KRITIK

Liebe Mauer

Liebe Mauer In Berlin ist von dem berüchtigten Betonbauwerk, das die Inzwischen-Wieder-Hauptstadt 28 Jahre lang durchschnitt, bekanntlich nicht mehr viel übrig. Wenn man dort also eine im Jahr 1989 angesiedelte Liebesgeschichte drehen will, die sich im unmittelbarsten Sinne direkt an der Mauer zuträgt, muss man ausweichen.

Peter Timm, der zuletzt „Rennschwein Rudi Rüssel 2“ drehte und direkt nach der Wende mit „Go Trabi Go“ den Grundpfeiler aller späteren ostalgie-satirischen Filmversuche in Zelluloid meißelte, hat die „Liebe Mauer“ deshalb jetzt in Halle an der Saale als Kulisse wieder aufgebaut. Merkt man aber kaum. Auch seine Liebesgeschichte fällt nicht aus dem Rahmen: Da verliebt sich die kecke Studentin Franzi, deren Billigwohnung direkt an der Kreuzberger Mauerseite liegt, in den leicht verdrucksten DDR-Grenzpolizisten Sascha vom Wachturm gegenüber. Gemeinsam macht man sich, argwöhnisch beäugt von der Stasi, romantische Tage am Prenzlauer Berg. Felicitas Woll („Berlin, Berlin“) und Maxim Mehmet („Männerherzen“) spielen das locker runter. Auch sie fallen nicht weiter auf und ihr Schauspiel auch nicht sehr ins Gewicht.

Bemerkenswerter sind da schon die Typen um sie herum: Anna Fischer etwa, die, obgleich Ur-Berlinerin, ungehemmt herumsächselt als Saschas Freundin namens Uschi, oder der bärige Thomas Thieme: Er droht und dräut als Stasi-Funktionär. Wieder einmal muss man da einmal mehr seufzen.

Es wird über die Merkwürdigkeiten des Ost-Alltags gewitzelt, dann gibt es Kuddelmuddel mit den Geheimdiensten beider Blöcke, was turbulent sein soll wie in einer Verwechslungsposse. Doch in dieses Knall­chargen­hafte wollen sich die ernsteren Töne, die es auch gibt, nicht recht fügen. Peter Timm ist eben nicht Billy Wilder, und sein Film nicht dessen „Eins, Zwei, Drei“.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Sascha ist Grenzsoldat wider Willen. Um einen Studienplatz in Medizin zu bekommen, hat er sich für drei Jahre zur Volksarmee verpflichten müssen. Franzi ist eine freche, neugierige junge Frau aus dem Westen der Republik, die aus Kostengründen eine Wohnung direkt an der Mauer bezieht. Als Sascha und Franzi sich verlieben und heimliche Treffen arrangieren, glauben Stasi und CIA, Anfänge einer Revolte zu beobachten - denn es ist die Zeit der Massenflucht in die Prager Botschaft und der Demonstrationen. In Wirklichkeit führen Sascha und Franzi die Geheimdienste jedoch nur aufs Glatteis, um trotz Mauer und Spitzeln so viel Zeit wie möglich miteinander verbringen zu können.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*