrichtendienstes bräuchten. Die Probleme sind dennoch stets dieselben: Herzschmerz/Liebeskummer, Er/Sie will mich nicht, wie kriege ich Ihn/Sie dazu mich zu wollen, warum verstehen mich meine Eltern nicht und wieso ist die Welt ausgerechnet zu mir so grausam?

Mit dieser Trivialität ist natürlich auch hier, in dieser Teenie-Romantikkomödie zu rechnen. Doch „LOL“ scheint es nicht nötig zu haben, Figuren ins Rennen zu schicken, die halbwegs nach normalen Teens aussehen. Die ganze Lol-Clique sieht aus als wäre sie eben aus einem Jugend-Modejournal gestiegen und einem Promi-Coiffeur vom Stuhl gehüpft. Hier richtet sich der Blick eindeutig nach oben. Im Fokus stehen die Wehwehchen einer privilegierten Pariser Oberschicht und damit reduzieren sich die üblichen Probleme Heranwachsender nicht nur, wie erwartet, aufs Triviale: sie bekommen den faden Beigeschmack von Luxusproblemen verwöhnter Jugendlicher. Das raubt dem Film gehörig viel Sympathie und reduziert ihn auf austauschbare Allerweltskost, die ein wenig an die üblichen Produktionen aus Übersee erinnert. Das konnten die Franzosen früher eindeutig besser.

An Marceau und Theret liegt der Mangel an Sympathie für den Film noch am allerwenigsten. Marceau spielt überzeugend und frisch. Dabei sieht sie so gut aus, dass sie fast als ältere Schwester ihres Filmkindes durchgehen könnte. There, die der jungen Marceau auffallend ähnelt, wird vom Elan der Marceau deutlich mitgerissen, was zumindest ein paar Punkte in der Endabrechnung gutmacht. Zwischendurch entfaltet der Film sogar den politisch inkorrekten Witz, den man an französischen Produktionen schätzt. Zu derartigen seltenen Highlights zählt die Szene, in der Anne, in geselliger Runde, einen Joint herumgehen lässt; während einer der Anwesenden ihr neuer Freund ist – ein Polizist der Drogenfahndung, der schlussendlich natürlich mitraucht. Ein weiterer Höhepunkt des Films ist auch die große Klassenfahrt auf die Insel und die Unterbringung der lebenslustigen französischen Teens bei englischen Gastfamilien, die allesamt wie groteske Karikaturen wirken. Hier werden einige böse Pfeile in Richtung des ungeliebten Nachbarn geschossen.

Immerhin ist „LOL“ kurzweilig; Langweile kommt nicht auf, nicht einmal wenn das Zielgruppenalter längst überschritten ist. Doch mehr als angenehm-flache Unterhaltung kann der Film unterm Strich nicht versprechen und reiht sich damit leider in die Konfektionsabteilung des Genres ein.



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INHALT

Lola - von ihrer Clique kurz nur Lol genannt - hat sich sehr auf den ersten Schultag und das Wiedersehen mit Arthur gefreut. Doch die gute Laune hält nicht lange vor: Arthur hat sie offenbar in den Sommerferien betrogen, ein aufreizendes Blondchen mischt ihre Clique auf, und die neuen Gefühle für Arthurs besten Freund bringen sie zusätzlich durcheinander.

Lols Mutter Anne macht alles noch schlimmer: Wer nicht einmal weiß, was "lol" bedeutet, sich mit dem eigenen Ex zu heimlichen Rendezvous verabredet und obendrein in der Schule von einem Polizisten anmachen lässt, den die Mitschülerinnen alle supercool finden, ist nicht nur unmöglich, sondern total daneben. Anne wiederum fragt sich, was bloß mit ihrer süßen kleinen Tochter passiert ist und warum sie nicht mehr mit ihr reden kann. Wo eben noch schönste Vertrautheit war, herrscht jetzt das reine Chaos.
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Eure Kritiken zu LOL – Laughing Out Loud

  1. Cassy92

    Ich kann die Kritik nicht ganz verstehen. Die Jungs waren so süß. Vor allem Jérémy Kapone ist ein toller Schauspieler. Werde mir den Fiklm nochmal anschauen.

  2. Tajo14

    Ich Stimme Cassey92 zu, ich finde ide Kritik auch überzogen denn alles in allem ist LoL ein gelungener Film über die Probleme und Verschiedenheiten der Familien von Jugendlichen.

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