KRITIK

Liebenden des Polarkreises, Die

Liebenden des Polarkreises, Die Oft sind es die kleinen Filme, die innerhalb eines eigenständigen Genres einen neuen Weg finden. Für das Drama, das sich schon viel zu lange auf ausgetretenen Pfaden bewegt, wirkt dieser Film geradezu wie eine Frischzellenkur. Ein Film, der nichts Neues erzählt und doch anders ist. Es geht um zwei Personen, die große Liebe des Lebens, Schicksalsschläge und Zufälle. All das hat es auf der Leinwand schon gegeben. Aber Regisseur Julio Medem, der mit „Die Liebenden“ seine vierte Regiearbeit vorlegt, geht einen Schritt weiter. Sein Film stellt fortwährend die Frage nach Zufall, Schicksal oder Notwendigkeit. Hierfür benutzt er ein großes Puzzlespiel voller Einzelteile, die sich nach und nach zusammensetzen lassen. Medem, ein großer Bruder von Tom Tykwer (Lola rennt) könnte man meinen. Waren es bei Tykwer drei Abläufe durch unterschiedliche Schicksalsschläge, gebraucht Medem diese als Bindeglied zwischen vielen kleinen Geschichten, die den Weg einer großer Liebe beschrieben. Am Anfang werden dem Zuschauer zwei Puzzlestücke gezeigt, die als Synonyme für den ganzen Film stehen: Ein Flugzeug im Schnee und zwei aufgerissene Augen, in denen sich ein Männergesicht spiegelt. Das Flugzeug übernimmt mehrere Funktionen: Zum ersten möchte der Hauptdarsteller Pilot werden wie sein Großvater, dessen schicksalhafte Begegnung mit einem deutschen Piloten in einer Traumsequenz geschildert wird. Zum zweiten fungiert es als Transportmittel für eine Geschichte, die in der zweiten Hälfte abzuheben scheint, um sich an den Polarkreis zu begeben. Die aufgerissenen Augen hingegen bilden den Rahmen, sie fokussieren das herannahende, unweigerliche Schicksal; denn eines scheint von Anfang an gewiss: eine solch‘ große Liebe muss einfach tragisch enden. Bis es soweit ist, stellt Medem für den beeindruckten Zuschauer weitere Puzzlestücke auf verschiedenen Zeitebenen zusammen, um das Bild zu vervollkommnen und die einzelnen Schicksalswendungen geschickt ineinander zu verweben. Am Ende kommt es, wie es kommen muss. Das fertige Bild erscheint als Ganzes, die Geschichte fügt sich zusammen und ohne zu übertreiben, es/sie geht tief unter die Haut. Ein Bild, das sicherlich auf ausgetretenen Pfaden neue Wege aufzeigt und ein Film, der das Leben verändern kann. Herausragend! Christian Gertz



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INHALT

Zwei Menschen finden sich, verlieben sich. Sie verlieren sich und finden wieder zusammen. Die beiden Menschen heißen Otto und Ana. Zwei Namen, Palindrome genannt, die sich vorwärts wie rückwärts lesen lassen. Bereits im jungen Kindesalter begegnen sie sich zum ersten Mal. Der schüchterne Otto weiß sofort, dass Ana etwas besonderes ist. Die selbstbewusste Ana aber sieht in Otto zunächst nur ihren verstorbenen Vater. Durch einen gelungenen Schachzug gelingt es ihr die jeweiligen Elternteile zusammen zu bringen. Aus einer flüchtigen Bekanntschaft entsteht eine Ehe. Otto ist nun Anas Stiefbruder. Doch ihre Liebe bleibt bestehen, auch im Schatten des Verbotenen. Als Ottos geliebte Mutter stirbt, zerbricht der Sohn fast an seinen Schuldgefühlen. Er verläßt die heimische Idylle und läßt sich zum Piloten ausbilden, genau wie sein Großvater. Ana ergreift den Beruf der Lehrerin. Die Jahre ziehen ins Land. Als sie eines Tages im Haus des Großvaters, das in der finnischen Stadt Rovaniemi am Polarkreis liegt, Urlaub machen will, spürt sie, dass sie von ihrer großen Liebe gar nicht mehr weit entfernt ist.
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Eure Kritiken zu Liebenden des Polarkreises, Die

  1. Batgirl

    HerzzereißendEin Film, der unter die Haut geht – keine einfache Kost

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