KRITIK

Liebe und andere Verbrechen

Liebe und andere Verbrechen Hier leben? Nein Danke. Neu-Belgrad ist die Plattenbau-Vorstadt der serbischen Hauptstadt, heruntergekommener Tummelplatz halbseidener Gangsterclans, die sich mit ihren Schutzgelderpressungs-Machenschaften gegenseitig befehden. Einer der Bosse, Milutin, ist selbst eine arme, kränkliche Seele. Seine junge Geliebte Anica (Anica Dobra) hat genug. Sie will weg, in den Westen, – und vorher an seinen Safe.

Milutins Handlanger, der Hobby-Magier Stanislav (stark: Vuk Kostic), ist seit Jugendtagen in Anica verliebt und sucht sich ausgerechnet ihren Fluchttag aus, um ihr seine Liebe zu gestehen. Lässt sie sich abhalten? Der abgeranzte, dekorativ von Regen und Schnee bestäubte Schauplatz lässt ebenso wie das von suizidalen Teenagermädchen, in Traumwelten vegetierenden Ex-Sängerinnen und allerlei trostlosen Gernegroßen bevölkerte Personal des Films deprimierenden Sozialrealismus in postkommunistischer Tristesse erahnen. Doch Regisseur Stefan Arsinijevic, selbst aus Belgrad, schrammt daran vorbei, indem er immer wieder poetische, mitunter fast surreale Momente und Bilder in die rasende Stillstandsmär einflicht – und damit beweist, dass man dem serbischen Jetztzustand filmisch auch jenseits des folkloristischen Kusturica-Universums beikommen kann. Sehenswert.



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INHALT

Anica wohnt in Neu-Belgrad, einem tristen Stadtteil aus Hochhäusern und Beton. Sie ist die Geliebte von Milutin, einem einflussreichen Kriminellen im Viertel, der ein Solarium besitzt und von Schutzgeldern lebt. Anica weiß, dass sie hier nicht alt werden will. Weder die Liebe noch das Leben bieten eine Zukunft. Es ist ein grauer Wintertag und Anica hat einen Plan: Mit dem Geld aus Milutins Safe will sie abends in ein Flugzeug steigen, um das Land für immer zu verlassen.

Der Film erzählt diesen einen und alles entscheidenden Tag, denn am Abend wird nichts mehr so sein wie am Morgen zuvor. Anica verabschiedet sich von ihren Freunden und Verwandten mit kleinen Geschenken und Gesten, ohne dass diese ihren endgültigen Aufbruch bemerken sollen. Sie will einen perfekten Abschied von ihrem unperfekten Leben. Aber der Tag ist voller Überraschungen. Stanislav, ein junger Mann aus Anicas Nachbarschaft, arbeitet auch für Milutin. Er lebt nicht ungefährlich. Trotzdem ist er die gute Seele in seinem Viertel, kümmert sich um seine alternde Mutter und um Ivana, die autistische Tochter von Milutin.

Stanislav liebt Anica, schon als Kind hat er sich in sie verliebt, und er spürt ihr Vorhaben, zu gehen. Aus Angst, sie zu verlieren, setzt er aufs Ganze und gesteht ihr an diesem Tag zum ersten Mal seine Liebe. Anica ist überrumpelt, trotzdem lässt sie es zu, dass Stanislav sie bei ihren kleinen Abschieden begleitet. Im Laufe des Tages kommen sich die Beiden immer näher und Anica erwidert seine Gefühle. Ihr Plan gerät ins Wanken. Gibt es vielleicht doch eine gemeinsame Zukunft in Serbien oder wird Stanislav sie begleiten? Bis zum Abend müssen sich beide entscheiden.
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