KRITIK

Lizenz zum Heiraten

Lizenz zum Heiraten Nach dem riesigen Kassenerfolg von PASSION OF CHRIST ist es längst bis nach Hollywood durchgedrungen, dass die Katholiken, die sog. Evangelikalen und sonst wie religiös gefestigten Menschen in den amerikanischen Flächenstaaten zwischen den Küsten ein durchaus zahlungskräftiges Publikum sind. Frei nach dem amerikanischen Motto „Wo ein Markt ist, ist auch ein Dollar zu verdienen, wird seitdem verstärkt dieses Publikumssegment angesprochen. Negativbeispiel für Hollywoods Feldzug war wohl EVAN ALLMIGHTY, mit dem man zudem die linksliberalen Umweltschützer ins Kino holen wollte.

Um aber nicht noch einmal ein ähnliches finanzielles Desaster zu erleben, wurde für diesen Film Erfolgsgarant Robin Williams verpflichtet, der diesmal den konservativen Pater Frank verkörpert. Der Ansatz der Verantwortlichen ist hier jedoch nicht der der Harvard-Kopf-gesteuerten Gottes- und Kirchenkritik a là SIMPSONS, sondern vielmehr ein Gottestreuer Ansatz ganz im Sinne einer religiös gefestigten US-Mittelschicht. Für Williams nach dem DAUERCAMPER im vergangenen Jahr nun also die Lizenz zum Heiraten. Und Williams sei Dank, werden die vielen „abgeschliffenen“ Drehbuchvolten durchaus noch auf ein erträgliches Niveau gebracht. Der Rest der Geschichte läuft so nebenher. Schade, dass Mandy Moore nicht so aufspielen darf wie einst in AMERICAN DREAMZ. Nach dem „Frauenfilm“ VON FRAU ZU FRAU mit Diane Keaton eine weitere vergebene Chance für die talentierte Mandy Moore.

Kann sich das „Bodenpersonal“ der Kirchen hierzulande eine Anregung aus dem Film für ihren Kirchenalltag holen? Wohl kaum. Die klerikale Ansprache an die jugendliche Zielgruppe wirkt hier doch eher abschreckend, denn Williams spitze Bemerkungen treffen bis ins Mark. Die Opfer, das junge Paar Sadie (Mandy Moore) und Ben (John Krasinski), reagieren überraschungsarm und gezwungen sympathisch. Der hauchdünne rote „Boy meets Girl“ Faden durchläuft einige Windungen, bis er schließlich am erwarteten Happy End sein unspektakuläres Ende findet. Dabei wird die junge Mandy Moore hier wieder einmal wenig gefordert, Robin Williams spielt sich in den Vordergrund und lässt wenig Spielraum für die Nebendarsteller. Diese sind zugegeben einsrucksvoll besetzt (mit u.a. Serien-Altmeister Peter Strauss), setzen aber nur wenige Glanzlichter.

Gut, dass der Film nur eine Spielfilmdauer von 90 Minuten hat. Diese sind für diese Robin-Williams-Show leicht zu überstehen. Bei der späteren Fernsehverwertung wird diese unspektakuläre Dutzendware an einem Sonntag auf einem Kommerzkanal durch zahlreiche Werbepausen unterbrochen und auch da wird beim Publikum außer ein paar Lachern nur wenig hängen bleiben.



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INHALT

Sadie will Ben heiraten, schnell und mit dem Segen von Lieblingspastor Frank. Doch dafür muss das Paar Franks Ehevorbereitungskurs absolvieren, in Rollenspielen streiten lernen, Kinderpflege mit Hi-Tech-Puppen und sich selbst in sexueller Enthaltsamkeit üben. Je länger der Test dauert, desto weiter entfernen sich die Liebenden voneinander. Doch Pastor Frank glaubt an den Herrn und an die eigene Strategie.
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