KRITIK

Live by Night

Bild (c) 2017 Warner Bros. Pictures. Als Schauspieler wurde Ben Affleck häufig kritisiert, als Regisseur von hochgelobten Werken wie „Argo“ hat er sich längst einen Namen gemacht. Mit seinem Film „Live by Night“ scheint er sich mit den großen Gangster-Epen messen zu wollen.

„Live by Night“ orientiert sich am gleichnamigen Roman von Dennis Lehane, der bereits die literarische Vorlage für „Shutter Island“ und Afflecks Erfolgs-Thriller „Gone Baby Gone“ geschaffen hat. „Live by Night“ spielt zur Zeit der Prohibition, als das strikte Alkoholverbot in den USA Kriminellen den Weg zum großen Geschäft geebnet hat. Der Kriegsveteran Joe Coughlin, gespielt von Ben Affleck selbst, wendet sich von seinem Elternhaus ab und hält sich mit kleineren Überfällen über Wasser. Bis ihn der Mafia-Boss White (Robert Glenister) unter seine Fittiche nimmt, in dessen Geliebte Emma (Sienna Miller) er sich verliebt. Diese Affäre führt ihn in den Knast und anschließend von Boston nach Florida, wo er zu einem mächtigen Boss im Alkoholschmuggel avanciert.

Stimmungsvoll erweckt Ben Affleck die Zeit der Roaring Twenties zum Leben, eine Zeit, die berühmte Gangster wie Al Capone hervorgebracht hat. Sicherlich hatte Affleck mit seinem Zeitspiegelbild ein ähnliches Porträt auch mit seinem Protagonisten Joe Coughlin im Sinn, was ihm jedoch kaum gelingt. Das liegt in erster Linie am schwachen Darsteller. Eigentlich hätte Leonardo DiCaprio die Rolle des Joe Coughlin übernehmen sollen, doch so agiert Affleck wie immer deutlich weniger erfolgreich vor als hinter der Kamera. Sämtliche Nebendarsteller, wie Brendan Gleeson als Vater Joes, spielen ihn gegen die Wand, was die Empathie mit der Hauptfigur schwierig macht. Die angedeutete Vielschichtigkeit des Gangsters, der hinter seiner Fassade ein gutes Herz und einen Sinn für Gerechtigkeit hat, kommt kaum an.

Doch Afflecks überambitionierte Ziele zeigen sich auch in seinem Versuch, möglichst viel Stoff in dem Film unterzubringen. So hetzt der tragische Held von einem Ereignis zum nächsten und die Prohibition an sich scheint als Thema nicht zu reichen, so will Affleck auch noch andere soziale Probleme wie den Rassismus in seiner Geschichte unterbringen. All das wirkt wie der letztendlich gescheiterte Versuch, einen ähnlich legendären Gangsterfilm wie „Der Pate“ oder „Scarface“ und zugleich ein sozialkritisches Drama wie vielleicht „Die Farbe Lila“ auf die Leinwand zu bringen, was Affleck jedoch nicht gelingt.

Somit ist „Live by Night“ ein mit Sicherheit schön inszenierter Film mit gutem Unterhaltungswert, jedoch auch nicht mehr.

 

 

 

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