KRITIK

Liebe auf den ersten Schlag

Bild (c) 24 Bilder.

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Die Liebe ist das Thema aller Themen. Vor allem im Kino, wo der physische Aspekt nicht von den Gefühlen zu trennen ist. Am treffsichersten immer dann, wenn Figuren reifen, sich erst im Verlauf der Geschichte zu echten Helden entwickeln. „Casablanca“ (1942), „William Shakespeares Romeo & Julia“ (1996), „Titanic“ (1997), „Moonrise Kingdom“ (2012), … Diese Reihe ließe sich endlos fortführen. Einen weiteren Platz in selbiger darf auch „Liebe auf den ersten Schlag“ für sich beanspruchen, das Spielfilmdebüt des erst 35-jährigen Thomas Cailley. Eine romantische Komödie, mit zahlreichen (Publikums-)Preisen und drei Césaren ausgezeichnet, die ihren Platz zurecht in den Auflistungen großer Romanzen einfordert, weil es um eine Geschichte geht, die wohl jeder in seinem Herzen trägt und zu konkretisieren hofft: Die minutiöse Geschichte einer unerwarteten Liebe auf den ersten Blick, die erst sehr viel später wie der Austausch zweier unterschiedlicher Launen anmutet und genau daraus ihren großen Unterhaltungswert zieht.

Nach dem Tod des Vaters haben Arnaud (Kévin Azais) und sein älterer Bruder Manu (Antoine Laurent) alle Hände voll zu tun. Der kleine Tischlerei-Betrieb der Familie steht vor dem Aus, zahlreiche Aufträge drohen zu platzen. Während die meisten jungen Menschen dem kleinen Provinznest an der südfranzösichen Atlantikküste längst den Rücken gekehrt haben, suchen auch der 18-jährige Arnaud und seine wenigen, verbliebenen Freunde nach neue Chancen – und bis dahin allabendlich nach etwas Abwechslung am Strand. Eine Werbeveranstaltung zieht die Aufmerksamkeit der Clique auf sich. Die Armee versucht auch hier abseits der Großstädte, neue Kandidaten für eine Karriere als Soldat zu begeistern. In einem Show-Training trifft Arnaud auf die taffe und ziemlich kratzbürstige Madeleine (Adèle Haenel), die ihm bei einer Selbstverteidungs-Übung zunächst den Arm und wenig später den Kopf verdreht.

Szene_Liebe_Schlag_2„Le Combattants“, die Kämpfer, wie der Film im französichen Original heißt, trägt den wichtigsten Wesenszug seiner Hauptdarsteller bereits im Titel. Arnauds Kampf findet allerdings zu Beginn ausschließlich im eigenen Kopf statt. Soll er zusammen mit seinem Bruder den Betrieb des Vaters weiterführen? Und damit vor allem seine Mutter glücklich machen? Dieser Kampf wäre ein alltäglicher, nicht nur für ihn, sondern auch einer für seine Familie. Als er eines Tages bei einem wohlhabenden Ehepaar zusammen mit seinem Bruder den Auftrag für ein neues Pool-Haus bespricht, traut er seinen Augen kaum: Im Pool des Paares taucht die taffe Madeleine auf, die ihn am Abend zuvor zu Boden gerungen hatte.

Auch bei ihrer zweiten Begegnung lässt Madeleine keine Gelegenheit aus, Arnaud lächerlich zu machen. Sie ist die Tochter des Hauses und versucht, ihre Eltern von der Sinnlosigkeit des Bauvorhabens zu überzeugen. Verbissen trainiert die studierte Makro-Ökonomin für die Aufnahmeprüfung bei der Armee, was Arnauds Fazination noch mehr befeuert. Eine Faszination, die Regisseur Thomas Cailley innerhalb sonnenumfluteter Settings mit dem Interesse eines Voyeurs kräftig unterstützt. Den Rest erledigt Adèle Haenel, die 2014 für ihre Verkörperung der für die Apokalypse trainierenden Madeleine völlig zurecht den begehrten französichen César als beste Hauptdarstellerin erhielt. Mit Leichtigkeit gelingt es ihr, auch Dank ihrer beeindruckenden Physis, dass sie nicht nur Arnauds Faszination auf sich lenkt.

Szene_liebe-schlagMadeleine und Arnaud, sind zwei unterschiedliche Einzelgänger mit unterschiedlichen Erwartungen in einem dahinsiechenden Landstrich im Süden Frankreichs. Ihre diametralen Welten und Ansichten, die Kameramann David Cailley, der ältere Bruder von Thomas, zu Beginn in perspektivlose, blaue Farben kleidet, weichen wenig später einer neuen, einer gemeinsamen dritten Welt. Madeleines Ehrgeiz und Arnauds Faszination treiben beide in die Arme der französischen Armee und damit heraus in eine Welt, die sie zusammen neu entdecken und gewissermassen selbst erfinden.

 

 

Kritikerspiegel Liebe auf den ersten Schlag



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Christian Gertz
Nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Sascha Westphal
epd film, WAZ, etc.
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Durchschnitt
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


 



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