KRITIK

Little Miss Sunshine

Little Miss Sunshine Heile Familie – das klingt wie ewige Jugend oder ehrliche Politik. Eine nette Utopie. Aber vergiss es! Sicher, gerade in Hollywood hält man sich seit jeher nicht zurück, wenn es um die Feier der Familienwerte geht und dreht Filme, in denen die Geister der Waltons sich Gute Nacht sagen. Genauso aber stammen aus den USA auch immer die witzigsten und scharfsichtigsten Zertrümmerer dieses zuckerwattigen Vulgär-Mythos. Die Schöpfer der „Simpsons“ zum Beispiel. Oder auch Jonathan Dayton und Valerie Faris, deren Independent-Komödie „Little Miss Sunshine“ ein ganz bezaubernd schiefes Loblieb auf den Charme des Scheiterns anstimmt.

Die Familie Hoover ist eine Ansammlung dringend therapiebedürftiger Neurotiker. Die Lebenslügen liegen so blank wie die Nerven. Vater Richard hausiert als Selfmade-Mann mit einem 9-Punkte-Programm („Refuse to lose“) zum Erfolg, lockt damit allerdings keinen Hund hinter dem Ofen hervor.

Mutter Sheryl (Toni Collette) ist ständig überfordert, knallt der Familie zum Abendessen einen Eimer frittierter Hähnchenflügel auf den Tisch und kann das Rauchen nicht lassen. Ihr schwuler Bruder Frank, Proust-Experte ohne akademische Weihen, zerfließt vor Liebeskummer und hat gerade einen Suizidversuch hinter sich. Sohn Dwayne liest Nietzsche, hat ein Schweigegelübde abgelegt und strebt eine Karriere bei der Air Force an. Tochter Olive schließlich, eine bebrillte, pummelige und aufgeweckte 7-Jährige, träumt davon, die Schönheits-Konkurrenz der „Little Miss Sunshine“ im fernen Kalifornien zu gewinnen. Doch weil Papa Richard (Greg Kinnear) sein eigenes Credo ernst nehmen muss, wonach man alles schaffen kann, wenn man nur will, macht die Familie sich im klapprigen VW-Bus auf die Reise.

Dayton und Faris überziehen diesen sinnbildlichen Trip ihrer normal kaputten Familie dabei nie in die Karikatur, sondern erzählen auf denkbar ironische und auch berührende Weise vom Irrsinn einer Wettbewerbsgesellschaft, in der die Verlierer die verschämte Mehrheit stellen. Sie gestatten es ihren Hoovers sogar, sich lächerlich zu machen. Und keine Gewinner zu werden.

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INHALT

Die siebenjährige Olive träumt davon, "Little Miss Sunshine" zu werden. Als sie zu dieser Young-Miss-Wahl eingeladen wird, begleitet sie ihre ganze Familie nach Kalifornien. Obwohl der Weg von Katastrophen und die Familie von Problemen gezeichnet ist, schweißt der Roadtrip den Chaosclan zusammen, als die kleine, pummelige Außenseiterin beim Wettbewerb auf gedrillte und gestylte Albtraumkids trifft.
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Eure Kritiken zu Little Miss Sunshine

  1. PeterPan

    Der Film ist meiner Meinung nach absolut sehenswert: eine witzige Auseinandersetzung mit dem American Dream in all seinen Facetten. Und der Schluss des Films ist der absolutte Brüller!

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