AKTUELL IM KINO

Licht

Plakat zum Film "Licht".

Bild (c) 2017 Farbfilm Verleih.

Die österreichische Filmemacherin Barbara Albert steht für eine ganz eigene Filmsprache und nimmt bereits seit etlichen Jahren in unserem Nachbarland eine exponierte Sonderstellung ein. Sie ist Mitbegründerin der Produktionsfirma coop99, die einige der ungewöhnlichsten, erfolgreichsten und spannendsten österreichischen Filme der letzten Jahre hervorgebracht hat. Barbara Albert selbst stand mit ihren Werken als Regisseurin dabei stets als scharfe Beobachterin der Gegenwart da, und hat mit „Nordrand“, „Böse Zellen“ oder „Fallen“ beunruhigende Gesellschaftsporträts gedreht, die lange nachwirken. Dabei blieb sie dem Hier und Heute immer verhaftet, weswegen es nun auf den ersten Blick etwas eigentümlich anmutet, dass sie mit „Licht“ ins späte 18. Jahrhundert eintaucht und von einer Gesellschaft und einem Sozialverständnis erzählt, die mit dem Leben im 21. Jahrhundert nicht mehr allzu viel gemein zu haben scheinen.

Wir befinden uns im Wien zur Zeit Mozarts, in dem die junge Maria Theresia Paradis (grandios: Maria Dragus) mit ihrem wundervollen Klavierspiel für Erstaunen sorgt. Noch dazu, weil das Mädchen seit seiner frühesten Kindheit blind ist. Franz Anton Mesmer (Devid Striesow) hat sich einen Ruf als Wunderdoktor erworben, bei dem „Resi“ nun in Behandlung gehen soll. Die Kur des umstrittenen Mediziners scheint anzuschlagen, weil Resi nach und nach beginnt, Formen und Farben wahrzunehmen, was von ihrer Umwelt als Sensation aufgefasst wird. Aber die freudige Entwicklung hat auch ihre Schattenseiten.

Szene aus dem Film "Licht".Trotz der ausgesprochenen Künstlichkeit des späten 18. Jahrhunderts, in dem sich die Menschen mit gigantischen Perücken und auffälligen Kostümen bewusst von ihrem wirklichen Äußeren distanzierten, ist es Barbara Albert auch in „Licht““ wieder ausgezeichnet gelungen, das Seelenleben ihrer Figuren und damit deren wahre Gefühle einzufangen. Die Geschichte, die auf dem Roman „Am Anfang war die Nacht Musik“ von Alissa Walser basiert, hat sich tatsächlich zugetragen und ist der Biografie der Musikerin und Komponistin Maria Theresia Paradis entlehnt. Durch die detailreiche und auch atmosphärisch stimmungsvolle Rekonstruktion dieser Epoche macht es die Regisseurin ihren Zuschauern recht leicht, sich in die damaligen Verhältnisse einzufinden und sich dabei auch ein Bild von den noch recht rückständigen Ansichten hinsichtlich der sozialen Verhältnisse, der Geschlechter oder der Medizin zu machen.

Alleskönner Devid Striesow verleiht dem „Wunderarzt“, dessen Erfolge von vielen als Scharlatanerien abgetan werden, eine unglaubliche Grandezza, die nicht im Mindesten lächerlich wirkt und seine Figur deswegen zum Sympathieträger macht. Highlight des Films ist aber zweifelsohne die junge Maria Dragus („Tiger Girl“), die mit einer beängstigend realistischen Physikalität die blinde Protagonistin auf ihrem Weg aus dem Dunkel darstellt.

 




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