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Liebe zu Besuch

Plakat zum Film Liebe zu Besuch mit Hauptdarstellerin Reese Witherspoon im roten Kleid.

Bild (c) 2017 Splendid Filmverleih.

Nancy Meyers ist als Autorin und Regisseurin von locker-luftigen Komödien wie „Was Frauen wollen„, „Was das Herz begehrt“ und „Man lernt nie aus“ bekannt. In diesen durften vermeintlich gestandene Männer wie Mel Gibson, Jack Nicholson und Robert De Niro ihr „Harter Kerl“-Image mit Hilfe von mindestens ebenso gestandenen Frauen wie Helen Hunt, Diane Keaton und Anne Hathaway unterwandern. Nun traut sich ihre Tochter Halle Meyers-Shyer mit ihrem Drehbuch- und Regiedebüt auf den Hollywoodmarkt. Es ist ein Debüt, das noch wesentlich lockerer und leichter daherkommt als die Vorlagen ihrer Mutter. Wenn das überhaupt möglich ist.

Alice Kinney (Reese Witherspoon) hat zwei kleine Töchter. Sie hat sich kürzlich von ihrem Ehemann, dem Musikmanager Austen (Michael Sheen) getrennt und zieht in das Haus ihres verstorbenen Vaters, ein ehemals berühmter Hollywood-Regisseur, ein. Hier möchte sie sich ein neues Leben als Innenarchitektin aufbauen. Auf einer feuchtfröhlichen Geburtstagsparty lernt sie Harry (Pico Alexander), Teddy (Nat Wolff) und George (Jon Rudnitsky) kennen. Das junge Trio ist gerade erst mit einem preisgekrönten Kurzfilm in Los Angeles angekommen, um sich die große Hollywood-Karriere aufzubauen.

Teddy ist Schauspieler, der beste seiner Generation, wie später im Film ohne jede Bescheidenheit deklariert wird. Harry ist ein Drehbuchautor, der das seltene Problem hat, dass er sich in Hollywood vor Jobangeboten kaum noch retten kann. Harry hat zwar als Regisseur weniger Glück, schlittert aber immerhin in eine Affäre mit Alice. Aus reiner Herzensgüte und weil sie so toll mit den beiden Töchtern klarkommen, lässt Alice die drei abgebrannten Künstler in ihrem Poolhaus wohnen. Damit gerät die Dynamik jedoch schnell durcheinander.

Szene aus dem Film Liebe zu Besuch mit Hauptdarstellerin Reese Witherspoon und Nebendarsteller Natt Wolff im Gespräch. Wer jetzt an Gender-Klischees, amouröse Verwicklungen oder tiefgründige Gespräche denkt, liegt komplett falsch. Der Film klammert im Fortlauf jegliche dramatische Fallhöhe aus. Regisseurin und Drehbuchautorin Meyers-Shyers gönnt ihren Figuren bestenfalls lapidare und banale Probleme, mit denen sich wohl niemand unter einem gewissen Kontostand identifizieren kann: Zwar steht die alleinerziehende Mutter anfangs vor einem Scherbenhaufen, was aber kein großes Problem darstellt, wenn die Villa des Vaters als Zufluchtsort zur Verfügung steht. Für die Karriere als Innenarchitektin benötigt Alice scheinbar keinerlei Erfahrungen, sondern lediglich eine funktionierende Webseite. Selbst die ein bis zwei albernen Probleme, die ihr in den Weg gelegt werden, sind mit ein paar Szenen-Montagen mit Musikunterlegung schnell gelöst – ein Regiestilmittel, das Meyers-Shyers so oft in einer Laufzeit von 97 Minuten einsetzt, dass der Eindruck entsteht, sie hätte selbst kein Vertrauen in die eigenen Figuren, Dialoge oder den hanebüchenen Plot.

Auch das mittellose aber immer großartig angezogene Jungs-Trio, das bei ihr letztendlich einzieht, ist so unerträglich glattgebügelt, dass es fast schwer fällt die drei auseinanderzuhalten. Hollywood zu erobern, ist für die Drei ebenfalls kein Problem. Zwar rennen sie empört aus dem ein oder anderen essentiellen Meeting, weil ihre vermeintliche künstlerische Integrität mal wieder auf dem Spiel steht (von der im Film selbst allerdings nicht viel zu sehen ist), aber der nächste Job, das nächste schicke Apartment und der nächste Erfolg warten schon an der nächsten Ecke. Das ist eben Hollywood!

Szene aus dem Film Liebe zu Besuch mit den männlichen Nebendarstellern am Konferenztisch. „Nancy Meyers, aber mehr!“ oder „noch mehr La La als in ‚La La Land‘“ könnten die Mottos dieser zahmen und größtenteils wenig komischen Komödie lauten. Ein Film, der in einer schwer zu ertragenen, privilegierten Filterblase lebt. Das einzige, was hier zum Lachen ist, ist, wie wenig der Film sich dessen bewusst zu sein scheint „Liebe zu Besuch“ wirkt in diesem Sinne fast schon wie eine unfreiwillige Hollywood-Satire.

Es gibt gegen einen leichten und simplen Film-Eskapismus ja im Grunde nichts einzuwenden und natürlich können auch privilegiertere Gesellschaftsschichten so ihre Probleme haben. Selbst Nancy Meyers kann ihre meist reichen und schönen Figuren größtenteils noch menschlich erscheinen lassen, so dass es fast jeder Zuschauer genießen kann. Ihrer Tochter allerdings scheint ein weit weniger dankbarer Blick auf ihre Umgebung mit in die Wiege gelegt worden zu sein.

 



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