Eine Romanze als intellektuelle Delikatesse. Was ist das Original? Die Porträtierte, das Porträt oder die Kopie? Abbas Kiarostami (“Der Geschmack der Kirsche”, 1997) gilt immer noch als wichtigster Filmemacher Irans. Wenn nun gerade er – im italienischen Ausland – einen Film über das Verhältnis von Kopie und Original dreht, über falsches und echtes Leben, kann man darin getrost auch einen Kommentar über die künstlerischen Produktionsbedingungen in seiner Heimat lesen.
Über die Verfremdungsstrategien, die sich Künstler dort zunutze machen müssen. Vor diesem Hintergrund erscheint die simple Geschichte dieses Films abgründiger: Da trifft eine Antiquitätenhändlerin (Darstellerpreis 2011 in Cannes: Juliette Binoche) auf einen englischen Autor (ein Opernbariton: William Shimell), der ein Buch darüber geschrieben hat, dass ihm die Kopie genau so lieb ist wie das Original.
Gemeinsam plänkeln sie durch die Toskana, wirken frisch verliebt. Dann kippt der Film, und beide benehmen sich, als seien sie 15 Jahre verheiratet.
Juliette Binoche und William Shimell machen die pittoreske toskanische Landschaft zu einem Raum des Zweifels – Zweifel an der Echtheit von Liebe, Leben und Kunst. Wie schön, eine Romanze, ein magisches Beziehungsporträt als intellektuelle Delikatesse: Spielt ein Original-Paar die eigene Kopie, oder tut die Kopie bloß so, als sei sie echt? Dank der Sensibilität der Inszenierung für feinste Zwischentöne und hervorragender Hauptdarsteller entsteht eine schwebende, facettenreiche Reflexion über Leben, Liebe und Kunst. Schade nur, dass in den meisten Kinos nicht das dreisprachige Original gezeigt wird. Sehenswert.








ich habe das dreisprachige original gestern auf DVD geschaut, französisch und italienisch mit englischem UT, was mir half
sehr spannender dialogfilm bei dem man immer wieder überrascht wird von den stimmungswechseln … und juliette binoche hat den preis letztes jahr ja sowas von verdient, unfassbar, wie sie das mit den sprachen und den irgendwie auch dazugehörigen mentalitäten umsetzt!