KRITIK

Liberace

Plakat LiberaceDer Pianist Liberace war jahrzehntelang einer der erfolgreichsten Entertainer Amerikas – seine Homosexualität hat er dabei, wie etwa auch Rock Hudson, stets verheimlicht. Wie Hudson starb auch Liberace Mitte der Achtzigerjahre an Aids – sie waren zwei der ersten prominenten Opfer des HI-Virus. Die Öffentlichkeit kannte Liberace als Glamour-Künstler, der seine Las-Vegas-Show als royale Kitsch-Inszenierung im Chinchilla-Mantel absolvierte, mit Kandelaber auf seinem Flügel. Ein Frauenschwarm, optisch angesiedelt zwischen Ludwig Zwo, Rudolph Moshammer und Siegfried und Roy.

Hinter den Kandelaber – so der Originaltitel – und trotzdem mitten hinein in eine vulgärluxuriöse Swarovski-Welt führt dieser jüngst mit elf (!) Emmys ausgezeichnete Film, den Steven Soderbergh nach seinem Abschied vom Kino für den Fernsehsender HBO drehte.

Ein herkömmliches Bio-Pic mit psychologisch gründelndem Nachvollzug dieser langen Künstler-Karriere hatte Soderbergh dabei allerdings nicht im Sinn. Der „Ocean´s Eleven“-Regisseur konzentriert sich vielmehr ganz aufs letzte Lebensjahrzehnt Liberaces und dabei vor allem auf seine erst himmelhochjauchzende, später vor Gericht endende Liebesbeziehung zum vierzig Jahre jüngeren Tiertrainer Scott Thorson.

Es ist für einen US-amerikanischen Film immer noch ungewöhnlich, eine schwule Lovestory in den Fokus zu stellen und sie nicht als drollige oder tragische Beigabe zu behandeln. Dennoch hätte sie leicht zur „Käfig voller Narren“-Tuntenposse missraten können, und vor allem Liberaces Neigung zur plastischen Chirurgie war bizarr: Nicht nur jagte er selbst der ewigen Jugend hinterher, er versuchte auch, Scott dem eigenen Antlitz anzugleichen.

Es sind die unerwarteten, durch betont männliche Rollen bekannt gewordenen Darsteller, die diese Gratwanderung letztlich bestehen: Matt Damon als Scott und vor allem Michael Douglas, der nach seiner Krebserkrankung geradezu triumphal aufspielt. Trotz Echthaarperücke!

  



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